„Ich wollte einmal Danke sagen, Leo!“

Es war der erste Besuch des beliebten Austauschformats im Kreis Lippe. Gemeinsam mit unserem langjährigen Partner Krombacher soll die Veranstaltungsreihe auch außerhalb der Bielefelder Stadtgrenzen etabliert werden. Im Biergarten des Landhaus Begatal starteten Leo Oppermann und Neuzugang Leon Jensen die von Sebastian Wiese moderierte Talkrunde.
Unser Schlussmann, der zu den Dienstältesten im Team zählt, stellte gleich zu Beginn klar, warum er nach wie vor gerne das schwarz-weiß-blaue Trikot trägt und seinen Vertrag erst kürzlich verlängert hat: „Ich habe schon viel erlebt in den jungen Jahren und habe mich hier wohlgefühlt. In dem Moment habe ich für mich einfach den Entschluss gefasst, dass ich es richtig finde und hier die nächsten Schritte gehen kann.“ Dabei beschrieb sich der 25-Jährige nicht als jemand, der seine Rolle über Ansprüche auf Spielzeit definiere, sondern über den täglichen Einsatz, Leistungen und Konkurrenzkampf: „Für mich ist erst mal das Wichtigste, dass ich für mich persönlich jeden Tag Vollgas gebe. Ich versuche jeden Tag im Training alle zu geben, zu pushen und durch Leistung auch voranzugehen“, erklärt Oppermann. Angesprochen auf sein schönstes Arminia-Erlebnis fielen dem Familienvater gleich mehrere ein. Neben des offensichtlichen, dem Einzug ins DFB-Pokalfinale, sei vor allem „mein erstes Spiel von Anfang an in der zweiten Liga, als ich mit meinen Kindern eingelaufen bin.“ Es war der 3. Spieltag der vergangenen Saison gegen Dynamo Dresden (1:2).
In besonderer Erinnerung blieb einen Fan hingegen eine ganz andere Partie. „Ich möchte an dieser Stelle einmal persönlich Danke sagen, Leo. Denn ohne deine Paraden gegen Preußen Münster im Elfmeterschießen hätten wir diese Pokalreise gar nicht erlebt“, erinnerte er sich an das Halbfinale im März 2023 im Westfalenpokal. Ein besonderer Tag für alle Beteiligten, dem viele weitere Pokalabende folgten.
Auch Leon Jensen fand schnell seinen Platz in der Mannschaft. „Es hat keine drei Tage gedauert und dann war ich auch schon drin“, blickte der Neuzugang auf seine ersten Tage bei Arminia zurück. Dass die Integration so schnell funktionierte, führt der 29-Jährige auch auf die Qualität innerhalb der Mannschaft zurück. Eine Partie ist ihm dabei besonders in Erinnerung geblieben: „Das Abendspiel gegen St. Pauli war einfach ein cooles Spiel. Wir haben auch nicht verloren, was natürlich ganz wichtig für uns war.“
Gleichzeitig sieht Jensen noch einen Bereich, in dem die Mannschaft weiter zulegen kann. „Was uns vielleicht noch so ein bisschen abgeht, ist dieses Dreckige und ein bisschen Zweitliga-Fußball spielen. Auch einfach mal dreckig gewinnen, einen Punkt mitnehmen, egal was“, beschreibt der Mittelfeldspieler eine Qualität, die in der laufenden Saison noch wichtiger werden dürfte.
Wie die Mannschaft an solchen Themen arbeitet, erklärten anschließend die beiden Trainer Sirus Montekallemi und Niklas Klasen. Dabei gaben sie den Besuchern auch einen Einblick in die tägliche Arbeit abseits des eigentlichen Spielbetriebs. Niederlagen werden im Trainerteam nicht lange emotional nachbereitet, sondern möglichst schnell analysiert. „Unsere Arbeit ist dann, die Emotion beiseite zukehren und zu schauen: Wie können wir die Mannschaft verbessern? Was lief nicht so gut, was lief aber gut?“, erklärte Montekallemi.
Die Analyse beginnt dabei unmittelbar nach dem Spiel. „Im Bus klappen wir unsere Laptops auf. Wir schauen uns das Spiel nochmal über 90 Minuten an – jeder in seinem Bereich“, gab der Trainer einen Einblick in die Abläufe des Teams. Dazu gehört auch die intensive Vorbereitung auf den jeweiligen Gegner. „Jede Mannschaft versucht, eine gewisse Identität, eine DNA, mitzugeben. Unsere Aufgabe ist es, diese zu entschlüsseln und zu verstehen: Was machen sie denn oft? Wo können wir sie knacken?“
Bei aller Analyse gehe es aber auch darum, den Blick auf die Dinge zu richten, die die Mannschaft selbst beeinflussen kann. Gerade vor einem Heimspiel sei die Haltung entscheidend: „Man muss versuchen, das zu beeinflussen, was man beeinflussen kann, über die Woche Gas geben, mit Freude rangehen und nicht verkrampfen.“
Dass zum modernen Fußball dabei längst mehr gehört als die Arbeit auf dem Trainingsplatz, verdeutlichte anschließend Niklas Klasen. Als Athletiktrainer beschäftigt er sich unter anderem intensiv mit diesem Bereich. „Es geht vor allem darum zu gucken: Wie ist der Ist-Zustand bei den Spielern? Wo wollen wir hin? Wie wollen wir Spieler entwickeln?“, erklärte Klasen.
Dabei spielen auch Daten eine immer größere Rolle. „Das Ganze geht eigentlich darum, einen gläsernen Athleten zu haben, also möglichst viele Daten von den Spielern zu generieren“, so der Trainer. Gleichzeitig betonte er, dass die Arbeit des Teams nicht mit dem Ende der Trainingseinheit abgeschlossen ist. „Wir sehen die Jungs auch nur zwei bis drei Stunden jeden Tag. Alles drumherum – Regeneration, Essverhalten, Schlafverhalten – hat einen riesigen Einfluss auf die Reaktion auf eine Belastung.“
Wie sehr sich der Fußball in diesem Bereich verändert hat, zeigt sich auch im Bewusstsein der Spieler. „Das Bewusstsein für Athletik und Fitness hat in den letzten Jahren extrem zugenommen. Die Spieler werden immer professioneller und merken, welchen Stellenwert diese Leistungsfähigkeit hat“, sagte Klasen.
Und auch für die Besucher im Landhaus Begatal hatte der Athletiktrainer noch einen einfachen Tipp parat, der sich unabhängig vom Profifußball umsetzen lässt: „Ich glaube, es ist einfach wichtig, möglichst viel Bewegung in den Alltag reinzubekommen. Angefangen damit, mal mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren, das Auto stehenzulassen oder mal zu Fuß zu gehen.“ Sein persönlicher Praxistipp: „Morgens schon die Sporttasche ins Auto legen, wenn man weiß, dass man auf dem Rückweg am Fitnessstudio vorbeikommt. Das direkt mit einem Weg zu machen und nicht erst wieder nach Hause zu fahren.“
So wurde aus dem ersten Krombacher Fanabend im Kreis Lippe nicht nur ein persönlicher Austausch mit den Spielern und Trainern, sondern zugleich ein unterhaltsamer Einblick in den Alltag einer Zweitliga-Mannschaft – von der Integration neuer Spieler über die Spielanalyse bis hin zu den vielen Details, die hinter der Leistungsfähigkeit eines Profis stecken.







