Profis

Vier Tore, ein (Drei)Fingerzeig und ein Kartoffelacker

Am 06. November, einem nasskalten Samstag, sind wir zu Gast bei Borussia Dortmund. Tatsächlich gehen wir mit 1:0 in Führung, doch der BVB schafft es, die Führung bis zur Pause zu egalisieren. Was in der zweiten Hälfte passiert, dürfte jedem Arminen bis heute schmerzlich bekannt sein. Wir bekommen im zweiten Abschnitt sage und schreibe zehn Dinger eingeschenkt und erleiden durch das 1:11 die bis heute höchste Niederlage der Vereinsgeschichte. Schwamm drüber! Dass wir torreiche Duelle gegen Borussia Dortmund auch gewinnen können, zeigt eine Partie aus der Saison 1978/1979, die auf einem – sagen wir mal – “schwierigem” Geläuf stattfand. Die Einzelheiten in unserem Traditionsschnack.

Dass Schiedsrichter Werner Burgers aus Essen die Bundesliga-Partie zwischen Arminia und dem BVB anpfiff, glich zu der Zeit weniger einem Wunder, sondern war schlichtweg gang und gäbe. Obwohl der Rasen der Bielefelder Alm an diesem Freitagabend des 29. Dezembers, zwei Tage vor Silvester, mehr einem Kartoffelacker als einem Fußballfeld glich, stand eine Absage zu keinem Zeitpunkt zur Debatte. Kein Wunder, denn damals gab es in bei uns in Bielefeld keine Stadionheizung, keine professionellen Greenkeeper, geschweige denn irgendwelche Ansprüche an das Grün. Die Hauptsache war, dass man einen Platz mit zwei Toren und einigermaßen sichtbaren Linien hatte, weswegen Burgers um Punkt 20 Uhr in seine Pfeife blies.

Freitagabend, Flutlicht, Bundesliga, ein Rübenacker an der Melanchthonstraße und passend dazu noch ostwestfälisches Dreckswetter – alles war angerichtet für eines der legendärsten Spiele in unserer abwechslungsreichen Historie.

Die Gäste gingen früh in Führung – BVB-Angreifer Werner Schneider ließ DSC-Torwart Uli Stein mit seinem Schuss keine Chance. Arminia – angepeitscht vom Großteil der 30.000 frenetischen Fans – schüttelte sich kurz und konnte in Person von Wolfgang “Latscher” Pohl wenige Minuten später den Ausgleich erzielen. Dass er nach seinem Treffer drei Finger in die Luft streckte, kann an dieser Stelle als hellseherische Fähigkeit ausgelegt werden. Drei, für drei weitere Arminia-Tore, die noch folgen sollten. Drei, für drei Punkte, die am Ende zu Buche stehen sollten. Kurz vor der Pause markierte der Gast aus Dortmund zunächst das 2:1, wieder hörte der Torschütze auf den Nachnamen Schneider.

In der 73. Minute – es stand immer noch 2:1 und der Rasen wurde schlechter und schlechter – bewies DSC-Trainer Otto Rehhagel ein goldenes Händchen. Er brachte Harry Elbracht, der nur eine Minute nach seiner Einwechslung den 2:2-Ausgleich markierte. Der Ball wurde dabei noch fast vom Geläuf gestoppt, rollte dann aber doch irgendwie über die Linie. Nun ging es hin und her. Arminias Mittelfeldspieler Norbert Eilenfeldt markierte aus spitzem Winkel das 3:2 (81.), eine Minute später glich der BVB durch Burkhard Segler aus.

Dann schlug die Stunde des eingewechselten Harry Elbrachts mehr oder weniger ein zweites Mal. Nach einer Flanke von der linken Seite stieg der heute 67-Jährige am zweiten Pfosten am höchsten und bugsierte den Ball aus kurzer Distanz mit einer Mischung aus Kopfball und Volleyschuss zum 4:3-Endstand in die Maschen (85.). Der Rest war die Ekstase pur und sorgt bei Zeitzeugen wohl heute noch für Gänsehaut.

Arminia gewann dieses denkwürdige Spiel mit 4:3, sprang auf Rang zehn und tauschte mit dem BVB in der Tabelle die Plätze. Womit wir wieder beim eingangs erwähnten Kartoffel- bzw. Rübenacker wären. In der heutigen Zeit wäre ein Spiel auf solch einem Geläuf undenkbar. Aber jede Zeit schreibt bekanntlich ihre eigenen Geschichten. Traditionsschnack eben.

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