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Schüco
DSC Arminia Bielefeld
Profis

„Ich habe unglaublich gerne für Arminia gespielt“

255 Bundesligaspiele für Hertha BSC, Borussia Mönchengladbach und Arminia Bielefeld stehen in der Vita des ehemaligen defensiven Mittelfeldspielers Thorben Marx. Vor dem Duell seiner beiden Ex-Vereine nahm sich der 40-jährige Berliner Zeit und sprach u.a. über den Kampf um den Klassenerhalt, seine Bielefelder Zeit und einen besonders kuriosen Trainerwechsel.

Thorben, in der aktuellen Bundesligatabelle stehen mit Borussia Mönchengladbach, Hertha BSC und Arminia drei Teams direkt hintereinander auf den Rängen 12, 13 und 14. Zu allen Teams hast du einen direkten Bezug, da es deine drei einzigen Profivereine waren. Was geht dir bei dem Blick auf die Tabelle durch den Kopf?
Einerseits ist es natürlich schade, dass meine drei Ex-Vereine alle unten drinstehen, andererseits ist man z. B. bei Bielefeld schon so ein bisschen davon ausgegangen. Da war es schon vor der Saison das einzige Ziel, in der Liga zu bleiben. Daher kommt es jetzt nicht ganz so überraschend, dass der DSC im Tabellenkeller hängt. Bei Gladbach hingegen hat man das überhaupt nicht kommen sehen. Das liegt auch daran, dass die Borussia einen Kader hat, mit dem sie eigentlich um die internationalen Plätze mitspielen müsste. Andersherum ist es bei Hertha aktuell natürlich eine schwierige Zeit: Einerseits sind die Erwartungen sehr hoch, andererseits haben sie meiner Meinung nach nicht die Mannschaft dafür, weiter oben mitzuspielen. Daher habe ich auch bei Hertha ein wenig damit gerechnet, dass es da wieder nur um den Klassenerhalt gehen würde. Gut ist aber, dass alle drei über dem Strich stehen – ich hoffe, dass das auch am Ende der Saison der Fall sein wird.

Mit welchem Team fieberst du aktuell am meisten mit?
Ich drücke natürlich allen dreien die Daumen (schmunzelt). Ich wohne mittlerweile wieder in Berlin, bin hier geboren und quasi mit der Hertha aufgewachsen. Daher ist der Draht zur Hertha am engsten. Aber auch in Bielefeld hatte ich drei wirklich tolle Jahre, habe mich immer sehr wohlgefühlt und unglaublich gerne für den Verein gespielt. Daher drücke ich auch der Arminia die Daumen und hoffe einfach, dass diese Saison ein positives Ende nimmt. Auch in Gladbach habe ich sehr viel erlebt und die längste Zeit meiner Karriere verbracht: die Relegationsspiele 2011, Europa-League-Qualifikationen und in meiner letzten Saison haben wir es sogar noch in die Königsklasse geschafft. Da entsteht natürlich eine emotionale Verbindung und Identifikation zu jedem der Vereine, zumal ich bei allen dreien eine wirklich schöne Zeit hatte. Ich kann nicht sagen, dass ich einem mehr oder weniger die Daumen drücke, da habe ich keine Prioritäten oder Vorlieben.

Hertha ist allerdings nicht der einzige Berliner Club, zu dem du eine ganz besondere Beziehung hast: Seit Saisonbeginn bist du als Co-Trainer von BFC Preußen in der Landesliga aktiv.
Das war reiner Zufall. Als ich noch in Gladbach wohnte, habe ich irgendwann mal zufällig den sportlichen Leiter getroffen. Im Anschluss haben wir uns immer wieder ausgetauscht und gequatscht. Er fragte mich anschließend, wie meine Zukunftsplanungen aussehen würden.  Als dann klar war, dass ich zurück nach Berlin ziehen würde, kam das zweite Gespräch. Da zu dem Zeitpunkt der Co-Trainer-Posten frei wurde, kam er auf mich zu und fragte mich, ob ich Lust hätte, gemeinsam mit Thomas Hässler (Ex-Nationalspieler, Welt- und Europameister, Anmerkung d. Redaktion) ein Trainerteam zu bilden. Da ich Bock auf Amateurfußball hatte und nur unweit von dem Trainingsgelände entfernt wohne, bot sich das an. Dort aktiv zu sein, wo Fußball wieder so richtig gelebt wird und es nicht nur um Geld geht, macht mir eine riesige Freude. Dazu kommt, dass ich dadurch die große Chance bekommen habe, am eigenen Leibe zu merken, ob mir der Trainerjob gefällt. Nach einem Dreivierteljahr kann ich sagen, dass mir das bislang richtig Spaß macht und ich auch von Thomas super viel lerne.

Kannst du dir das auch langfristig für die Zukunft – eventuell auch im Profifußball – vorstellen?
Absolut! Wie gesagt: Der Trainerjob macht mir sehr viel Spaß. Wie weit es dann nach oben geht, weiß ich noch nicht. Ich habe ehrlicherweise keine großen Ambitionen noch einmal in den Profibereich hereinzukommen. Das ist, glaube ich, einfach nicht mehr das Richtige für mich. Da geht es für meinen Geschmack viel zu sehr um andere Sachen als darum, Fußball zu spielen. Daher bin ich vorerst im Amateurfußball sehr gut aufgehoben und werde jetzt erst einmal in Ruhe meine Trainerscheine machen und dann schauen, wo der Weg noch so hingeht. Ich habe nicht vor, noch einmal im Profifußball mitzuwirken.

Wie ist es für dich, zusammen mit einem Welt- und Europameister an der Seitenlinie zu stehen?
Es macht riesig Spaß. Er hat in seiner Karriere unglaublich viele Erfahrungen gesammelt und auf einem ganz anderen Niveau gespielt als ich. Da ist der Austausch immer super interessant und macht unglaublich viel Freude. Mitzukriegen, wie er über den Fußball denkt, gibt dem Ganzen noch eine ganz neue Facette und bildet mich Tag für Tag weiter. Mit so einer Persönlichkeit zusammenzuarbeiten, ist noch einmal etwas ganz anderes.

Mit dem BFC läuft es sportlich auch recht gut. Wie sehen deine und eure Ziele aus?
Mir persönlich geht es immer um den Spaß an der Sache. Den habe ich nur, wenn der Verein Ambitionen hat – die hat der BFC. Dementsprechend ist der Aufstieg in dieser Saison das klare Ziel. Wir sind super aufgestellt, da kann auch für die nächsten Jahre etwas Spannendes entstehen. Wir sind keine Träumer, die erwarten, mit einem Mal den Durchmarsch in den Profifußball zu schaffen. Aber jeder im Verein ist bemüht, sodass es Spaß macht, Tag für Tag am gemeinsamen Erfolg zu arbeiten. Wir haben die Mannschaft, um aufzusteigen und ich bin auch davon überzeugt, dass wir das packen werden.

Du hast jetzt schon zweimal deine Kritik am Profifußball durchscheinen lassen. Ist das etwas, das dich schon länger verfolgt?
Als Spieler ist das noch etwas anderes. Da ist das einfach ein Traumjob – das muss man ganz klar so sagen. Ich bin super dankbar, das 15 Jahre gemacht haben zu dürfen, es gab aber auch schon während meiner Laufbahn Sachen, die mich gestört haben. Wenn man merkt, dass der Fußball immer mehr in den Hintergrund rückt und andere Sachen abseits des Platzes eine immer größere Rolle einnehmen, fühlt sich das einfach nicht gut an. Auch wenn ich auf die sozialen Medien schaue und merke, wie sich die Spieler präsentieren, wird immer deutlicher, dass es gar nicht mehr um den Fußball geht, sondern jeder versucht, sich als Marke zu verkaufen. Das ist nicht meins. Ich verstehe zu einhundert Prozent, dass die Spieler das Geld mitnehmen, aber mir ist das alles viel zu sehr zu einem Geschäft geworden. Schauen wir nur einmal darauf, wohin die WM in diesem Jahr vergeben wurde. Das ist einfach alles nicht mehr meins.

Einer der sportlich prägendsten Personen bei unserem kommenden Gegner war in den letzten Jahren Max Eberl. Er äußerte kürzliche eine ähnliche Kritik am Profigeschäft wie du gerade und erklärte im Rahmen dessen seinen Rücktritt als Sportdirektor der Borussia. Was geht dir angesichts dessen durch den Kopf?
Ich kenne Max ganz gut und ich muss sagen, dass mich dieser Schritt nicht wirklich gewundert hat. Er ist menschlich absolut top und denkt über das Fußballgeschäft ähnlich wie ich. Ich habe zwei Jahre, nachdem ich meine Karriere beendet hatte, mit ihm gesprochen, da erzählte er mir auch schon, dass ihm das mittlerweile viel zu viel sei. Er meinte sogar, dass er nicht mehr so gerne Fußball schaut wie früher. Er war in seinem Geschäft mit ganz viel Unehrlichkeit konfrontiert und ich denke, dass ihn das zu dem Schritt bewegt hat. Ich kann das tatsächlich nachvollziehen. Ich habe ihm auch direkt nach der Pressekonferenz geschrieben und meinen Respekt zum Ausdruck gebracht, dass er es so lange in diesem Geschäft ausgehalten hat. Max ist einer der wenigen Personen in diesem Geschäft, die ganz viel Wert auf Ehrlichkeit legen und dann kann dich sowas auch auffressen.

Dann bleiben wir noch einmal fern ab vom Profigeschäft und sprechen über deine Präsenz hier in OWL.  Ab und zu sieht man dich tatsächlich noch am Platz von RW Kirchlengern, was hat es damit auf sich?
Da ist Daniel Halfar, einer meiner besten Freunde, aktuell Trainer (lacht). Ihn habe ich zu Bielefelder Zeiten kennengelernt. Ich war dann mal zu Besuch bei ihm, habe bei ihm übernachtet und mir ein Training angeschaut, sodass ich tatsächlich am Platz anzutreffen war. Daniel und ich haben auch zusammen eine Spieleragentur, weshalb ich auch hin und wieder in Bielefeld bin.

Erzähl uns mehr darüber.
Das mit unserer Agentur, die „Gipfelstürmer“ kam auch über Daniel. Das ist eine Spieleragentur, bei der es uns darum geht, junge Talente zu begleiten, das Beste aus den Jungs herauszuholen, um sie langfristig fit für den Profifußball zu machen. Daniel und ich haben jeweils viele Erfahrungen sammeln dürfen, die wir jetzt versuchen, bestmöglich weiterzugeben – das kann aus meiner Sicht gar nicht schaden und macht mir wirklich Spaß. Da ist ein tolles, junges und motiviertes Team in Bielefeld, mit dem man super über Fußball sprechen und viel erreichen kann. Dadurch kann man auch bei den Spielern immer wieder super Ergebnisse und Entwicklungen beobachten, die mir einfach Freude bereiten.

Kommen wir zu deiner eigenen Karriere.  Nach deiner eigenen Ausbildung und den ersten Profijahren in Berlin wechseltest du mit 25 Jahren zu uns nach Bielefeld. In drei Jahren hast du 77 Spiele in Schwarz-Weiß-Blau gemacht - wie hast du diese Zeit in Erinnerung?
Als ich 2006 nach Bielefeld gewechselt bin, suchte ich einen Verein, der zu mir passt. In meiner letzten Saison bei Hertha lief es davor nicht mehr so gut, sodass ich Spielzeit benötigte. Bei Arminia bin ich dann auf ein sehr familiäres Umfeld gestoßen, indem es wirklich Spaß gemacht hat zu spielen. Natürlich ist es immer schwierig, wenn du mitten im Abstiegskampf steckst und nicht weißt, in welcher Liga du nächste Saison spielen wirst. Ich habe mich aber in den gesamten drei Jahren sehr wohlgefühlt und hätte mir durchaus auch vorstellen können, noch einmal zu verlängern. Leider stiegen wir damals in die zweite Liga ab und ich bekam kurzfristig die Möglichkeit, zu einem Traditionsverein wie Borussia zu wechseln. Da habe ich gesagt, dass ich das Angebot in so einer Situation annehmen muss. Dennoch habe ich die Zeit bei Arminia in ausschließlich positiver Erinnerung. Auch wenn es einige Schwankungen gab und wir in dieser Zeit vergleichsweise viele Trainerwechsel hatten, passte die Chemie im Team und wir konnten zweimal souverän die Klasse halten. Das war für Arminia auch damals schon ein Erfolg, wie er bei anderen Vereinen nur mit einem Champions League-Einzug oder einer Meisterschaft vergleichbar ist. Man muss aber auch mal sagen, dass wir auch im Abstiegsjahr bis zum letzten Spieltag die Chance hatten, uns direkt zu retten. Bedauerlicherweise hat es da nur knapp nicht gereicht. Es waren insgesamt wirklich spannende und ereignisreiche drei Jahre, die mich sowohl sportlich, als auch persönlich nachhaltig geprägt haben.

Du hast es schon selber angesprochen: Deine Zeit bei Arminia endete mit dem Abstieg 2009 - es war der einzige Abstieg deiner Karriere.  Nimm uns mal mit in die Gefühlswelt rund um dieses unschöne Saisonfinale.
Das war eine wirklich harte Zeit. Die Gedanken und Sorgen, die mich in solchen Phasen beschäftigen, habe ich in jede Lebenssituation mitgenommen und konnte mich in dieser Zeit zu keinem Zeitpunkt richtig davon befreien. Dann machte ich mir auch nicht nur Gedanken über den eigenen Vertrag und die Karriere – das hat mich mental ziemlich heruntergezogen. Ich wollte immer vermeiden, in meiner Karriere abzusteigen und wir hatten ja auch bis zum letzten Spieltag noch die Möglichkeit, drin zu bleiben. Gegen Hannover mussten wir nur gewinnen, um in die Relegation zu kommen. Für mich lief das ziemlich suboptimal: Ich war verletzt, konnte nicht spielen und in der Woche vor dem Spiel wurde noch einmal der Trainer gewechselt. Dadurch war mein Gefühl rund um dieses finale Spiel wirklich kein gutes. So ein Abstiegskampf geht auch grundsätzlich ziemlich an die Nerven. Ich hatte in Bielefeld eine wirklich schöne Zeit, aber wenn du bei Arminia Bundesliga spielst, weißt du, dass es immer darum geht, möglichst viele Punkte zu hamstern, um am Ende die Klasse zu halten. Dafür hat in der letzten Saison einfach nicht genug gepasst: Das Team war vom Niveau her nicht mehr so gut wie in den Jahren zuvor, sodass es nicht gereicht hat. Als der Abstieg schlussendlich feststand, war das wirklich kein schönes Gefühl – ich bin froh, das nicht öfter mitgemacht haben zu müssen.

Apropos Trainerwechsel: In deine Zeit bei Arminia fiel ja auch das einwöchige Intermezzo von Jörg Berger bei Arminia. Wie hast du diese Tage der Zusammenarbeit mit ihm und den damaligen Trainerwechsel wahrgenommen?
Ich meine mich erinnern zu können, dass das Trainerthema aufkam, nachdem wir eine Woche zuvor mit 0:6 gegen Borussia Dortmund verloren hatten. Der Trainerwechsel kam für uns dennoch sehr überraschend – keine Frage. Wir sind in den Tagen vor dem Spiel noch für ein Kurztrainingslager an die Klosterpforte gefahren und haben wirklich alles gegeben, um das Ding noch herumzureißen. Ich gebe aber zu, dass ich von diesem Trainerwechsel alles andere als überzeugt war. Sicherlich hatte der Verein seine Hintergedanken und wollte die Köpfe mit einer neuen Ansprache noch einmal frei kriegen. Aber ich habe im Gegensatz zu einigen anderen Trainerentlassungen zu keinem Zeitpunkt viel davon gehalten. Die Wechsel davor waren alle in gewisser Weise nachvollziehbar, aber als Spieler war das bei dieser Entscheidung so kurz vor Saisonende nicht mehr gegeben.
 

Nach dem Abstieg 2009 bist du dann zu Borussia Mönchengladbach gewechselt. Als verbindendeS Element erscheint einem da direkt Michael Frontzeck, unter dem du auch schon bei Arminia überwiegend erfolgreich gearbeitet hattest. Welche Rolle spielte er bei diesem Transfer?
Eine wirklich große. Auch wenn wir in der letzten Saison abgestiegen sind, habe ich wirklich gerne mit ihm zusammengearbeitet und ich denke, er auch mit mir. Er war derjenige, der am vorletzten Spieltag bei Arminia entlassen wurde. Da war ich auch traurig, da ich wirklich selten SO einen menschlich herausragenden und emphatischen Trainer erlebt habe. Aber im Fußball zählen dann doch immer mehr die Ergebnisse als irgendwelche menschlichen Punkte, sodass dann die bereits beschriebene Entlassung folgte. Als sich dann nach der Saison die Option auftat und er bei Gladbach anheuerte, kam recht schnell der Anruf, indem er mich fragte, ob ich schon in Bielefeld unterschrieben hätte. Das hatte ich aber noch nicht, sodass das direkt relativ gut passte und der Transfer innerhalb kürzester Zeit über die Bühne ging.

Schlussendlich hast du dann Gladbach die längste Zeit deiner Profikarriere verbracht und 113 Spiele machen dürfen. Wie hast du diese Zeit am Borussia-Park in Erinnerung?
Das war eine wunderschöne Zeit, in der ich sehr viele Menschen kennenlernen durfte, die mir auch heute noch viel bedeuten. Das ist ein herausragend geführter Verein, ein Traditionsverein mit einem tollen Stadion und Fans, die bei mir immer wieder Gänsehaut ausgelöst haben. Dazu kommt, dass ich da noch einmal die Chance bekommen europäisch zu spielen. Das war für mich wunderschön. Auch wenn ich vom Absteiger kam, war ich damals schon ein durchaus gestandener Bundesligaspieler und habe direkt meine Spielzeit bekommen. Die wenigen Stimmen, die sich damals fragten, was Borussia mit einem Absteiger will, konnte ich relativ schnell zum Verstummen bringen. Es war eine tolle Zeit, in der sowohl der Verein als auch ich sehr zufrieden mit der Zusammenarbeit waren. Da ich mich auch privat sehr wohlgefühlt habe, war das wirklich ein rundes Ding und ein schöner Karriereabschluss.

Hast du noch engeren Kontakt zu Weggefährten aus dieser Zeit?
Engeren Kontakt tatsächlich nicht mehr. Sicherlich schreibt man hier und da noch mit ehemaligen Mitspielern sowie Trainern aus dieser Zeit, gratuliert mal zu Geburtstagen oder besonderen Siegen und freut sich auch, wenn es zu einem Wiedersehen kommt. Daneben habe ich noch private Kontakte in die Stadt, in der ich schlussendlich immerhin elf Jahre gewohnt habe. Der Kontakt ist also da, aber jetzt nicht besonders eng.

Dabei hast du bei der Borussia eine besondere positive Geschichte im Abstiegskampf erlebt. Während du mit Arminia den Abstieg nicht mehr verhindern konntest, habt ihr 2011 unter Lucien Favre den Klassenerhalt aus einer scheinbar aussichtslosen Situation heraus geschafft.
Da muss man tatsächlich ganz klar sagen, dass Lucien Favre einen riesigen Einfluss auf diese Geschichte hatte. Er begann damals auf viele Kleinigkeiten zu achten und hat das Optimale aus der Mannschaft herausgeholt. Er hat die faulen Äpfel aus dem Kader genommen, die charakterlich einfach nicht gepasst haben und an vielen Stellschrauben gedreht. Dadurch haben wir trotz der fatalen Ausgangslage das Gefühl vermittelt bekommen, dass unter diesem Trainer etwas gehen könnte. Der hatte so einen großen Einfluss, dass wir ihm wirklich alles geglaubt haben. Dazu kamen Ausnahmespieler wie Marco Reus, die uns teilweise im Alleingang die Punkte retteten. Je länger die Saison dauerte, desto zuversichtlicher wurden wir und haben uns irgendwann die Einstellung angeeignet, dass wir mit dieser individuell stark besetzten Mannschaft jeden Gegner schlagen können. Glücklicherweise haben wir es dann tatsächlich noch in die Relegation geschafft, in die wir dann mit einem total unüblichen Gefühl gegangen sind. Wir haben uns diese „Extrarunde“ beinahe sensationell erarbeitet und waren dementsprechend sehr positiv gestimmt. Aber auch wenn das im Grunde eine Bonusrunde für uns war, war die Woche vor den Spielen schon sehr hart. Von diesen beiden Spielen hängt schlussendlich alles ab und solltest du dann doch noch absteigen, wärst du endgültig der Depp der Nation.

Und das Gefühl nach dem Sieg gegen Bochum?
Das war wirklich herausragend. Ich würde beinahe von meinem größten Erfolg sprechen. Für uns war das wirklich wie eine gefühlte Meisterschaft, da zwischenzeitlich keiner mehr damit gerechnet hatte, dass wir es noch packen würden. Nachdem uns einige Fans und Experten schon die Bundesligatauglichkeit abgesprochen hatten, war es eine Genugtuung für uns, dass wir unser schlechte Hinrunde noch ausbügeln konnten. Es war dann einfach nur noch schön. Ich kann von mir behaupten, dass mich immer, wenn es um den Abstieg ging, nicht nur die eigene Zukunft, sondern auch die der Mitarbeitenden auf der Geschäftsstelle beschäftigt hat.

Und Borussia ist danach auch keinen allzu schlechten Weg gegangen.
Wir hatten dann auch einfach eine gute Mannschaft und haben durch Lucien Favre aufgezeigt bekommen, dass wir mit dem Fußball, den wir gespielt haben, durchaus sehr erfolgreich sein können. Das haben die anschließenden Jahre ja auch mehr als deutlich gezeigt.

Eine Person, die den Erfolg der Borussia in den vergangenen Jahren stetig begleitet hat und auch mehr als zehn Jahre mit dir zusammengearbeitet hat, ist Frank Geideck. Wie ist dein Verhältnis zu dem Co-Trainer, der deine Laufbahn sowohl bei Arminia als auch in Gladbach begleitet hat?
Ich muss sagen, dass wir zu Bielefelder Zeiten noch nicht ganz so viel miteinander zu tun hatten. Das hat sich dann in den letzten Jahren in Gladbach schon ein wenig verändert. Er ist ja gemeinsam mit mir zu Borussia gegangen und dann hat man sich mit der Zeit auch mal ab und zu in der Stadt oder in der Sauna getroffen (lacht). Wir waren beide regelmäßige Saunagänger, sodass man sich auch da hin und wieder länger unterhalten hat. Mit der Zeit ist das Verhältnis deutlich lockerer geworden. Auch wenn wir heute keinen Kontakt mehr haben, würden wir uns definitiv beide freuen, den anderen wiederzusehen. Wir haben viel zusammen erlebt und einige verrückte Anekdoten geteilt. Aber auch sportlich war er wirklich immer spitze. Nicht umsonst ist er jetzt schon so lange bei Gladbach und genießt ein sehr hohes Ansehen. Das war auch schon bei Arminia so – er ist einfach ein top Co-Trainer.

Am Samstag reist er dann gemeinsam mit der Borussia zu uns nach Bielefeld, was erwartest du für ein Spiel?
Ich erwarte tatsächlich ein ausgeglichenes Spiel. Natürlich wird Gladbach den Ball ein wenig öfter haben, aber alle Mannschaften fahren sehr ungern nach Bielefeld. Arminia macht es aus meiner Sicht vor allem in den letzten Spielen sehr gut. Durch die schnellen Spieler sind sie vorne immer wieder sehr gefährlich und können jedem Gegner mehr als nur gefährlich werden. Ich tippe auf ein Unentschieden und das sagt schon einiges.

Und wem drückst du am Samstag die Daumen?
Ich habe keine Präferenz, an wen die Punkte lieber gehen sollen. Klar hilft ein Punkt beiden Mannschaft in dieser Situation nicht zwingend weiter, aber wenn beide am Ende die Klasse halten, fänd ich das mit einem Unentschieden sehr charmant.
 

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