Das Glück des Tüchtigen

Kurz vor dem Spiel musste das DSC-Trainerteam um Ernst Middendorp noch einen kleinen Rückschlag verkraften. Sibusiso Zuma hatte sich unter der Woche beim Länderspiel Südafrikas gegen Schottland einen Muskelbündelriss zugezogen und fiel für die Partie aus.
Die erste Halbzeit dieser Partie ist dann auch eigentlich schnell erzählt. Beide Teams taten sich vor gut 20.000 Zuschauern in der SchücoArena einigermaßen schwer. Chancen waren in den ersten 45 Minuten auf beiden Seiten Mangelware. Dabei hatte der DSC in den ersten drei Pflichtspielen der bis dato noch jungen Saison sieben Tore geschossen und in der Bundesliga in zwei Partien bereits fünfmal jubeln dürfen. Der Lohn? Platz Vier nach zwei Spieltagen mit vier Punkten. Dabei hätten es gut und gerne auch schon sechs sein können, doch dazu später mehr.
Der zweite Abschnitt des Heimspiels gegen die Hauptstädter sollte dann allerdings für einiges entschädigen – nach einer unübersichtlichen Situation im Berliner Strafraum spielte BSC-Innenverteidiger Simunic den Ball mit dem Fuß zu seinem Torwart, der die Kugel mit seinen Händen aufnahm. Schiedsrichter Wolfgang Stark zögerte keine Sekunde und gab indirekten Freistoß. Diesen verwandelte der eingewechselte Ioannis Masmanidis in der 52. Minute zur 1:0-Führung! Dabei hätte es zu diesem Zeitpunkt auch schon 1:0 für die Gäste stehen können, doch die Querlatte rettete beim Schuss von BSC-Verteidiger Lucio nur wenige Minuten zuvor.
Die "alte Dame" machte mehr und mehr Druck, erspielte sich immer wieder gute Chancen und gab sich mit dem Rückstand keineswegs zufrieden. Immer wieder war es Arminia-Torwart Matthias Hain, der die Führung mit starken Paraden verteidigte. Kein Wunder, dass der Kicker ihn nach dem Duell zum Spieler des Spiels kürte. Als Berlings Mittelfeldspieler Patrick Ebert mit einem tollen Freistoß kurz vor Schluss ebenfalls an der Latte scheiterte, wusste wohl ein jeder im Stadion, dass hier aus Arminia-Sicht nichts mehr anbrennen würde.
Und genau dem war auch so – Artur Wichniarek traf in der Nachspielzeit zum 2:0 und profitierte dabei von einem Abstimmungsfehler in der Berliner Abwehr. Hertha machte das Spiel, der DSC konterte und konnte nach umkämpften 94 Minuten drei umjubelte – und auch irgendwie glückliche – Punkte einfahren.
Eine Woche zuvor war das Glück nicht auf Arminias Seite gewesen. Bis zur 87. Minute führte der DSC im Bundesliga-Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt, ehe zwei späte Treffer der Gäste (87. und 89.) den sicher geglaubten Sieg zunichtemachten. Spätestens mit dem Heimsieg gegen Berlin war das unglückliche Unentschieden in den letzten Minuten aber wieder vergessen. Im Fußball gleicht sich dann doch eben vieles aus.
DSC Arminia Bielefeld:
Hain – Kucera, Langkamp, Mijatovic, Schuler – Böhme (81. Kamper), Kirch, Nkosi (34. Masmanidis) – Tesche (66. Korzynietz) – Eigler, Wichniarek.
Hertha BSC:
Drobny – Fathi, von Bergen, Lúcio, Schmidt (66. Piszczek) – Simunic, Chahed (76. Mineiro), Ebert, Dardai – Grahn (46. Gilberto), Okoronkwo.
Tore:
1:0 (52.) Masmanidis, 2:0 (90.) Wichniarek.
Gelbe Karten:
Eigler/Drobny, Grahn.
Zuschauer:
20.300

