„Mir gefällt es, neue Länder kennenzulernen“

Hi Eddy, ist der top corner auch in Belgien immer frei?
Natürlich ist er das, wobei ich ihn diese Saison noch nicht so oft getroffen habe. Gerade in den ersten Spielen der Saison haben die Torhüter manche Bälle sehr gut gehalten. Um ehrlich zu sein, bin ich auch etwas geschockt, dass ich noch nicht mehr Treffer erzielen konnte. Alles in allem läuft es ganz gut, aber die Torwärte haben es hier und da echt gut gemacht.
Du hast bereits zweimal das Target gehitted, zudem noch drei Vorlagen geliefert. Wie würdest du das Niveau der zweiten belgischen Liga beschreiben und wie zufrieden bist du bisher mit deiner Leistung?
Wenn man das Niveau mit dem der Bundesliga vergleicht, dann muss man festhalten, dass es eine andere Welt ist – die Bundesliga ist natürlich viel stärker. Ansonsten bin ich positiv überrascht, wie viel individuelle Qualität in der zweiten belgischen Liga steckt. Es gibt viele junge und spannende Spieler und ich bin mir sehr sicher, dass einige von ihnen in Zukunft auch noch von sich hören lassen und in größeren Ligen spielen werden.
Und taktisch?
Da habe ich das Gefühl, dass die Spiele hier in der Regel alle sehr eng sind und jeweils eine hohe Intensität haben. Es geht viel nach vorne und zurück – wenn man das große Ganze vergleicht, dann ist es einfach so, dass Deutschland eine andere Nummer ist, aber ich genieße das hier extrem. Ich habe immer versucht, in anderen Ligen zu spielen, um Erfahrungen zu sammeln und neue Dinge kennenzulernen. Von daher bin ich sehr zufrieden.
Du warst der erste Färinger, der für Bielefeld gespielt hat. Bist du auch der erste Färinger, der nun in Belgien spielt?
Soweit ich weiß, ja. Nachdem ich in der zweiten belgischen Liga nun schon getroffen habe, ist es natürlich mein Ziel, auch in der ersten Liga zu treffen. Das wäre eine schöne Geschichte, aber fast noch mehr hoffe ich, dass viele andere färöische Spieler den Sprung von der Heimat in eine der europäischen Top-Ligen schaffen, weil da wirklich viel Qualität in den Spielern steckt.
Ihr steht nach 13 Spielen, von denen du zwölf mitgespielt hast, auf Platz zwei. An der Spitze der Achter-Liga steht KVC Westerloo mit zehn Punkten Vorsprung. Wie bewertest du die Situation?
Mein Verein ist in der vergangenen Saison abgestiegen, weswegen es das klare Ziel war, schnell wieder aufzusteigen. Gleichzeitig wussten wir aber auch, dass dieses Unterfangen nicht einfach werden würde. Es gab eine Menge Wechsel im Spieler-, aber auch im Funktionärsbereich. Wir haben viele neue Akteure, von daher war uns klar, dass es dauern würde. Ich glaube, dass wir alle gemischte Gefühle zum bisherigen Saisonverlauf haben.
Inwiefern?
Wir sind einfach zu inkonstant. In einigen Partien haben wir richtig gut gespielt, in anderen Spielen waren wir sehr schlecht, das müssen wir auch ehrlich sagen. Alles in allem haben wir das Gefühl, immer besser und konstanter zu werden, was für die kommenden Monate Zuversicht gibt, da es unser Ziel bleibt, aufzusteigen.
War es eine große Umstellung für dich von Bielefeld nach Beveren zu ziehen, was eine kleine Gegend in der Nähe von Antwerpen ist?
Um ehrlich zu sein, ist es nicht die größte Umstellung gewesen, denn so unterschiedlich sind sich die Regionen und das Leben dann gar nicht. Ich habe einen dänischen Kollegen im Team, deutschsprachige Mitspieler und Trainer – von daher ähneln sich die Abläufe. Auch kulturell gibt es nicht so gravierende Unterschiede, weswegen es mir nicht schwer gefallen ist, mich hier schnell zu integrieren.
Und wenn du es auf die Vereinsebene ziehst?
Der Club ist natürlich kleiner als Bielefeld und in gewisser Weise auch ein Schritt zurück, aber ich bin sehr zufrieden und froh, hier zu sein, denn das Wichtigste ist, zu spielen und Spaß zu haben. Ich will natürlich das Bestmögliche erreichen, was auch heißt, so hoch es geht zu spielen, aber letzte Saison in Bielefeld habe ich nicht viel gespielt.
Weswegen du nach Waasland-Beveren gegangen bist.Genau. Ich hatte gute Gespräche mit dem Trainer und den Verantwortlichen, die mir meine Rolle aufgezeigt haben. Diese ist natürlich auch eine andere als zum Beispiel noch bei Bielefeld. Jetzt bin ich in einer etwas verantwortungsvolleren Rolle, eine Art „Leader“, um den jungen und unerfahrenen Spielern Tipps zu geben und sie auf ihrem Weg zu begleiten. Ich bin jetzt nicht derjenige, der viel spricht, aber ich mache das auf meine Art und genieße es zu sehen, wenn Dinge angenommen werden und die Jungs dadurch besser werden. Ich werde wahrscheinlich nicht mehr noch zehn Jahre auf dem höchsten Niveau Fußball spielen, weswegen ich jetzt schon ein kleines Gefühl dafür bekommen kann, wie es sich anfühlt, Trainer zu sein oder andere Rollen im Fußball einzunehmen. So kann ich natürlich gucken, ob das eventuell etwas für „nach der Karriere“ wäre.
Hast du schon belgische Pommes, Bier oder Schokolade probiert?
Klar, ich bin ein großer Fan von Schokolade, weswegen ich das auch ein wenig als mein Laster bezeichnen würde. Ich versuche immer, dass die Schokolade, die ich esse, so schwarz wie möglich ist, aber das gelingt mal mehr, mal weniger. Ich kann nur bestätigen, dass die Schokolade hier sehr gut ist. Achja – und das Bier übrigens auch.
Bier gab es im vergangenen Sommer bei unserer Klassenerhaltsfeier. Du hast uns nach drei Jahren im Sommer verlassen. Hast du trotz allem noch Kontakt nach Bielefeld?
Hin und wieder habe ich Kontakt mit einigen Jungs von damals und ich mag es, mir die Spiele des DSC im Fernsehen anzuschauen, wenn es meine Zeit zulässt.
Wie bewertest du denn unsere bisher gezeigten Leistungen?
Die Spiele, die ich gesehen habe, waren alle sehr eng. Leider hat es oft nicht gereicht, aber ich denke, dass die Körpersprache immer gut war und wenn die Jungs so weitermachen, dann wird das auch etwas. Wenn sie in der einen oder anderen Situation die Möglichkeiten noch etwas besser nutzen und schärfer spielen, dann bin ich mir sicher, dass Arminia noch schöne Erfolge einfahren kann.
Am besten ja schon am Samstag. Apropos – kommen da Erinnerungen hoch, schließlich hast du gegen den 1. FC Köln, gegen den wir am Wochenende spielen, im Sommer 2020 durch deinen Treffer für den ersten Sieg nach elf Jahren Bundesliga-Abstinenz gesorgt?
Selbstredend. Das war ein fantastischer Moment, den mir keiner mehr nehmen kann. Das war etwas ganz Besonderes. Ich war unfassbar glücklich als der Ball die Linie überquert hat und ich bin mir ehrlich gesagt auch nicht ganz sicher, ob irgendjemand aus dem Kader damals einen besseren rechten Fuß hatte als ich.
Ein besonderes Tor fiel ebenfalls vor gut drei Wochen, nämlich im WM-Qualifikationsspiel zwischen Dänemark und den Färöer Inseln. Nachdem die Dänen in den ersten neun Spielen ohne Gegentreffer blieben, sorgte ein Färöer-Treffer in Kopenhagen kurz vor Schluss für das Ende der Gegentor-Phase.
Wir haben 3:1 verloren, das steht natürlich über allem, aber es war schon etwas ganz Besonderes. Ich habe das leider nur von außen verfolgen können, da ich zu dem Zeitpunkt schon angeschlagen ausgewechselt worden war. Zwischen Dänemark und den Färöer Inseln gibt es auch eine spezielle Beziehung, weswegen dieses Tor eine Menge bedeutet hat. Man kann grob sagen, dass 50% der Färinger für eine Unabhängigkeit von Dänemark stimmen, wohingegen 50% dagegen stimmen. Wir sprechen Dänisch auf unserer Insel und auch ein Blick auf die Population verrät, wie speziell das war.
Wie meinst du das?
In Kopenhagen leben mehr Färinger als in der färöischen Hauptstadt, dementsprechend waren viele Landsleute im Stadion und in den Bars – es herrschte eine tolle Atmosphäre, die wir durch unser Tor natürlich heben konnten.
Du stehst mittlerweile bei 73 Einsätzen für die Färinger, was Platz drei in der Liste der Rekordspieler bedeutet – an der Spitze steht Fródi Benjaminsen mit 95 Einsätzen. Ist das etwas, womit du dich beschäftigst?
Nicht wirklich. Ich bin einfach nur froh über jeden Einsatz, den ich bisher hatte und über jeden, der noch kommt. Andere Städte zu bereisen, neue Kulturen kennenzulernen und sein Heimatland repräsentieren zu dürfen, sind einfach viele und vor allen Dingen schöne Privilege. Fródi ist eine Legende, es wird schwer ihn einzuholen, aber wenn ich es auf Platz zwei schaffen sollte, wäre das auch schon eine coole und vor allen Dingen witzige Geschichte.
Weil euch eine gewisse Sache eint.
Genau, wir kommen beide aus dem gleichen Dorf mit 1.200 Einwohnern.
Zieht es dich da denn auch nach deiner Karriere, mit der du hoffentlich noch ein paar gute Jahre beschäftigt bist, hin oder was sind grob die Pläne für „nach der Karriere“?
Erstmal hoffe ich, dass ich noch ein paar Jahre professionell spielen kann. Mir gefällt es – wie ich schon öfter sagte – neue Länder kennenzulernen und immer wieder Erfahrungen zu sammeln. Stand jetzt bin ich beispielsweise sehr froh, hier in Belgien zu sein. In den kommenden Jahren will ich auf jeden Fall ein paar Trainerlizenzen erlangen. So richtige Pläne gibt es noch nicht, aber es könnte auch eine Option sein, für ein Studium nach Dänemark oder auf die Färöer Inseln zu gehen.
Dann lass dir zum Schluss noch gesagt sein, dass du auch in Bielefeld ein immer willkommener Gast bist. Wir würden uns freuen, dich demnächst mal wieder bei uns begrüßen zu dürfen. Danke für das Gespräch, „Eddy“!












