„Unsere Fans sind immer ein Faktor“

Tom, du warst unter der Woche tatsächlich beim bitteren 1:1 Bayerns gegen Villareal. Wie hast du das Spiel erlebt?
"Der Gegentreffer kurz vor Schluss und das Ausscheiden waren natürlich ein kleiner Schock und die Stimmung im Stadion war sehr gedämpft. Da hatte auch keiner mehr mit gerechnet, dass Villareal noch zu einem Tor kommt. Es war das erwartet schwere Spiel, in dem sich Villareal hinten reingestellt und auf Fehler der Bayern gelauert hat. Bayern hat es leider verpasst, das zweite Tor nachzulegen und bei aller Überlegenheit hatte Villareal in diesem einen Moment dann eben die nötige Qualität, den Treffer zu erzielen, auch wenn es natürlich mehr als glücklich war."
Eine Frage, die sich wahrscheinlich viele stellen, ist, ob es schlecht ist, dass die Münchner raus sind, weil sie nun mit ordentlich Wut in die Partie gegen uns gehen. Hast du da eine Meinung?
Die Frage habe ich mir auch gestellt. Ein Spiel gegen Bayern ist immer schwer. Ich glaube nicht, dass die Bayern nun mit mehr Wucht daherkommen, sondern dieses Ausscheiden schon etwas mehr schmerzt als sonst und sie dementsprechend bestimmt auch noch ein paar Tage beschäftigt. Wenn wir alle zusammen einen guten Tag haben – Fans, Spieler, Verein – dann ist durchaus etwas möglich."
Können wir uns denn vom Spiel Villareals etwas abgucken?
"Ob wir uns mit zehn Spielern vor dem Sechzehner aufstellen, müssen andere entscheiden. Bayern hatte enorme Probleme, nach vorne durchzukommen, weil Villareal sehr kompakt stand und mit Leidenschaft verteidigt hat. Genau darum wird’s gehen – kommen wir aus diesen Situationen zum Ballgewinn und zu Umschaltsituationen, müssen wir uns belohnen. Ich könnte mir vorstellen, dass das CL-Spiel den Jungs am Sonntag auch noch etwas in Geist und Knochen steckt, weil mit dem bitteren Ausscheiden einfach keiner gerechnet hat."
Könnte der Faktor ausverkaufte SchücoArena eine Rolle spielen?
"Definitiv. Unsere Fans sind immer ein Faktor. Auch gegen Stuttgart hat man schon gemerkt, was da für eine Wucht entstehen kann. Die Vorfreude bei den Fans ist da und ich bin mir sicher, dass die Stimmung richtig gut sein wird."
Du hast selber sieben Jahre beim FC Bayern gespielt. Wie ist dein Kontakt zum FCB?
"Der ist nach wie vor vorhanden, keine Frage. Einige Mitarbeiter von damals sind zu Freunden geworden, mit Betreuern schreibe ich immer wieder mal und zu Thomas (Anm. d. Red.: Thomas Müller) habe ich auch immer mal wieder losen Kontakt. Die Tage vor dem Spiel gegen Villareal sind die Drähte dann wieder etwas heißer geworden, vor unserem Spiel am Sonntag wird’s dann aber wieder ein bisschen ruhiger. Da ist dann jeder bei sich und seinem Verein."
"Dein Verein" ist mittlerweile glücklicherweise der DSC. Deine Kinder sind hier in Bielefeld geboren und seit 2011 bist du in Bielefeld. Kommst du als Bajuware klar in OWL?
"Auf jeden Fall. Das war auch als Spieler so – ich habe mich von Beginn an sehr wohl gefühlt und bin nun auch mit meiner Familie hier in Bielefeld heimisch geworden. Dazu hat mir der Verein nach der aktiven Zeit die Möglichkeit gegeben, weiter beim DSC involviert zu sein – es passt also."
Apropos. Kannst du dein Engagement bei uns ein bisschen definieren?
"Das Trainee ist abgeschlossen, mittlerweile kümmere ich mich hauptsächlich um drei Dinge: Zum einen bin ich Co-Trainer der U17, zum anderen kümmere ich mich um die Internationalisierung des Vereins und bin mit ein paar anderen Mitarbeitern mit dem Neubau an der Friedrich-Hagemann-Straße beschäftigt. Für die beiden letztgenannten Projekte gehen in der Regel meine Vormittage drauf, ab 16 Uhr wechsele ich dann meine Klamotten und bereite mich auf das Training mit der U17 vor."
261 Pflichtspiele für den DSC stehen bei dir auf der Agenda. Momentan läuft es für unsere Jungs auch nicht so berauschend – warum lohnt es sich, als Armine die Ruhe zu bewahren?
"Wenn uns vor der Saison jemand gesagt hätte, dass wir fünf Spieltage vor Schluss auf Platz 16 mit einem Punkt Rückstand auf Platz 15 stehen, dann hätten wir das doch alle genommen, oder? Wir haben sechs Spiele nicht gewonnen, haben aber trotzdem Anschluss an das rettende Ufer – natürlich ist solch eine Phase, wie wir sie gerade erleben, nicht schön, aber die Jungs haben sich die Saison über ein Puffer aufgebaut, von welchem wir gerade profitieren. Das dürfen wir eben auch nicht vergessen. Und genau das sollte ja auch Mut geben. Wir haben noch alle Möglichkeiten und können uns aus eigener Kraft retten. Die Jungs haben es in dieser Saison in vielen Spielen auch schon gezeigt, von daher sollten wir ihnen vertrauen, entspannt bleiben und positiv denken."
So ganz nebenbei hast du in dieser Spielzeit auch schon einen Einsatz in der Kreisklasse mit dem TSV Burgpreppach gehabt, zusammen mit deinem großen Bruder. Der TSV war dein erster Verein. Wie war es, dort wieder auf dem Platz zu stehen?
"Etwas Besonderes. Neben meinem Bruder haben ja auch noch Cousins von mir mitgespielt – es war einfach richtig schön. Sich in der alten Kabine umzuziehen, Leute von früher wiederzutreffen, mit Familie und Freunden gegen den Ball zu treten und nicht ganz so ambitioniert Fußball zu spielen, war einfach eine coole Sache und ich freue mich auch schon auf das nächste Spiel. Wenn es gut läuft, ist das sogar einen Tag vor unserem Spiel gegen die Bayern."
Wie kommt’s?
"Ich bin mit meiner Frau gerade in München und die Kinder sind bei den Großeltern in der Nähe von Bamberg. Die holen wir auf dem Weg nach Bielefeld noch ab und da bietet es sich an, am Samstag bei der Partie gegen die TSV 1862 Gossmannsdorf dabei zu sein. Wir stehen auf dem Relegationsplatz mit einem Punkt Rückstand auf das rettende Ufer. Kommt uns doch bekannt vor, oder?"
Nach deinen jüngsten Beobachtungen und Erfahrungen – wie könnte unsere Marschroute für das Spiel "David gegen Goliath" sein?
"Hinten sicher und kompakt stehen, alles wegverteidigen, aber auch mal mutig sein und vorne angreifen. Villareal ist den Bayern auf die Nerven gegangen – die Bayern werden sich sicherlich nicht denken: „Sonntag nach Bielefeld in die volle SchücoArena, das wird super.“ Das müssen wir uns zu eigen machen, dann kann etwas gehen."

