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Schüco
DSC Arminia Bielefeld
Fans Profis

A bisserl Arminia

Misha schreibt aus Wien in diesem Blog über das Dasein als Fan, den Verein, die Liebe zu Arminia, das besonders sein, wenn man eben von hier wech ist und dann wirklich wech ist und wie das Ganze so in Wien aussieht, da wo er nun lebt, auch wenn sein Herz nie von diesem Verein wech gehen wird.

Wie so oft im Leben: Wenn man vom Teufel spricht… Kaum hatte ich beim letzten Mal die fehlende Aufmerksamkeit für unsere Ösi-Kicker in der Heimat bemängelt, packt Wimmer im "jugendlichen Irrsinn" (O-Ton Ortega Moreno) den Rabona aus und legt den Ball für Schöpf derart spektakulär auf, dass selbst hier in Österreich kollektiv Kinnladen herunterklappten. Nicht nur bescherte uns dieses Kunststück überlebenswichtige drei Punkte, auch Wimmers Ziel, Nationalspieler zu werden dürfte er damit näher gekommen sein.

Wimmers Heimatverein, Austria Wien, ist übrigens eine Ausnahmeerscheinung in der österreichischen Fußballlandschaft: Einfach nur "Austria Wien", der ursprüngliche Clubname in Reinform, das ist leider eine Seltenheit mittlerweile. Und das ist traurig.

Stellt euch einfach mal vor, unser Stadionsprecher eröffnet das kommende Heimspiel folgendermaßen:

"Herzlich willkommen zum Bundesliga-Spiel zwischen dem DSC Gestamp Umformtechnik Arminia Bielefeld und dem VfL Siemes Schuhcenter Borussia Mönchengladbach".

Gänsehaut, aber nicht auf die schöne Art. Nee, wat is dat hässlich. Oder schiach, wie man in Österreich sagt. Gott sei Dank sind solche schiachen Sponsoren-Clubnamen in der deutschen Bundesliga nicht die Regel – Bayer Leverkusen jetzt mal außen vor, immerhin ist der Club buchstäblich eine Betriebssportgemeinschaft, da kann ich ein halbes Auge zudrücken

Die deutsche Basketball-Bundesliga hat es da schon schlimmer erwischt. Dort spielen die HAKRO Merlins gegen MHP Riesen, und die FRAPORT Skyliners treffen auf S.Oliver Würzburg. Die Gründe dafür sind bekannt und nachvollziehbar, in da Not frisst da Deife Fliagn – aber schön ist anders. Das ist schlichtweg schiach.

Solche Zeiten kannte und kennt man in Österreich auch. Ich erinnere mich daran, wie ich einst die Tabellen der europäischen Liga studierte und den FC Superfund entdeckte – mein Einstieg in die absurde Welt österreichischer Sponsoren-Club-Namen. Und tatsächlich einer der Harmlosesten. 

Vorwärts Steyr zum Beispiel bestritt eine Halbserie als Komm&Kauf Vorwärts Österreich. In der Unterliga West spielt ein FC Hermagor Fliesen Nessl Die Kärntner. In der ersten Liga kickte der traditionsreiche Sturm Graz in den 90ern sogar als "SK stabil FENSTER Sturm Graz", wobei der Namenssponsor auf die Großbuchstaben bestand. Als SC interwetten.com versuchte sich ein Verein aus Untersiebenbrunn am Aufstieg in die Bundesliga. Dort spielte tatsächlich der SV Marc O’Polo Ried. Ob sich die Spieler beim Pass "Marco - Polo" zuriefen, ist nicht überliefert.

Wer meint, dass diese Zeiten hinter uns liegen, dem empfiehlt sich ein Blick auf die aktuelle Tabelle. Über den SK Puntigamer Sturm Graz lässt sich streiten, immerhin geht das noch leicht von der Zunge, linguistisch als auch geschmackstechnisch. Völlig Banane dagegen sind Vereinsnamen wie RZ Pellets WAC, SV Guntamatic Ried, TSV Egger Glas Hartberg sowie die traurigen Gewinner CASHPOINT SCR Altach und der FC Flyeralarm Admira, die den Sponsor sogar im Vereinswappen unterbringen mussten. Von Red Bull Salzburg ganz zu schweigen, die eigentlich wie ihre Wiener Namensvettern Austria hießen.

Untenrum geht’s noch wilder zu. Dort entdeckt man Kuriositäten wie den FC Lebensraum Immobilien Lendorf, ATSV KFZ-Bauer Stadl-Paura, USK Maximarkt Anif, SV Bauwelt Koch Mattersburg oder World-of-Jobs VfB Hohenems. Passen die Fans ihre Schlachtgesänge mit jedem Namenssponsoren-Wechsel entsprechend an? Wie oft kann man "Hier regiert der FC Lebensraum Immobilien Lendorf!" brüllen, ohne sich die Zunge zu brechen? Zu welcher Melodie besingt man denn den "World-of-Jobs VfB Hohenems"?

Apropos singen: 

Schade ist es tatsächlich, dass es keinen Fußballclub Manner Wien oder ähnlich gibt. Nicht nur wäre ich ganz unironisch Fan der rosa Trikots mit dem Schriftzug des Süßwarenfabrikanten – mit "Manner, Manner, dö dö dödö dö" zur Melodie des Muppets-Song hätte man auch einen einmaligen Fangesang. 

Das Kuriositätenkabinett beschränkt sich übrigens nicht auf die Vereinsnamen. Man gebe hierzu in der Google-Bildersuche nur mal Trikot des Wolfsberger AC ein, oder Rheindorf Altach, oder SV Ried, oder TSV Hartberg, um die wahre Definition von schiach zu entdecken.

Schiach sind natürlich und vor allem auch die Gründe für diese fußballspielenden Litfasssäulen. Finanzielle Probleme, teils aus Missmanagement, ganz sicherlich aber auch aufgrund der fortschreitenden Kommerzialisierung des Fußballs und der immer stärker klaffenden Schere zwischen armen und reichen Clubs. Könnten die österreichischen Vereine stärker ihr eigenes Schicksal bestimmen, ich bin sicher der VfB Hohenems würde World-of-Jobs umgehend aus dem Namen streichen. So witzig das auf den ersten Blick ist, so traurig ist das Ganze in Wahrheit.

Und nur eines der vielen Symptome für das brutale, gnadenlose Hamsterrad, das der Profifußball mittlerweile ist. In dem Zusammenhang: Respekt für Max Eberl, Ex-Manager unseres Heimspielgegners Mönchengladbach, der den sicherlich nicht einfachen Schritt vollzogen hat, auszusteigen und seine Gesundheit zu pflegen. Alles Gute!

Falls bei uns in der Bundesliga wider Erwarten doch Vereinsnamenssponsoren nötig und Usus werden, dann bitte alles oder nichts. All in: 

"Hier regiert die Jahnplatzforum-Arminia aus Bielefeld!"


Geboren auf Gibraltar (Das sind ne Menge in die Wiege gelegte Groundhoppingpunkte) und zwar in dem Jahr, in dem unser DSC das allererste Mal überhaupt in der 1. Bundesliga war - 1971 - und mit kleinen Unterbrechungen auch immer noch ist. Drei Jahre später zog der Junge Bub dann nach Bielefeld und verlor sein Herz, seine Leidenschaft und manchmal auch sein Blutdruck an die Blauen.

Misha Verollet ist Exil-Bielefelder in Wien. Er lebt seit 2012 in der österreichischen Hauptstadt, wo er als Werbestratege arbeitet. Wenn er nicht gerade auf Sky jedes Spiel der Arminia verfolgt, produziert er unter anderem als FUTURE NIGHTMARES LoFi Beats und Ambient Musik. Twitter: @ftrnghtmrs


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