A bisserl Arminia

Es ist ja der ostwestfälischen Seele inhärent, den Teufel an die Wand zu malen. Und der Teufel liefert die Schablone gerade mit, könnte man meinen. Machen wir uns nichts vor: Es ist gerade für niemanden, der es mit der Arminia aus Bielefeld hält, eine einfache Zeit. Es sah alles schon mal ein bisschen besser aus.
Klar, objektiv betrachtet ist unser Heimspiel gegen Stuttgart kein Finale. Egal, wie es ausgeht, es ist noch nichts entschieden. Es sind noch genügend Spiele, um das Ruder des Schlauchboots herumzureißen. Der Kopf weiß es; allein, das Herz will nicht. Das Herz schlägt ostwestfälisch und das ist gewohnt pessimistisch. Das zeigt der Blick auf Twitter genau wie auf Facebook.
Genauso ostwestfälisch ist es übrigens, zu glauben, dass Pessimismus unser Alleinstellungsmerkmal ist. Als stiller, aber aufmerksamer Mitleser von Fußballtwitter kann ich berichten, dass mindestens die Schwaben ähnlich ticken. Dort war in den vergangenen Monaten schon der dauerhafte Totensonntag ausgerufen worden. Und wer konnte es ihnen verübeln? Die Quartalszahlen schienen gegen sie zu sprechen.
Aber das sieht seit dem letzten Spieltag wieder anders aus. Nun sind es wieder wir, die überzeugt sind, dass es sich nicht ausgeht. Vielleicht sind sich Ostwestfalen und Schwaben doch näher, als man geografisch meinen würde.
Aus emotionaler Sicht alles verständlich. Natürlich ist es frustrierend, auf einem Abstiegsplatz zu stehen, das steht ja außer Frage. Ich denke, ich spreche für alle im und um den Verein, dass Platz 17 niemandem ein keckes Lächeln auf die Lippen zaubert. Es sah ja eigentlich schon viel besser aus. Aber so ist Fußball eben. Nun stehen wir halt da, wo viele uns vor der Saison ohnehin erwartet hätten.
Aber das heißt nix. Ganz unostwestfälisch gesprochen: Noch ist der Drops nicht gelutscht. Noch sind genügend Spiele vorhanden, um das Ding nach Hause zu bringen. Auch, wenn es vielleicht nicht so aussieht – wir haben es noch selbst in der Hand. Sogar dann, wenn wir Samstag verlieren.
Aber am besten kommt es gar nicht erst so weit. Und wir Fans sollten unseren Teil dazu beitragen, indem wir die Mannschaft nach vorn schreien.
Und falls nicht? Falls alle Stricke ein Loch ins Schlauchboot reißen? Dann wischen wir uns den Mund ab und sagen ganz ostwestfälisch: Machstenix. Oder scheiß drauf, für Restdeutschland. Oder wie man in Österreich sinngemäß sagt:
Tausend Rosen.
Tausend Rosen? Ja. Tausend Rosen. So haben ich auch geguckt. Und in der Tat ist diese Floskel von allen österreichischen Redewendungen jene, deren Herkunft am schwierigsten zu ergründen ist.
2006 fragte der Wörterbuchautor Christoph Winder im Standard seine Leserschaft nach der möglichen Herkunft. Aber auch hier ließ sie sich nicht eindeutig zuordnen. Ein User spekulierte, dass die Redewendung möglicherweise auf den Literaten Gustav Ernst zurückgehe, “der 1986 ein Stück mit dem gleichnamigen Titel schrieb: der Held, beruflich ein Verlierer, ist im Begriff, darüber auch seine Frau zu verlieren. Darauf zerteilt er - weil's eh' schon wurscht ist - Tausend Rosen! - seinen Nebenbuhler mit der Kettensäge.”
Ein anderer bestätigt, dass man diesen Ausdruck “über eine Angelegenheit mit ungünstigem Ausgang oder als Ausdruck dafür, dass man einer Sache nicht nachweint” verwendet – über die Herkunft kann er jedoch nichts sagen.
Ganz egal, woher die Floskel kommt und ganz egal, wie die Saison ausgeht: Noch viel stärker als der Pessimismus ist eben genau diese ostwestfälische Art, mit Ereignissen umzugehen – wir akzeptieren sie, nehmen die Dinge wie sie kommen, ärgern uns kurz, und schauen dann nach vorn. Was soll man man denn auch machen? Genau. Machstenix! Tausend Rosen!
Geboren auf Gibraltar (Das sind ne Menge in die Wiege gelegte Groundhoppingpunkte) und zwar in dem Jahr, in dem unser DSC das allererste Mal überhaupt in der 1. Bundesliga war - 1971 - und mit kleinen Unterbrechungen auch immer noch ist. Drei Jahre später zog der Junge Bub dann nach Bielefeld und verlor sein Herz, seine Leidenschaft und manchmal auch sein Blutdruck an die Blauen.
Misha Verollet ist Exil-Bielefelder in Wien. Er lebt seit 2012 in der österreichischen Hauptstadt, wo er als Werbestratege arbeitet. Wenn er nicht gerade auf Sky jedes Spiel der Arminia verfolgt, produziert er unter anderem als FUTURE NIGHTMARES LoFi Beats und Ambient Musik. Twitter: @ftrnghtmrs

