„Zehn Jahre mit sehr viel Herzblut“

Detlev, Du hast für beide Vereine gespielt. Wem drückst Du am Samstag die Daumen?
Letztendlich sind es beides meine Vereine. In Wolfsburg war ich als Spieler noch etwas länger. Dafür war ich bei Arminia auch noch in anderer Funktion aktiv. Ich bin mit beiden Mannschaften aufgestiegen und hatte jeweils eine schöne Zeit. Da kann und will ich mich nicht für eine Seite entscheiden.
Du hast die letzten Jahre in Ostwestfalen verbracht und bist aktuell auch noch als Trainer beim Delbrücker SC aktiv. Da ist die SchücoArena ja nicht weit entfernt. Schaust Du dir noch regelmäßig Spiele unseres DSC an?
Nur in Ausnahmefällen. Das hängt natürlich auch damit zusammen, dass ich am Wochenende selbst auf dem Platz stehe und nicht mehr jeden Tag in irgendwelchen Stadien herumlaufe. Insofern war ich in dieser Saison lediglich beim Auftaktspiel in Freiburg im Stadion.
Wirst Du dir denn das Spiel am Samstag anschauen?
Tatsächlich habe ich sogar eine Einladung bekommen. Vielleicht bin ich also wirklich da. Ansonsten werde ich das vermutlich am Fernseher verfolgen. Da habe ich mich noch entschieden. Ich bin letztendlich auch nicht mehr so sehr hinter dem Profifußball her, dass ich mir alles anschauen würde. Aber am Samstag ist es durchaus möglich, dass ich im Stadion bin.
Mit Arminia und dem VfL treffen nun zwei Mannschaften aufeinander, bei denen Du die meiste Zeit deiner Karriere verbracht hast. Bei Arminia warst du aber auch als Funktionär. Wie schaust Du auf deine Zeit beim DSC.
Das war natürlich eine sehr emotionale Zeit, weil es ja ständig um Auf- oder Abstiege ging. Sowohl in der Bundesliga, als auch in der 2. Liga. Insofern war das eine sehr aufreibende, interessante und auch kraftzehrende Zeit, die aber auch mit sehr vielen großartigen Erlebnissen gespickt war. Insofern erinnere ich mich natürlich gerne dran zurück. Zwei Aufstiege, leider auch ein Abstieg und zwei Pokalhalbfinals, die wir gespielt haben, zeigen wie intensiv diese Zeit war. Beim dem zweiten Pokalhalbfinale war ich zwar nur noch auf der Tribüne, aber ich habe auch das Spiel genießen können. Es war halt immer etwas los, so wie es bei Arminia üblich ist. Meine Zeit danach muss man ein wenig aufteilen: Nach meiner aktiven Zeit war ich ja im NLZ-Bereich tätig, zuletzt auch als Sportlicher Leiter. Anschließend war ich Geschäftsführer, dass sind komplett unterschiedliche Felder. Das waren zehn Jahre meines Lebens, die ich mit sehr viel Herzblut verbracht habe.
Du hast die beiden Aufstiege angesprochen. Du bist noch zwei weitere Male aufgestiegen – einmal mit Hannover 96 und einmal mit dem VfL Wolfsburg. Werden Aufstiege irgendwann normal?
Nein (schmunzelt), jeder Aufstieg hat seine Geschichte. Bei Hannover war das meine erste Saison, da war ich noch A-Jugendlicher und daher war das etwas ganz Besonderes. In Wolfsburg sind wir überraschend mit einem 5:4 gegen Mainz 05 aufgestiegen. Auch das war sehr emotional. Seitdem ist der VfL Erstligist und hat ja mittlerweile auch den einen oder anderen Erfolg feiern können. Und auch bei Arminia war jeder Aufstieg ganz besonders. Der erste war mit Benno Möhlmann, nachdem wir das Jahr zuvor beinahe aus der 2. Liga abgestiegen wären. Da sind wir mit einem letzten Endspiel, dem Heimspiel gegen Ahlen, inklusive einer großartigen Feier nach dem Spiel aufgestiegen. Unter Uwe Rapolder war es sehr emotional, da zwischenzeitlich gar nicht mehr an einen Aufstieg zu denken war. Im März hatten wir noch auf Platz acht gestanden hatten. Das sind schon Highlights, die einem mehr als irgendein Platz in irgendeiner Liga im Kopf bleiben.
Nach deiner Zeit als Spieler warst Du für einige Jahre für Arminia in unterschiedlichen Funktionen tätig. Inwiefern hast Du den Verein dadurch unterschiedlich kennen gelernt?
Natürlich ist das ein gravierender Unterschied, wenn man nicht mehr auf dem Platz steht. Ich war ja schon 38 Jahre alt, als ich aufgehört habe. Es war eine lange Zeit und ich wusste auch, dass es vermutlich meine schönste Zeit sein würde. Als Funktionär lernt man dann den Klub von einer anderen Seite kennen. Erst im Jugendbereich, wo man erst einmal die ganzen Mannschaften kennenlernen muss, ganz andere Dinge tun muss und auch schwierige Entscheidungen treffen muss. Im Profibereich steht man dann wiederum unter einem ganz anderen Druck und viel mehr in der Öffentlichkeit. Wobei wir nach meiner Übernahme durch ein Endspiel in Stuttgart die Klasse gehalten haben. Im nächsten Jahr sind wir leider abgestiegen, konnten im folgenden Jahr nach einem super Start eine solide Saison spielen. Den Verein kannte ich nach den zehn Jahren natürlich aus dem Effeff und von allen Seiten. Jede Aufgabe hat seine interessanten Seiten, aber auch seine eigenen Schwierigkeiten. Das sind in keiner Weise vergleichbare Situationen und Aufgaben gewesen.
Jetzt hast Du dich nach den vielen unterschiedlichen Aufgaben für die Rolle als Trainer entschieden. Du hast Uwe Rapolder, den ehemaligen DSC-Trainer, mal als einen der prägendsten Trainer deiner Laufbahn beschrieben. Wie beschreibst Du dich selbst als Trainer und welchen Einfluss hatte deine Zeit unter Rapolder heute noch für dein Wirken?
Unter Rapolder waren das es für mich die Anfänge von ganz klaren Vorgaben auf dem Platz und von hohem Pressing. Das mag es zwar vielleicht in anderen Mannschaften schon gegeben haben, aber wir haben damit sehr erfolgreich und mit einer sehr durchschnittlichen Truppe sowohl den Aufstieg geschafft, als auch die Bundesliga sehr souverän gehalten. Im Anschluss sind wir noch fünf Jahre erstklassig geblieben. Insofern war die Zeit sehr prägend. Wobei sich dann natürlich alle meine Tätigkeiten, sowohl die bei RB Leipzig im Scouting, als auch meine Fußballtrainerausbildung auf mein Dasein als Trainer ausgewirkt haben. Auch wenn man das heute nicht mehr ein zu eins so spielen kann, bestehen so einige Dinge aus dieser Zeit auch heute noch in meinem Spiel.
Kommen wir zu unserem Gegner: Du hast die einen großen Teil deiner aktiven Karriere beim VfL Wolfsburg verbracht. Was für eine Rolle hat diese Zeit für dich und deine Karriere gespielt?
Schon eine sehr große. Es sollte eigentlich nur ein Jahr werden, da ich nur für ein Jahr an den damaligen Aufsteiger ausgeliehen war. Daraus sind dann aber acht Jahre geworden - inklusive eines Aufstieges und eines Pokalfinals. Auch wenn wir dieses dann verloren haben, war das ein wunderbares Erlebnis und eine wunderbare Zeit. Während wir in meiner Zeit uns noch in kleinen Schritten entwickelt haben, hat der Verein anschließend immer größere Schritte mit immer mehr Geld gemacht. Wir haben im nächsten Jahr das 25-jährige Jubiläum unseres Aufstiegs, also kann sich sicherlich jeder vorstellen, was das auch im Nachgang bedeutet hat. Und ich muss sagen, dass ich meine übrig gebliebenen Freunde aus dem Fußball fast ausschließlich in Wolfsburg habe. Das war also auch für mich eine sehr prägende Zeit.
Am Samstag treffen wir nun auf den VfL. Was für ein Spiel erwartest Du zwischen deinen beiden Ex-Vereinen?
Die Länderspielunterbrechung bringt ja häufig auch eine gewisse Schwierigkeit mit sich. Man kommt ein wenig aus dem Rhythmus und die halbe Mannschaft ist zumeist unterwegs. Arminia hat der Sieg in Stuttgart natürlich unglaublich gut getan und die drei Punkte waren natürlich eminent wichtig. Aber mit Wolfsburg kommt schon ein Team auf den DSC zu, dass auch im letzten Jahr sehr stabil gespielt hat und jetzt nach dem Trainerwechsel wieder in die Spur zurückgefunden hat. Daher ist Wolfsburg sicherlich der Favorit - aber letztendlich heißt das auch nicht immer was.

