„Vielleicht habe ich ja damals
kleine Spuren hinterlassen“

Hallo Rowen, erste Frage: Was ist dein Lieblingstier?
Ich habe einige, daher ist das eine gute Frage. Müsste ich mich entscheiden, würde ich wohl auf das Warzenschwein gehen. Es ist zwar ein komisches Tier, aber ich finde es super. Als ich jünger war, hatte ich andere Favoriten, aber mit dem Alter finde ich das Warzenschwein immer besser.
Also nicht die Spinne?
Nein, wobei ich mich diesem kleinen Tierchen auch schon so die eine oder andere interessante Erfahrung in meinem Leben gemacht habe.
Erzähl.
Ich wurde im Jahr 2003 von einer kleinen Spinne in meinem Garten gebissen. Anschließend bin ich ins Krankenhaus gekommen, wo ich mehr als eine Woche lag und mehr als zehn Kilogramm verloren habe. Das war eine sehr schwierige Zeit. Eines Tages kam sogar ein Pfarrer ins Krankenhaus, um mit meiner Familie zu sprechen – die Chancen standen zum schlechtesten Zeitpunkt bei 50 zu 50. Zum Glück hat sich mein Zustand dann aber doch in die richtige Richtung verbessert. Trotzdem durfte ich mehr als einen Monat keinen Sport machen. Leider habe ich durch den Biss keine Spiderman-Kräfte bekommen (lacht).
Du wurdest also schon das ein oder andere Mal in deinem Leben vor eine harte Prüfung gestellt.
Das kann man so sagen. Eine Prüfung wurde mir von der besagten Sackspinne gestellt, die braun und nicht größer als ein Fingernagel ist. Die allergische Reaktion werde ich mein Leben nicht vergessen.
Wahrscheinlich nicht vergessen wirst du auch den 30. Januar 2010, als du dir im Tor Arminias beim Spiel gegen den FC Augsburg das Kreuzband gerissen hast. Kannst du dich an diesen Tag erinnern?
Klar. Ich habe mir ja sogar zweimal während meiner Bielefelder Zeit das Kreuzband gerissen. Hoffentlich ist das erstmal genug Pech für das ganze Leben. Für das Spiel in Augsburg war ich bestens vorbereitet. Ich habe mich richtig gut gefühlt, weil ich in den Wochen zuvor mit Thomas Schlieck (Anm. d. Red., ehem. Torwarttrainer des DSC) richtig gut gearbeitet habe.
Nach dem Spiel in Augsburg seid ihr dann direkt zur Diagnose nach München. Erinnerst du dich an die bangen Stunden?
Das war einfach richtig sch****. In so einem wichtigen Jahr, sich so zu verletzten, ist extrem bitter. 2010 fand die WM im meinem Heimatland Südafrika statt und ich hatte gute Chancen, dabei zu sein. Ein Kreuzbandriss ist im Gegensatz zu anderen Verletzungen auch nochmal deutlich schlimmer – es war also alles in allem ein beschissener Tag.
Hast du deine Zeit in Bielefeld trotzdem gut in Erinnerung?
Die Zeit war überragend, keine Frage. Wir hatten auch turbulente Zeiten dabei – immerhin waren in meinen drei Jahren gleich neun verschiedene Cheftrainer im Amt, aber jeder von ihnen hatte seine eigene positive Art. Gerade zusammen mit Thomas Schlieck haben wir Torhüter richtig gut gearbeitet. Jonas Kamper, Nico Herzig, Matthias Langkamp oder Markus Bollmann – das waren richtig gute Freunde. Ich bin als Ausländer nach Deutschland gekommen und war ja auch das erste Mal fern der Heimat. Wie die Jungs mich mit offenen Armen empfangen haben, war großartig. Ich möchte auch eines Tages unbedingt nach Bielefeld zurückkommen, vielleicht ja sogar als Torwarttrainer.
Momentan bist du in Maritzburg ja auch Torwarttrainer beim Club, den jetzt Ernst Middendorp trainiert und bei dem Delron Buckley Co-Trainer ist. Es scheint, als hätte es zwischen dem DSC und Südafrika eine besondere Beziehung gegeben.
Ja, klar, man darf dabei ja auch nicht Siyabong Nkosi und Sibusiso Zuma vergessen, die damals die südafrikanische Delegation beim DSC komplettiert haben. Wir bei Maritzburg United gucken hier natürlich jedes Wochenende, was Arminia macht. Da ist es auch nicht schlecht, dass Bielefeld im Sommer aufgestiegen ist, denn die Bundesliga ist hier ein großes Ding und wird jedes Wochenende auf verschiedenen Sendern gezeigt. Ich habe mich riesig gefreut und im Moment des Aufstiegs einmal laut geschrien.
Also hast du, habt ihr, Arminia weiterhin im Blick?
Natürlich. Ich gucke fast jedes Spiel von Arminia und dabei auch besonders auf Stefan Ortega Moreno, da er damals, als ich beim DSC war, noch in der Jugend war und ab und an bei uns mittrainiert hat. Er war früher schon ein großes Talent und es freut mich, ihn jetzt zu sehen – er macht einen richtig guten Job.
Du hast früher extrem gut abgestoßen, quasi mit einer Art Seitfallzieher aus der Hand. Mit „Tego“ haben wir einen Torwart, der seine Mitspieler ebenfalls super in Szene setzen kann.
Vielleicht habe ich ja damals kleine Spuren hinterlassen (lacht). Stefan macht das wirklich super.
Neulich waren wir in der SchücoArena Zeuge eines kuriosen Eigentores von Leverkusen-Torwart Lukas Hradecky.
Ich habe die Szene ehrlich gesagt nicht wirklich gesehen, weiß aber wohl, worauf ihr hinauswollt.
Ja?
Es geht wohl um mein berühmtes Eigentor gegen Borussia Dortmund im Jahr 2008 als mir der Ball nach einem Freistoß gegen den Kopf knallte und von dort ins Tor ging. Mittlerweile kann ich darüber lachen – ich arbeite ja mit Delron zusammen und er war damals beim Spiel für Dortmund aktiv. Auch er haut mich immer mal wieder darauf an, aber ich nehme es locker. Trotzdem war es damals natürlich eine doofe Situation.
Trotzdem hat dir den "Fehler" keiner krumm genommen. Du warst damals nicht nur im Team, sondern auch bei den Fans sehr beliebt.
Am meisten erinnere ich mich in diesem Zusammenhang an die Südtribüne, die immer voll war – egal ob es geregnet, geschneit oder gestürmt hat. Die Fans waren wirklich super.
Wie ist das in Südafrika?
In Maritzburg spielen wir in der Regel vor 9.000 bis 10.000 Zuschauern, wenn alles normal ist. Die Stadt, in der wir wohnen und spielen, nennt sich Pietermaritzburg und hat gut 230.000 Einwohner. Da wir der einzige Fußballklub der Stadt sind, haben wir eine hohe lokale Beliebtheit. Der nächstgelegene Verein liegt in Durban, rund eine Stunde von hier entfernt. Wenn wir an Freitagabenden spielen, nennen es die Leute "Friday Night Lights" – die kommen dann ins Stadion und danach wird ordentlich gefeiert. So starten die Leute immer gut ins Wochenende.
Sprecht ihr im Trainerteam denn eigentlich auch manchmal Deutsch? (Anm. d. Red.: Das Gespräch mit Rowen wurde nahezu komplett auf Deutsch geführt, da sein Deutsch noch immer extrem gut ist)
Normalerweise reden wir natürlich Englisch, aber wenn ich mit Ernst alleine bin, dann bitte ich ihn immer, mit mir Deutsch zu sprechen, damit ich es nicht vergesse. Das hilft enorm.
Wie sieht dein Leben sonst in Südafrika aus?
Ich habe einen Zwei-Jahres-Vertrag und pendle immer ein bisschen zwischen Maritzburg und Benoni, wo meine beiden Söhne mit meiner Ex-Frau wohnen. Rocco ist zehn und Mason gerade sieben Jahre alt geworden.
Einer von ihnen ist sogar Bielefelder.
Rocco ist im Dezember 2010 im Franziskus-Hospital geboren. Ich weiß noch, dass es richtig schön geschneit hat – von daher war es ein perfekter Tag. Rocco ist also Deutscher und ich möchte mit den beiden unbedingt mal nach Bielefeld, um ihnen meine ehemalige Heimat zu zeigen. Sobald es die Zeit wieder zulässt, packe ich die beiden ein und mache mit ihnen in Bielefeld Urlaub. Rocco müsste auch wieder zeitnah nach Deutschland, um seinen deutschen Pass zu erneuern.
Also können wir dich hoffentlich demnächst wieder in Bielefeld begrüßen?
Das hoffe ich sehr.


