„Die Eindrücke sind sehr spannend“

Tom, die wichtigste Frage vorab: Wie geht’s dir und der Familie?
Trotz der Pandemie, die natürlich nervig ist und unser aller Leben einschränkt, geht es uns gut – wir sind gesund und munter, das ist das Wichtigste. Mit meinen beiden Kindern haben meine Frau und ich ganz gut zu tun, weil an der ganzen Geschichte viel Organisation hängt. Da die Kinder aktuell nicht in der Kita betreut werden, müssen wir unseren Arbeitsalltag mit den beiden unter einen Hut bringen. Dies ist ohne familiäre Unterstützung wahrlich nicht leicht, aber da wir generell positiv durch das Leben gehen, klappt das alles dann doch immer. Ich bin kein Fan davon, alles negativ zu sehen und denke, dass in allen Krisen auch immer etwas Positives zum Vorschein kommt. Irgendwann werden wir hoffentlich über diese belastende Zeit lachen und wieder in der Normalität sein.
Seit ein paar Monaten bist du nun beim DSC als Trainee aktiv. Hol uns doch mal ab und versuche zu erklären, wie das Ganze genau abläuft?
Der Ursprungsgedanke hinter der Geschichte war, dass ich einen Rundumblick bekomme. Wir haben vorher grob abgesteckt, welche Abteilungen mich dabei besonders interessieren und so sind wir das dann angegangen.
In welchen warst du denn bisher?
Zuerst habe ich mich um den Bereich Infrastruktur – im Speziellen um die an der Friedrich-Hagemann-Straße – gekümmert und tue dies auch momentan noch.
Du verbringst den größten Teil deiner Zeit ja momentan auch am Trainingsgelände.
Richtig. Ich kann mich noch erinnern, dass ich vor zehn Jahren – kurz vor meinem Wechsel zum DSC – an der Friedrich-Hagemann-Straße war und mir im zweiten Satz gesagt wurde, dass hier demnächst etwas passieren würde. Das hat sich nun dann doch etwas gezogen, aber ich finde es extrem spannend, jetzt bei den ganzen Maßnahmen so nah dran zu sein, weil ich ja auch als ehemaliger Spieler hier und da einen anderen Blickwinkel habe und diesen in die Diskussionen mit einfließen lassen kann – ob dass das Flutlicht ist oder die Ausstattung in den Kabinen. Das kann sehr vielschichtig sein und durch die unterschiedlichen Sichtweisen profitieren am Ende alle davon – mir macht das sehr viel Spaß.
Obwohl du zwischenzeitlich ja auch in andere Abteilungen schon reingeguckt hattest.
Ich war im Frühjahr in der Finanz-Buchhaltung, was richtig spannend war, weil wir da gerade die Lizenzierungsunterlagen eingereicht und bearbeitet haben. Zu sehen, was man für Unterlagen braucht, welche Zahlen aus welchen Bereichen kommen und wie geplant wird – all das waren Dinge, die ich dort aufsaugen konnte. Als die Unterlagen dann eingereicht und die Lizenzierung abgeschlossen war, habe ich quasi das Büro gewechselt.
Und warst dann erstmal bei den Video-Analysten und Scouts an der FHS.
Genau, ich bin eine Zeit lang dann immer ein bisschen zwischen diesen beiden Bereichen hin- und hergesprungen. Zum einen habe ich die Jungs bei den Spielen und Trainingseinheiten begleitet und erfahren, wie so eine Videoanalyse genau aussieht und wie man ein Spiel auf-, vor- und nachbereiten kann. Gerade auch im Hinblick auf meine mögliche Zukunft war es zum Beispiel richtig gut und hilfreich, dass mir die Abteilung eine Einführung in die Schnittprogramme gegeben hat. Auch bei den Scouts war ich super nah dran und das Thema hat mich schon immer interessiert. Die Pandemie hat die Arbeit in diesem Bereich ja nochmal stark verändert, weswegen die Eindrücke auf jeden Fall sehr spannend sind.
Inwiefern würdest du sagen, spielt Corona in diesem Bereich eine Rolle?
Es geschieht alles eigentlich momentan vom Laptop aus, die direkten Spiel- und Spielerbeobachtungen sind nicht möglich. Da hoffen alle, dass das in naher Zukunft wieder möglich sein wird. Es ist spannend, einen Spieler allein von Videomaterial zu bewerten und da bleibt es natürlich nicht aus, dass man hier und da dann unterschiedlicher Meinung ist. Wie man sich dann evtl. annähert und zu einem Konsens kommt, ist mindestens genauso interessant, wie der Weg dahin.
Dein Weg hinter die Kulissen bei Arminia, also genauer gesagt ins Trainee, führte ja über den Platz, wo du neun Jahre erfolgreich deine Schlappen für uns hingehalten hast. Was ist dir als Erstes aufgefallen, als du die Seite gewechselt hattest?
Das ist eine schwierige Frage, weil es zwei komplett unterschiedliche Welten sind. Als Aktiver hast du am Wochenende eigentlich immer einen Abschluss. Also eine Woche, in der du auf das Spiel und den kommenden Gegner hingearbeitet hast. Danach konntest du zumindest daran einen Haken setzen und dich auf das nächste Spiel konzentrieren. Jetzt stecke ich in Projekten, die langwieriger und auf mehrere Wochen oder gar Monate ausgelegt sind. Klar bekommt man hier und da auch Erfolgsmomente zu spüren, aber es sind dann eben Genehmigungen von Anträgen und keine Tore oder Vorlagen, über die man sich freut. Diese Langfristigkeit muss und musste ich erst ein bisschen kennenlernen, da es auf dem Feld schnelllebiger zugeht. Was mir dazu auch noch einfällt, ist, dass man hinter den Kulissen einfach auch nochmal ein Stück mehr auf andere Menschen und Institutionen angewiesen ist. Im Spiel hast du deine Kollegen und das Ergebnis liegt in der Hand der Mannschaft, das ist hinter den Kulissen anders. Auch das ist ein Prozess, den ich langsam, aber sicher, verinnerliche.
Du hast dich ja schon zu deiner „aktiven Zeit“ bei Arminia schon immer dafür interessiert, wer für Arminia arbeitet und was im Hintergrund so abläuft. Fühlst du dich gut aufgehoben und welchen Eindruck macht der DSC von innen auf dich?
Ich fühle mich sehr, sehr wohl. Es war mir schon als Spieler immer wichtig, ein gutes Verhältnis zu den Leuten im Verein zu haben, weswegen sich der Übergang recht einfach gestaltete. Der Eindruck hat sich bestätigt – alle Mitarbeitenden leben den Verein und tun alles Menschenmögliche dafür, dass der Klub funktioniert und erfolgreich ist. Mitunter ist es auch erstaunlich, wie weit die Leute dafür gehen, aber ich glaube, dass das so einen Verein weit ausmacht. Du brauchst solche Mitarbeiter, sonst würde das nicht funktionieren.
Gut funktioniert hat auch das Zusammenspiel zwischen der U17 und dir, wo du seit vergangenem Sommer Co-Trainer bist. Wie waren deine ersten Erfahrungen an der Seitenlinie?
Ich habe gemerkt, dass es auf jeden Fall etwas für mich wäre – genauso wie ich gemerkt habe, dass viele andere Dinge im Fußball, auch außerhalb des Platzes, etwas für mich wären. Wenn ich eines in den vergangenen Monaten gelernt habe, dann, dass ich alle Dinge außerhalb des Platzes mit viel Interesse aufsauge und gleichzeitig dann viel Energie reinstecke. Das ist bei der Arbeit auf dem Platz, mit den Jungs, natürlich ganz genauso. Gerade im Hinblick darauf, dass ich erst kürzlich meine aktive Karriere beendet habe, ist es extrem wohltuend, mit den Jungs auf dem Platz zu arbeiten und so jeden Tag dabei zu bleiben. Hier und da kicke ich auch gerne noch mit. Das Trainerdasein hat mich schon immer interessiert – ich hatte schon als Aktiver immer eine etwas andere Denkweise und mir von vielen Weggefährten etwas abgeguckt.
Leider habt ihr mit der U17 nur wenige Spiele bestreiten dürfen.
Genauer gesagt waren es fünf. Ich war trotzdem zwischendurch echt überrascht, wie schnell mich das Trainerdasein gepackt und angefixt hat – ich kann mich an das letzte Heimspiel erinnern. Wir lagen zurück und in der 60. Minute habe ich voller Frust einen Stuhl weggetreten. Das ist mir als Spieler nie passiert, weswegen ich mich da selbst ein bisschen über mich erschrocken habe. Da habe ich gemerkt, dass der „Job“ etwas mit mir macht. Es ist eine spannende Sache, an der ich auf jeden Fall dranbleiben werde. Die Spieler nehmen sehr viel an, sind super offen, wobei die in den ersten Tagen mir gegenüber natürlich auch etwas zurückhaltend waren. Im ersten Testspiel haben wir gewonnen und ein Standardtor erzielt – das hatten wir vorher trainiert und spätestens mit diesem Moment war das Eis auch endgültig gebrochen.
Hört sich so an, als würde dir der Trainee die Möglichkeit geben, in alle Bereiche einmal hereinzukommen.
Dem ist nichts hinzuzufügen. Ich habe schon jetzt einen noch tieferen Eindruck in den Verein bekommen und konnte wichtige Erfahrung für die Zukunft sammeln. Ich möchte auch Trainerscheine in Angriff nehmen – wie schnell das dann geht, muss ich schauen, denn durch die Pandemie sind einem da momentan etwas die Hände gebunden.
Lass uns zum Abschluss doch gerne nochmal einen Blick in die Profikabine werfen. Wie bewertest du die aktuelle Spielzeit & unsere Chancen im Kampf um den Klassenerhalt?
Hätte uns vor der Saison einer gesagt, dass wir zu dem jetzigen Zeitpunkt noch alles in der eigenen Hand haben, dann hätten wir das doch sofort unterschrieben. Es spricht für die Mannschaft, dass sie konstant ihre Punkte geholt und sich dadurch Selbstvertrauen erarbeitet hat. Wer bis drei Spieltage vor Schluss so gut mithalten kann, der kann und wird die letzten drei Spiele auch positiv bestreiten, da bin ich mir sicher. Die Intensität der letzten Wochen ist essenziell wichtig gewesen und wird es auch für das Saisonfinale sein.Wir müssen uns wohl davon verabschieden, zum Schluss nochmal fußballerische Leckerbissen zu sehen, aber das ist auch nicht gefragt. Wenn am Ende der Klassenerhalt steht, was ich der Mannschaft zu 100% zutraue, sind wir doch alle zufrieden. Und wenn wir dann in der kommenden Saison wieder die Fans bei uns begrüßen dürfen, wäre alles perfekt.
Wahrscheinlich kitzelt es dich auch immer noch, wenn du die Jungs auf dem Platz siehst, oder?
Es juckt, klar, das wird es auch in den nächsten Jahren noch. Dadurch, dass ich mir aber bewusst viele Aufgaben mit dem Trainee und der Trainerstelle beschaffen habe, komme ich gar nicht mehr dazu, darüber nachzudenken. Wenn wir aber abends mit meiner Jugend Training haben, dann hoffe ich manchmal darauf, dass wir eine ungerade Anzahl an Spielern haben, um dann eben selbst noch mitzukicken. Natürlich habe ich auch nochmal Phasen, wo ich gerne selbst aktiv wäre, aber alles in allem bin ich super zufrieden mit dem, was gerade so passiert.


