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Wie ein Hitchcock-Drehbuch

Keine Frage – das Foul von Werder Bremens Norbert Siegmann an DSC-Stürmer Ewald Lienen am 14. August 1981 ist wohl das bekannteste Foulspiel Deutschlands. Lienen trägt nach dem Einsteigen Siegmanns eine 20 Zentimeter lange Fleischwunde davon, kann aber nach ein paar Wochen tatsächlich wieder spielen. Nach einer Entschuldigung des Bremer Defensivspielers sind die Wogen schnell wieder geglättet. Wir haben für den Traditionsschnack zur Partie gegen Bremen mal eine andere Geschichte gesucht. Eine Geschichte, die Hitchcock nicht besser hätte schreiben können.

Sir Alfred Joseph Hitchcock wurde 1899 in England geboren und gilt bis heute als einer der einflussreichsten Regisseure, den die Film-Geschichte je gesehen hat. Seine bekanntesten Werke sind “Das Fenster zum Hof”, “Vertigo”, “Der unsichtbare Dritte”, “Die Vögel” und “Psycho” und können allesamt der Kategorie des Thrillers zugeschrieben werden. Wenige Monate vor seinem Tod im April 1980 wurde Hitchcock von Königin Elisabeth II. zum Ritter geschlagen.

27 Jahre später – es ist ein richtig warmer Apriltag im Jahr 2007 – findet in der SchücoArena ein äußerst spannendes Spiel zwischen dem DSC und dem SV Werder statt, welches der Brite wahrscheinlich nur schwer hätte verfilmen, es aber mit einem Drehbuch zumindest begleiten können.

Am 31. Spieltach der Bundesliga-Saison 2006/2007 kommt es zum mit Spannung erwarteten Duell zwischen dem DSC und dem SV Werder Bremen. Es ist das Trainerduell zwischen Ernst Middendorp und Thomas Schaaf. Die Ausgangslage vor dem Spiel ist mehr als klar – Bremen reist als Tabellenzweiter mit zwei Punkten Rückstand auf den FC Schalke an, während Arminia auf Platz 15 steht (punktgleich mit dem ärgsten Verfolger Alemannia Aachen).

Auf dem Spielberichtsbogen, den das Schiedsrichtergespann um Michael Weiner rund eine Stunde vor Anpfiff entgegennimmt, stehen auf Bremer Seite klangvolle Namen wie Miroslav Klose, Naldo, Diego, Thorsten Frings oder auch Patrick Owomoyela. Tim Wiese, Stammtorwart von Werder, sitzt bei den Gästen nur auf der Bank, da er im ein paar Tage zuvor stattfindenden Uefa-Cup-Halbfinal-Hinspiel gegen Espanyol Barcelona vom Platz gestellt wird und Schaaf seinen zweiten Torwart Andreas Reinke für das Rückspiel, welches einige Tage nach dem Spiel in Bielefeld stattfindet, Spielpraxis geben möchte. Aber auch der DSC wirft mit Artur Wichniarek, Jörg Böhme, “Matze” Hain oder Heiko Westermann bundesligaerfahrene Kicker ins Rennen, die den Bremern dann auch gleich im Verbund ordentlich Paroli bieten.

In der 30. Minute darf der Großteil der ausverkauften SchücoArena bei bestem Fußballwetter dann das erste Mal jubeln. Böhme schlägt aus dem rechten Halbfeld eine Flanke, die Westermann per Kopf zur 1:0-Führung verwerten kann. Spätestens jetzt wird klar – hier geht heute was. Der Rückstand setzt die Bremer zunächst etwas zu, sodass die Gäste bis zur Pause offensiv erstmal nichts mehr hinkriegen.

Die Kabinenansprache von Schaaf fällt Erzählungen zu Folge etwas lauter aus, der Bremer Trainer nimmt zwei Wechsel vor und schickt seine Mannschaft um kurz vor 18 Uhr wieder auf den Bielefelder Rasen. Kurze Zeit später pfeift Schiedsrichter Weiner die zweite Halbzeit an – und die sollte es mal so richtig in sich haben.

Innerhalb von sieben Minuten holen sich drei Bremer kurz nach Wiederanpfiff gleich drei gelbe Karten ab. Dann schlägt Miroslav Klose nach einem Standard eiskalt zu, er kann in der 59. Minute ausgleichen. Wer jetzt allerdings denkt, dass der DSC eingeschüchtert ist, irrt sich – und zwar gewaltig. Der eingewechselte Jonas Kamper wird in der 61. Minute von Tesche in den Lauf geschickt, taucht halbrechts frei vor Reinke auf und lässt dem Bremer Torwart mit seinem Flachschuss ins linke untere Ecke aus über zehn Metern keine Abwehrchance – die SchücoArena tobt, Arminia geht wieder in Führung!

Eine Viertelstunde vor Schluss – die Überraschung rückt näher und näher – kommen die Gäste aber erneut zum Ausgleich. Der portugiesische Stürmer Hugo Almeida, erst seit fünf Minuten im Spiel, wird von Klose mit einer Flanke perfekt bedient und lässt “Matze” Hain mit seinem Kopfball am langen Pfosten alt aussehen, 2:2. So richtig weiterhelfen würde der Punkt keiner Mannschaft, weswegen beide Teams weiter voll auf Sieg spielen.

Und tatsächlich hat diese Partie einen Sieger – den DSC Arminia Bielefeld. Warum? Weil Christian Eigler in der 79. Minute von einem Patzer Reinkes profitiert und dadurch das Leder aus wenigen Metern zum 3:2-Endstand über die Linie drücken kann.

Durch den Sieg klettert Arminia auf Rang 13 und verschafft sich ein kleines Polster zur Abstiegszone, welches bis zum Ende der Spielzeit halten wird. Es folgen ein Auswärtssieg in Leverkusen (3:2), ein Heimsieg über Hannover (3:1) und zum Schluss eine knappe Niederlage bei Meisterschaftsanwärter Schalke 04 (1:2). Der DSC schließt die Saison auf Platz 12 ab. Und Bremen? Verliert nicht nur das Uefa-Cup-Halbfinal-Rückspiel ein paar Tage nach dem “Bielefelder Thriller” gegen Espanyol Barcelona, sondern muss auch durch eine unerwartete Heim-Niederlage gegen Eintracht Frankfurt (1:2) am 33. Spieltach seine Meisterschaftshoffnungen auf Eis legen. Am Ende reicht es für Champions-League-Platz drei, Meister wird der VfB Stuttgart.

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