A bisserl Arminia

Nun haben wir unser Finale gegen Hertha. Das Alles oder Nichts-Spiel, zu Hause, vor ausverkauften Tribünen. Das wichtigste Spiel der Saison, Entschuldigung, Matcherl, wie man in Österreich sagt. Ich will nicht lügen: Ich bin furchtbar aufgeregt und krieg jetzt schon die Froasn (=Muffensausen), wenn ich an Samstag denke.
Ich glaube, ich spreche für uns alle, wenn ich sage, dass niemand von den Unsrigen (=unser Team) erwartet, dass wir die Hertha über 90 Minuten im Reindl haben (=ihnen stark überlegen sind), sie gar häkerln (vorführen).
Klar wäre eine Schraube (=souverän herausgespielter Sieg) gut für meine Nerven, aber wir wissen alle, dass sich Wunder wie das gegen Braunschweig, als wir den Löwen sechs Bummerl (=Tore) einschenkten nicht einfach wiederholen lassen.
Außerdem ist jetzt nicht die Zeit, aufzugeigen, zu fiedeln (=zaubern, technisch versiert spielen). Nein, was wir jetzt brauchen, sind 9 Spieler auf dem Platz, die ihren inneren Fabian Kunze channeln, plus unseren Zangler (=technisch versierter Kicker) Patrick Wimmer nebst Quarterback Stefan Ortega.
Wir brauchen Eisenfüße (=hart spielende Fußballer) und Wadlbeißer (selbsterklärend), die die Spieler der Hertha entnervt in die eigene Hälfte zurückdrängen und ein für alle mal klarmachen: Niemand erobert den Teutoburger Wald.
Es gibt keinen Zweifel, dass am Samstag eine außergewöhnliche Leistung vonnöten sein wird. Unser Mr. Zuverlässig, unser Außenpracker (=Außenverteidiger) Cedi Brunner, wird höchstwahrscheinlich fehlen. Club-Legende und unser aller Lieblings-Ballesterer (=Fußballer) Fabian Klos sowieso. Mit Bryan Lasme fällt weiters (=desweiteren) jemand aus, der sich das eine oder andere Mal als Knipser (=Knipser) hervorgetan und die Wuchtel (=Ball) ins Türl (=Tor) geschoben hat.
Es wird eine geschlossene Mannschaftsleistung nötig sein, von der ersten Elf bis zu den Bankerldrückern (=Reservisten), um dieses Spiel zu gewinnen. Wie die Trainer-Stimme bei Anstoß 2 gern brüllte: “Einen dreckigen Sieg will ich sehen, einen dreckigen!”. Aber nicht nur auf dem Platz. Auch daneben.
Das Heimspiel gegen Hertha kann ein besonderes Spiel werden – selbst dann, wenn wir verlieren sollten. Die Fans werden da sein, müssen da sein, von der ersten Minute an, und wenn das Team auf den Platz diesen Funken annimmt, kann es elektrisch werden. Und wenn Fans und Team eine Einheit sind, dann ist in der SchücoArena alles möglich. Und wenn es dann doch nicht reicht, die Mannschaft aber alles gegeben hat, gemeinsam mit den Fans, dann weiß ich, dass wir auch das gemeinsam meistern werden. Gemeinsam fallen und gemeinsam wieder aufstehen. A echta Wiena geht ned unta, heißt es hier, und für Bielefelder gilt das genauso!
Aber am Besten wir lassen es gar nicht so weit kommen. Idealerweise schütten wir uns nicht an (=blamieren).
Lasst uns, egal ob auf dem Platz, auf der Tribüne oder vor den Fernsehern, alles geben. Gemmas au (=Gehen wir es an), zeigen wir auf dem Platz und auf den Tribünen von der ersten Minute: Glei spüts Granada auf da Gummigeign.
Gleich setzt es was. Und zwar Bielefelder Kampfgeist.
Geboren auf Gibraltar (Das sind ne Menge in die Wiege gelegte Groundhoppingpunkte) und zwar in dem Jahr, in dem unser DSC das allererste Mal überhaupt in der 1. Bundesliga war - 1971 - und mit kleinen Unterbrechungen auch immer noch ist. Drei Jahre später zog der Junge Bub dann nach Bielefeld und verlor sein Herz, seine Leidenschaft und manchmal auch sein Blutdruck an die Blauen.
Misha Verollet ist Exil-Bielefelder in Wien. Er lebt seit 2012 in der österreichischen Hauptstadt, wo er als Werbestratege arbeitet. Wenn er nicht gerade auf Sky jedes Spiel der Arminia verfolgt, produziert er unter anderem als FUTURE NIGHTMARES LoFi Beats und Ambient Musik. Twitter: @ftrnghtmrs

