Profis

Nächster (Klassener)Halt: Bielefeld Hbf

Eines der für uns wohl verrücktesten und emotionalsten Spiele der vergangenen Jahre ist zweifelsohne der 6:0-Heimsieg im Abstiegskampf 2017 der zweiten Liga gegen Eintracht Braunschweig. Er beschert uns am Ende nicht nur den fast schon nicht mehr für möglich gehaltenen Klassenerhalt, sondern sichert dem VfB Stuttgart den Aufstieg in die Bundesliga. Als Dankeschön fließen 1893 Liter Freibier aus Stuttgart nach Bielefeld. Beim Gedanken an Stuttgart, Klassenerhalt und Bier können wir uns auch an ein Spiel aus der Bundesliga-Saison 2008 erinnern. Vorhang auf für den Traditionsschnack.

Am 34. Spieltach der Bundesliga-Saison 2007/2008 fahren wir mit 33 Punkten zum letzten Spiel der Saison nach Stuttgart. Dort treffen wir vor knapp 56.000 Zuschauern auf den amtierenden Meister. Wir stehen gehörig unter Druck, denn der 1. FC Nürnberg – auf Platz 16 stehend – hat vor dem Spieltach nur zwei Punkte Rückstand und um das elf Treffer bessere Torverhältnis. Mit einem Heimsieg über den FC Schalke 04 und einer gleichzeitigen DSC-Niederlage könnten die Franken uns also noch überholen. Dementsprechend viel Druck ist auf dem Kessel.

Allerdings starten wir gut in die Partie. Eine Freistoßhereingabe von Thorben Marx landet nach zehn Minuten bei Markus Bollmann auf dem Kopf, der die Kugel an den Pfosten setzt. Handlungsschnell setzt Robert Tesche sofort nach und kann aus wenigen Metern zur so wichtigen 1:0-Führung abstauben. Da sich im Gästeblock, wo sich mehrere Tausende mitgereiste Bielefelder befinden, auch schnell rumspricht, dass der FC Schalke 04 durch Marcelo Bordon nach 20 Minuten beim "Club" mit 1:0 in Führung geht, ist die Stimmung früh ausgelassen.

Zwar können die Stuttgarter die Partie in der zweiten Halbzeit durch einen Foulelfmeter von Mario Gomez (75.) und Martin Fischer (85.) zunächst drehen, aber da der FC Schalke zu diesem Zeitpunkt mit 2:0 führt – wieder hat Bordon getroffen – ist der Klassenerhalt gegen 17:10 Uhr zum Greifen nah. Um 17:12 Uhr können wir dann endgültig mit dem fünften Bundesliga-Jahr in Folge planen. Nach exzellenter Vorarbeit von Oliver Kirch trifft Christian Eigler zum 2:2-Endstand.

Am Ende steht ein leistungsgerechtes Unentschieden, mit denen beide Mannschaften zufrieden sein können. Der VfB kann sich immerhin für den – damals noch existierenden – UI-Cup qualifizieren, während wir ausgiebig den Klassenerhalt feiern. "Wir sind alle überglücklich, dass wir es nach der sehr komplizierten Rückrunde geschafft haben", strahlt Michael Frontzeck wenige Minuten nach Abpfiff in die Kameras, während er die eine oder andere Bierdusche abbekommt.

Apropos Bier – nach Abpfiff sind die Vorräte in der heutigen Mercedes-Benz-Arena schnell aufgebracht. Das liegt zum einen an den vielen Bierduschen, zum anderen aber natürlich auch am Durst der DSC-Profis. Um 18:51 Uhr steigen die Jungs am Stuttgarter Bahnhof in den ICE Richtung Bielefeld. Gut, dass es an Bord des Hochgeschwindigkeitszuges genug Gerstensaft gibt. Vier Stunden später, genauer gesagt um 23:18 Uhr, fährt der ICE im Bielefelder Bahnhof mit dem Klassenerhalt im Gepäck ein.

Über 2.000 sangesfreudige DSC-Fans empfangen die Spieler, von denen der eine oder andere mit Sonnenbrille rumläuft. Die Stimmung ist ausgelassen. Nach einem kurzen Zwischenhalt am Stadion, fährt der DSC-Tross nach Mitternacht in die Stadt, um den Abend dort würdig "ausklingen" zu lassen.

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