Euphorisch anders

Der Derbysieg des „Effzeh“ in der vergangenen Woche war zwar der erste Dreier für die Domstädter seit knapp zwei Monaten, stand aber stellvertretend für die aktuelle Stimmung im Umfeld des Geißbockheims. Nachdem die Kölner in der vergangenen Saison noch Ex-Trainer Friedhelm Funkel reaktiviert und mit seiner Unterstützung den Klassenerhalt über den Umweg Relegation geschafft hatten, stand zu Beginn der aktuellen Saison ein erneuter Trainerwechsel an: Den offenen Posten besetzten die Kölner Entscheidungsträger mit Steffen Baumgart, der zuvor über vier Jahre beim SC Paderborn an der Linie gestanden hatte.
Mit seiner trockenen und direkten, aber zugleich offenen Art nahm der gebürtige Rostocker das begeisterungsfähige Umfeld direkt für sich ein. Da zeitgleich auch die Ergebnisse stimmten und sich die Kölner in ihren ersten sieben Spielen nur einmal geschlagen geben mussten (gegen den FC Bayern), träumten einige Fans auch schon von internationalen Rängen und Europapokalspielen in der kommenden Saison. Auch wenn die folgenden Niederlagen diese Euphorie ein wenig stoppten: In Köln ist man weiterhin von dem neuen Weg überzeugt und erfreut sich an der neu gefundenen spielerischen Art unter dem neuen Trainer.
Dass der „Effzeh“ ohnehin zu den Vereinen mit einer ganz besonders begeisterungsfähigen Fangemeinschaft gehört, beweist unter anderem die Geschichte des Klubs mit vielen Beispielen. Trainer wie Hennes Weisweiler und Rinus Michels oder auch Spieler wie Lukas Podolski, Toni Schumacher oder Pierre Littbarski werden noch heute mit einer besonderen Art und Weise wärmstens gefeiert. Gibt man sich dem Verein richtig hin, „kommt die Zuneigung relativ schnell. […] Man muss nur zeigen, dass man sich für die eigenen Farben zerreißt“, erklärte "Prinz Poldi" 2012 in einem Interview mit einem Kölner Fanzine.
Nutzen die Kölner diese Euphorie auch in den kommenden Jahren, besitzt der sechstgrößte deutsche Fußballverein durchaus das Potenzial, irgendwann auch wieder zu den erfolgreichsten sechs zu gehören – am Kölner Enthusiasmus dürfte es nicht hapern.

