"Wir haben alle einen schwarz-weiß-blauen Nagel im Kopf"

Die Anhänger des inklusiven Fanclubs aus Bethel begleiten den DSC seit über 20 Jahren ins Trainingslager. Oli ist hier längst bekannt. „Maschine, was geht ab?“, „Maschine, da bist du ja wieder!“ Solche Begrüßungen sind für ihn mittlerweile normal, zumindest im Trainingslager. Hier in Südtirol begrüßt er die anderen Fans, klatscht ein, holt sich Autogramme, unterhält sich mit Mannschaft und Staff. Alltäglich ist diese unbeschwerte Stimmung für ihn aber nicht.
Während Oli zu Hause oft vor Herausforderungen steht, ist er im Trainingslager einfach nur „Maschine“. Hier strahlen seine Augen, hier ist er in seinem Element. Ganz nah dran an der Mannschaft, mitten im Geschehen. Am meisten freut er sich darauf, bei den Trainingseinheiten und den Testspielen zuzuschauen. Oli sieht genau hin, verfolgt jede Übung und analysiert das Geschehen auf dem Platz. Seine Einschätzung nach den ersten Tagen: „Die Mannschaft ist schon viel besser geworden.“ Besonders aufregend wird es für ihn, als er mit seinem Lieblingsspieler Jonny Grodowski fürs Foto posiert.
Arminenschmiede besucht das Trainingslager seit 2004
Insgesamt elf Personen aus der Arminenschmiede sind mit vier Betreuungspersonen nach Südtirol gereist. Mit dabei sind Menschen im Alter zwischen 30 und 70 Jahren, die in unterschiedlichen Bethel-Einrichtungen leben. Einige haben ein Trisomie 21, eine Autismus-Spektrum-Störung oder andere Beeinträchtigungen. Viele lernen sich erst durch die gemeinsamen Trainingslager-Fahrten kennen. Was sie alle verbindet, ist die Leidenschaft für Arminia.
„Wir haben hier sehr viel Kontakt mit den anderen Fans und der Mannschaft. Die Fangemeinschaft ist sehr offen und respektvoll, fast wie eine Familie“, erzählt Friederike Gerdes, Sozialpädagogin in Bethel, die die Gruppe begleitet. „Für mich ist der Besuch im Trainingslager Inklusion in Reinform.“
Kick it like Kersken: Teilnehmer der Arminenschmiede trainieren mit den Profis
Nach der Vormittagseinheit dürfen einige Teilnehmer der Bethel-Gruppe selbst auf den Trainingsplatz. Darauf hat sich nicht nur „Maschine“, sondern auch Marc besonders gefreut. Sein großer Wunsch war es, mal selbst im Tor zu stehen. Torwarttrainer Steffen Süßner zeigt ihm die Grundlagen: Wie hält man die Hände richtig? Wo kommt der Ball hin? Wie reagiert man bei Schüssen auf Brust- oder Gesichtshöhe?
Gemeinsam trainieren sie verschiedene Situationen. Marcs Idol Jonas Kersken schaut zu, gibt Tipps und unterstützt Marc. Der zeigt vollen Einsatz, wirft sich in jeden Ball und lernt, was es bedeutet, als Torwart alles zu geben.
Dann wird es ernst: Elfmeterschießen. Einige seiner Bethel-Kollegen treten gegen ihn an, natürlich auch „Maschine“. Es entwickelt sich ein spannendes Duell und zum Abschluss dann der Showdown: Marc gegen Jonas Kersken. Jonas läuft an, schießt – und Marc hält! Als besondere Erinnerung bekommt Marc anschließend noch die alten Torwarthandschuhe von Kersken.
Zwischen Training, Kultur und Kaiserschmarrn
Während der einwöchigen Reise stehen nicht nur Besuche der Trainingseinheiten auf dem Programm. Die Gruppe unternimmt auch Ausflüge nach Brixen, ins Olympiazentrum nach Antholz oder auf den Kronplatz zum Kaiserschmarrn-Essen.
„Wir entscheiden vieles ganz spontan, je nach Stimmungslage“, erklärt Friederike Gerdes. Denn sie weiß: Hinter der harmonischen Atmosphäre steckt auch eine intensive Betreuungsarbeit. Die Stimmung kann schwanken, und jeder Tag bringt neue kleine Herausforderungen mit sich. „So eine Reise ist jeden Tag mit vielen kleinen Abenteuern verbunden. Für mich ist das aber eine Herzensangelegenheit. Zu sehen, wie viel Freude die Menschen hier haben, ist unbeschreiblich.“
Nachmittags trifft sich die Truppe mit Marius Wörl
Den direkten Draht zu Arminia hat Frederike Gerdes über Peter Heckmann. Als Fanbeauftragter für Menschen mit Behinderung bei Arminia kümmert er sich in Bielefeld unter anderem um Besuche in Wohneinrichtungen sowie inklusive Stadionführungen und Politik für Menschen mit Behinderung. Im Trainingslager ist er erster Ansprechpartner für alle Einrichtungen, aus denen Menschen mit Behinderung angereist sind, neben Bethel beispielsweise auch die Lebenshilfe Bielefeld oder diakonische Einrichtungen.
Für ihn macht genau diese Nähe das Trainingslager so besonders: „Wir sind hier unglaublich nah an der Mannschaft. Wir haben alle einen schwarz-weiß-blauen Nagel im Kopf – das verbindet uns.“
Die Nähe zeigt sich nicht nur beim gemeinsamen Training. Am Nachmittag besucht die Bethel-Gruppe das Hotel der Arminen und trifft dort Marius Wörl. Die Teilnehmer dürfen ihre Fragen stellen, sich mit ihm austauschen und am Ende ein gemeinsames Gruppenfoto machen.
Dann geht es zurück ins Hotel, um Kraft zu sammeln. Denn am nächsten Morgen wartet schon der nächste Einsatz: die Trainingseinheit am Vormittag begleiten und abends beim Testspiel gegen SC Imst den DSC anfeuern. Maschines Auftrage dabei ist jetzt schon klar: „Alles reinhauen!!“
Hier geht es zum ganzen Gespräch zwischen Marius Wörl und der Arminenschmiede.





















