Stressfrei zum Stadion: Autofreier Spieltag überzeugt Fans

Während die meisten Holter schon dicht gedrängt am Bahnsteig auf den Zug warten, steigen rund 30 Arminen an diesem Vormittag am 18. April entspannt in einen Bus ein. Zwar gibt es nur noch Stehplätze, da der Bus aus Hövelhof schon rund 55 Fans an Bord hat. Trotzdem können die Fahrgäste ohne Gedränge einsteigen. “Ich habe über Instagram von dem Fanbus erfahren”, erzählt Henner Flecker, der gemeinsam mit seinem 7-jährigen Sohn Bennet und Freunden unterwegs ist. “Ich finde das Angebot super. Die Anreise mit dem Zug ist uns zu anstrengend, da er immer so überfüllt ist, dass man sich reinquetschen muss. Gerade mit Kindern ist das nicht schön”, so der Holter. “Deshalb fahren wir häufig mit dem Auto und parken außerhalb. Das ist für uns letztlich die entspanntere Anreise.”
Genau hier setzt der autofreie Spieltag an: Im Rahmen eines Pilotprojekts hat Arminia erstmals den Zusatzbus angeboten, um insbesondere den Fans aus dem Umland mit schlechter ÖPNV-Anbindung eine entspanntere Anreise ohne Auto zu ermöglichen. Finanziert wurde das Angebot über das Partnerunternehmen „formaplan“. Mit rund 80 Arminen an Bord fährt der Bus pünktlich um 11 Uhr ab. Entspannt geht es von Schloß Holte ohne weiteren Halt über die Autobahn bis nach Bielefeld, gegen 11:30 Uhr hält der Bus direkt an der Oetkerhalle. “Das hat richtig Spaß gemacht im Bus”, sagt Bennet und freut sich auf das Spiel.
Viele andere Fans teilen diese Erfahrung: In einer anschließenden Umfrage gaben fast 70 Prozent der Busfahrer an, dass sie mit dem Auto gefahren wären, wenn es den Bus nicht gegeben hätte. Die große Mehrheit zeigte sich mehr als zufrieden: 92 % der Mitfahrenden gaben an, dass ihre Anreise durch das Angebot erleichtert wurde und 85 % würden den Bus regelmäßig nutzen. “Diese Rückmeldungen helfen uns, die Bedarfe unserer Fans noch besser zu verstehen”, sagt DSC-Nachhaltigkeitsmanager Ali Haksal. "Wir haben gesehen, dass die Nachfrage sehr hoch ist. Jetzt arbeiten wir daran, das Angebot perspektivisch auf weitere Orte im Umland auszuweiten.“
Zu Fuß, per Rad, Zug, Bus oder Bahn: So reisten unsere Fans an
Neben dem Fanbus gab es beim autofreien Spieltag am18. April weitere Angebote, um die Anreise zu erleichtern. In Kooperation mit moBiel konnten Stadionbesucher die Leihfahrräder „meinSiggi“ kostenlos nutzen. Am Stadion wurden zusätzliche und teilweise überwachte Fahrradstellplätze zwischen Eingang Süd und Ost eingerichtet. Die Stadt Bielefeld hat zudem weitere Abstellmöglichkeiten zwischen den Eingängen West und Nord-West eingerichtet.
Kurz vor 13 Uhr waren die Stellplätze auf dem Stadionvorplatz fast vollständig belegt. "Hier direkt am Stadion könnten es noch mehr Fahrradstellplätze sein“, sagt ein Fan, der regelmäßig mit dem Rad zu Heimspielen anreist. "Das Angebot ist schon gut, aber es geht noch mehr.“
Ein bisschen mehr – das hätte sich auch der DSC-Partner B.O.C. gewünscht, der beim autofreien Spieltag einen kostenlosen Fahrrad-Check auf dem Stadionvorplatz angeboten hat. Zwar nutzten einige den Service, angesichts der vielen Räder hätte die Nachfrage aber höher sein können. “Möglicherweise müssen wir das Angebot beim nächsten Mal noch sichtbarer platzieren”, resümiert Ali Haksal.
Insgesamt ist der Nachhaltigkeitsmanager, der den autofreien Spieltag gemeinsam mit dem Startup elevengreen geplant und umgesetzt hat, aber mehr als zufrieden: “Unsere Auswertung zeigt, dass die Bereitschaft, auf alternative Mobilität umzusteigen, bei unseren Fans definitiv vorhanden ist”, so Ali Haksal. Seine Auswertungen zeigen im Vergleich zum Vorjahr deutliche Veränderungen im Mobilitätsverhalten: 20 Prozent der Fans kamen mit dem Fahrrad, nur knapp 28 Prozent mit dem Auto. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr gaben noch 41 Prozent an, zumindest einen Teil der Strecke mit dem Auto zurückzulegen, während nur 13 Prozent das Rad nutzten. Weitere Verkehrsmittel im Überblick: Zu Fuß kamen am 18. April rund 38 Prozent der Fans, 36 Prozent mit der Straßenbahn, 13 Prozent mit dem Bus und 24 Prozent mit dem Zug. Die "meinSiggi“-Leihräder wurden von 0,79 Prozent genutzt – hierbei sind jedoch nur die Nutzer mit dem kostenlosen Code erfasst, nicht die regulären Abonnenten.
“Wir sind echt stolz darauf, wie viele Fans autofrei angereist sind und möchten uns bei jedem einzelnen bedanken“, sagt Ali Haksal. ”Jede autofreie Anreise zählt und nur gemeinsam schaffen wir es, weniger CO₂-Emissionen zu verursachen."
Autofreier Spieltag ist Teil des Mobilitätskonzepts von Arminia und elevengreen: Weitere Maßnahmen geplant
Der autofreie Spieltag ist eine von mehreren Maßnahmen des Mobilitätskonzepts. Dieses hat Arminia gemeinsam mit elevengreen entwickelt, dessen Mitgründer Arminia-Kapitän Maël Corboz ist. Ziel des Konzepts ist es, langfristig CO₂ reduzieren. Hintergrund ist die große Bedeutung der Fanmobilität für die CO₂-Bilanz im Profifußball: Sie macht bei vielen Vereinen rund zwei Drittel der Emissionen aus. In diesem Kontext hat Arminia bereits ein Mitfahrportal mit über 800 Nutzern und rund 200 Fahrgemeinschaften eingerichtet, die Fahrradstellplätze am Stadion erweitert und Kooperationen für Sharing-Angebote und mit dem ÖPNV in die Wege geleitet. Der autofreie Spieltag war jetzt der nächste konkrete Schritt.
Aber das ist noch nicht alles: „Das positive Feedback bietet viele Ansätze zur Weiterentwicklung“, so Haksal. Geplant ist unter anderem, das „meinSiggi“-Angebot dauerhaft anzubieten und die Fanbusse im Umland fortzuführen. Von den Fans kamen weitere Anregungen für Verbesserungsmöglichkeiten. Diese betreffen unter anderem den Zugverkehr in der Region und die Gültigkeit des Kombi-Tickets. “Diese Themen werden wir mit unseren Partnern besprechen und nach Verbesserungsmöglichkeiten suchen”, sagt Ali Haksal.
Darüber würden sich die Holter Fans Henner und sein Sohn Bennet sehr freuen. „Bis jetzt ist die Busfahrt die beste Anreise zum Stadion“; findet Bennet. Pünktlich nach dem Spiel wartete der Fanbus an der Oetkerhalle, um die Fans wieder nach Hause zu bringen. Diesmal waren noch einige Plätze frei - vermutlich sind viele Arminen noch zum Feiern in Bielefeld geblieben. „Vielleicht war die Abfahrt für viele etwas früh, für uns war es insgesamt ein perfektes Angebot“, sagt Henner Flecker.

























