Profis

Der frühe Vogel fängt den Wurm

Eines der wohl dramatischsten Saisonfinals in der zweiten Liga findet 2002 statt. Hannover 96 steht als Aufsteiger fest. Wir ziehen durch ein 3:1 gegen LR Ahlen nach, genauso wie der VfL Bochum. Leider bleibt der FSV Mainz 05 auf der Strecke. Der damalige Trainer Jürgen Klopp sagt nach dem spannenden Finale: "Ich lasse den Kopf hängen, es geht mir einfach nur schlecht." Mittlerweile weiß jeder, dass "Kloppo" nicht der Typ fürs "Kopf hängen lassen" ist. Zwei Jahre später steigt Mainz dann auf – natürlich mit ihm. Zwei Jahre zuvor – also im September 2000 – steht Klopp beim Heimspiel seiner 05er gegen den DSC Arminia Bielefeld noch als Aktiver auf dem Platz. Und wird damit unfreiwillig Zeuge einer historischen ersten Halbzeit, an die er sich vielleicht kürzlich sogar erinnert haben könnte.

An einem Freitagabend spielt der DSC Arminia Bielefeld unter der Leitung von Cheftrainer Hermann Gerland beim Zweitliga-Konkurrent FSV Mainz 05. Der DSC ist gut in die Saison gestartet und konnte seine ersten drei Spiele allesamt gewinnen. Dementsprechend selbstbewusst tritt die Bielefelder Mannschaft im altehrwürdigen Mainzer Bruchwegstadion auch an.

Nach nicht mal vier gespielten Minuten zappelt der Ball das erste Mal im Mainzer Netz, Bruno Labbadia kann nach Vorarbeit von Dirk van der Ven die frühe Führung erzielen. Diese hält allerdings nicht lange, denn Christian Hock gleicht spektakulär für die Rheinhessen in der 13. Minute aus. Den Großteil der lediglich 5.341 Zuschauer freut dies natürlich, doch Arminia lässt sich davon nicht beirren und spielt eines Spitzenreiters würdig munter weiter. So kann Alexander Klitzpera nach einer knappen halben Stunde die abermalige Führung markieren – auch hier findet der Gastgeber, bei dem Jürgen Klopp als einer von drei Verteidigern aufläuft, die passende Antwort. Ein gewisser Jürgen Kramny erzielt zwei Zeigerumdrehungen später den – zu diesem Zeitpunkt – nicht unverdienten 2:2-Ausgleich. Was sich dann allerdings in den kommenden Minuten bis zur Halbzeit abspielt, ist zumindest aus DSC-Sicht geschichtsträchtig.

Noch vor der Pause erzielt Arminia in Person von Thomas Gansauge die 3:2-Führung (40.)– doch damit nicht genug. Unmittelbar vor dem Halbzeitpfiff – es läuft die 45. Minute – kommen die Gäste aus Bielefeld zu einer weiteren Chance. Der "Pistolero" Bruno Labbadia lässt sich nach erneuter Vorarbeit van der Vens nicht zweimal bitten und trifft zum 4:2. In der zweiten Hälfte ist es dann verhältnismäßig ruhig, es fallen keine weiteren Tore, sodass der DSC die Partie am Mainzer Bruchweg mit 4:2 gewinnt.

Vier Tore in der ersten Halbzeit bei einem Liga-Gastspiel hat es seitdem für uns nicht mehr gegeben. Gegen Nürnberg (5:1-Sieg) und Wiesbaden (5:2-Erfolg) waren wir in der vergangenen Saison zugegebenermaßen recht nah dran, doch mehr als drei Tore sollten uns dort in den ersten 45 Minuten nicht gelingen. Mittlerweile hat Klopp als Trainer neben deutschen Meisterschaften und dem DFB-Pokal auch die Premier League und sogar die Champions League gewonnen. Anfang Oktober diesen Jahres unterlag Klopp mit seinem FC Liverpool in der englischen Premier League Aston Villa 2:7 – in der ersten Halbzeit erzielten die "Villans" vier Tore. Ob er sich an die Partie von vor über 20 Jahren erinnert fühlte? Wir werden es wohl nie erfahren.

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