Bittere Pille, die Mut macht

Mit Reinhold Yabo und Nils Seufert brachte DSC-Trainer Uwe Neuhaus zwei Startelf-Debütanten in dieser Bundesliga-Saison. Dritter Neuer in der Anfangsformation war Anderson Lucoqui. Für das Trio nahmen Cebio Soukou und Jacob Laursen zunächst auf der Bank Platz, Arne Maier fehlte aus privaten Gründen im Arminia-Kader.
Von Beginn an präsentierte sich Arminia deutlich verbessert im Vergleich zur 0:5-Niederlage bei Union Berlin. Aus einer kompakten Defensive heraus war vor allem das Zweikampfverhalten durch Bissigkeit, Aufmerksamkeit und Griffigkeit auf Erstliga-Level.
Europa League-Teilnehmer Leverkusen – in der letzten Saison mit Hin- und Rückspielsiegen gegen die Mannschaften in der Abschlusstabelle von Rang 10 bis 18 – war optisch überlegen, hatte viel Ballbesitz, aber konnte die konzentrierte Arminia-Abwehr kaum ernsthaft in Verlegenheit bringen. Den ersten Torschuss feuerte Moussa Diaby in der 15. Minute ab, aber Stefan Ortega Moreno im DSC-Kasten reagierte stark.
Bayer arbeitete sich an Bielefeld ab, konnte dabei wenig Tempo und Spielwitz entwickeln, weil die Neuhaus-Elf kompakt verteidigte. Da blieb das eigene Offensivspiel jedoch leider auf der Strecke. Trotz allen Einsatzes, trotz aller Laufbereitschaft und Leidenschaft verpufften die Arminia-Angriffe.
So fiel dann die Gäste-Führung nicht unverdient. Ein Doppelpass hebelte die DSC-Abwehr auf der linken Seite aus und Leon Bailey donnerte den Ball aus wenigen Metern unhaltbar zum 1:0 für Leverkusen in die Maschen (27.).
Drei Zeigerumdrehungen später dribbelte sich Ritsu Doan in den Bayer-Strafraum und wurde von Daley Sinkgraven zu Fall gebracht – wie die TV-Bilder bewiesen gab es klaren Kontakt. Doch weder der Schiedsrichter, noch der VAR reagierten und verweigerten dem DSC einen möglichen Strafstoß (30.). Direkt im Anschluss an diese Szene köpfte Yabo aus spitzem Winkel und völlig freistehend nach einer Flanke von Cedric Brunner aus wenigen Metern in die Mitte des Fünfmeterraums, wo Leverkusen klären konnte.
So ging es mit einem 0:1-Rückstand in die Pause, der nach Wiederanpfiff nicht mal anderthalb Minuten Bestand hatte. Und das mit großer Mithilfe der Werkself. Ein eigentlich ungefährlicher Sinkgraven-Rückpass hüpfte kurz vor Bayer-Schlussmann Lukas Hradecky noch einmal auf – und der finnische Nationaltorwart trat über das Spielgerät, das zum überraschenden 1:1-Ausgleich ins Netz trudelte (47.).
Jetzt nahm die Partie Tempo auf: Doan übersah den völlig freistehenden Fabian Klos im Leverkusener Strafraum (49.), der allein vor dem Kasten gestanden hätte. Stattdessen blieb das Zuspiel des Japaners in die andere Richtung stecken und aus dieser Szene resultierte ein Gäste-Konter, an dessen Ende der bis dato nahezu unsichtbare Lucas Alario das Außennetz traf (50.).
In der Folge blieb das Spiel temporeicher und abwechslungsreicher als im gesamten ersten Durchgang. Jedoch erspielten sich beide Mannschaften erstmal keine Torchancen mehr. Sie schenkten sich jedoch nichts und agierten phasenweise sogar auf Augenhöhe, auch wenn der exzellent ausgestattete Bayer-Kader – seit 2017 Neuzugänge im Wert von 210 Millionen Euro verpflichtet – spielerische Vorteile hatte. Diese machte der DSC aber mit hohem Einsatz, guter Zweikampfstärke (58 % am Ende) und viel Herzblut wett.
Den Bielefelder Kontermöglichkeiten fehlte es in dieser Phase an Genauigkeit. So wie nach der schönen Kombination, an dessen Ende Doan an der Leverkusener Strafraumkante weder einen Schuss, noch einen Pass spielte – die Kugel lief aus aussichtsreicher Position ins Leere (69.).
Bayer machte in der Schlussviertelstunde wieder mehr Druck und riss den Ballbesitz und die Spielanteile erneut in größerer Prozentzahl an sich.
Arminia warf sich mit vollem Einsatz in jedem Ball, musste der individuellen Qualität der Leverkusener am Ende aber unglücklich Tribut zollen. Nachdem der DSC zunächst Glück hatte, dass Julian Baumgartlinger und Patrick Schick aus fünf Metern eine flache Hereingabe von Kerem Demirbay nicht im Tor unterbrachten (87.), schlug es doch noch ein zweites Mal im heimischen Gehäuse ein.
Eine Bayer-Ecke konnte Arminia nicht klären. Den ersten Schuss aus neun Metern von Patrick Weiser, noch gefährlich abgefälscht, parierte Ortega Moreno sensationell per Fuß – doch diesen Abpraller versenkte Aleksandar Dragovic aus 13 Metern zum 2:1-Siegtreffer für Bayer 04. Daran konnte auch Andreas Voglsammers Kurzcomeback (89.) nichts mehr ändern.
DSC Arminia Bielefeld:
Ortega Moreno – Brunner, Pieper, van der Hoorn, Lucoqui – Prietl, Seufert (80. Kunze), Hartel (89. Voglsammer) – Doan, Klos (C) (63. Schipplock), Yabo (80. Soukou).
Bayer 04 Leverkusen:
Hradecky – L. Bender (C) (46. Weiser), Tah, S. Bender (50. Dragovic) – Baumgartlinger, Wirtz (80. Demirbay), Amiri – Bailey, Alario (68. Schick), Diaby (80. Bellarabi).
Tore:
0:1 (27.) Bailey, 1:1 (47. Eigentor) Hradecky, 1:2 (88.) Dragovic.
Gelbe Karte:
-/Dragovic

