„Als Kind habe ich zu meinem Vater aufgeschaut“

Vor dem Heimspiel gegen den VfL Osnabrück am Sonntag, den 18. Oktober, sprechen wir mit Joel Felix. Der Innenverteidiger hat schon einige Stationen im europäischen Fußball hinter sich. Ausgebildet wurde der in Sint Maarten geborene Linksfuß beim FC Kopenhagen, ehe er über die Niederlande und weitere Stationen in Dänemark im Sommer 2024 den Weg zu Arminia Bielefeld fand. Mit Silkeborg IF sammelte er unter anderem Erfahrungen in der Conference League, mit Arminia erlebte er den Aufstieg in die 2. Bundesliga und das DFB-Pokalfinale. Inzwischen geht Felix in seine dritte Saison beim DSC und ist Teil des Mannschaftsrats. Im Interview spricht er über die anstehende Partie, seine Zeit in Bielefeld, besondere Momente abseits des Platzes und den Einfluss seines Vaters auf seinen Weg zum Profifußballer.

Vergangene Woche bist du gegen Bochum wieder in die Startelf gerückt und hast in der Fünferkette eine überzeugende Leistung gezeigt. Wie hast du das Spiel erlebt? 

Insgesamt war es ein gutes Spiel, aber ich weiß auch, dass wir gerade mit Ball noch einige Dinge verbessern können. Das war ein Spiel, in dem wir nicht viel Ballbesitz hatten, weil der Gegner am Ball gut war. Bochum hat allerdings keine gefährlichen Torchancen herausgespielt und wir sind geduldig geblieben. Es ging darum, sicher zu stehen und nichts zuzulassen. Das ist uns gelungen und so werden wir uns als Mannschaft weiterentwickeln und mehr Spiele gewinnen. 

Am Sonntag kommt der VfL Osnabrück in unser Wohnzimmer. Worauf wird es ankommen, damit wir die drei Punkte hierbehalten? 

Ich erwarte ein Spiel, in dem wir mehr Ballbesitz haben werden als letzte Woche in Bochum. Osnabrück ist in der Defensive stark, deshalb müssen wir Lösungen finden, um durchzukommen und Torchancen herauszuspielen. Das wird nicht einfach, denn Osnabrück ist gut in die Saison gestartet. Wir müssen die Chancen nutzen, die wir bekommen, weil es gegen diese Abwehr schwierig werden kann, viele Möglichkeiten zu erspielen. Außerdem sind sie bei Standards wie Ecken und Flanken stark. Das müssen wir gut verteidigen, so wie schon in Bochum. 

Was zeichnet dich als Innenverteidiger besonders aus? 

Als Innenverteidiger liegen mir vor allem die Duelle und Zweikämpfe. In den Boxen habe ich durch meine Größe gute Vorteile. Als Innenverteidiger hat man das Spielfeld immer vor sich. Mir gefällt der Spielaufbau von hinten, ich möchte mich insgesamt aber immer weiter verbessern. Dafür gebe ich im Training alles.

Du spielst jetzt deine dritte Saison für Arminia und hast mit uns einiges erlebt. Wie würdest du deine bisherige Zeit in Bielefeld beschreiben? 

Ich hatte bisher eine sehr gute Zeit hier. Mit dem Aufstieg und dem Pokalfinale habe ich unbeschreibliche Momente erlebt. Jetzt spielen wir in der 2. Liga, und der Klassenerhalt in der vergangenen Saison war sehr wichtig. Natürlich gab es auch Aufs und Abs, gerade wegen meiner Verletzungen. Die schönen Momente waren dafür umso besonderer. Ich hoffe, dass ich künftig verletzungsfrei bleibe. Außerdem ist während meiner Zeit in Bielefeld meine Tochter geboren worden. Sie ist mittlerweile ein Jahr alt. Das wird immer eine besondere Verbindung zu dieser Stadt für mich sein. 

Für die Geburt bist du im vergangenen Jahr auch später ins Trainingslager gereist. Wie hast du dieses besondere Erlebnis in Erinnerung? 

Das war damals alles andere als einfach. Meine Frau war hochschwanger, als die Mannschaft ins Trainingslager gereist ist, und ich bin zunächst bei ihr geblieben, weil der Geburtstermin in diese Zeit fiel. Als es dann noch nicht losging, wollte ich nachfliegen, hatte dann aber im Flugzeug ein schlechtes Gefühl und ich bin tatsächlich vor dem Start wieder ausgestiegen. In derselben Nacht kam unsere Tochter zur Welt. Rückblickend war es also definitiv die richtige Entscheidung. Ich war einfach glücklich, dass es meiner Frau und meiner Tochter gut ging und ich dabei sein konnte. Zwei Tage später bin ich ins Trainingslager nachgereist. 

Du bist auch in dieser Saison wieder Teil des Mannschaftsrats. Welche Rolle übernimmst du dabei auf und neben dem Platz? 

Im Mannschaftsrat geht es darum, zuzuhören und ein Gespür dafür zu haben, was in der Mannschaft passiert. Gibt es Probleme? Was braucht die Mannschaft? Aber natürlich sollte man auch merken, wenn etwas gut läuft, und wissen, wie die Stimmung auf und neben dem Platz ist. Ich übernehme auch gerne Verantwortung, gerade auch auf dem Platz. 

Du hast in Dänemark, den Niederlanden und Deutschland gespielt. Was unterscheidet die Fußballkulturen und Spielweisen, die du bisher kennengelernt hast? 

Die Kulturen sind schon unterschiedlich. Dänemark und die Niederlande sind kleinere Länder, während die Stadien in Deutschland eigentlich immer voll sind. Das ist in den beiden anderen Ländern nicht immer so. Auch der Spielstil unterscheidet sich: In Deutschland gibt es mehr Tempo, Intensität und Duelle. In Dänemark und den Niederlanden geht es etwas ruhiger zu, mit mehr Fokus auf das Spielerische und den Umgang mit dem Ball würde ich sagen. 

Mit dem FC Kopenhagen hast du in der UEFA Youth League gespielt, mit Silkeborg IF später auch in der Conference League. Was waren das für Erfahrungen? 

Die Youth League war etwas Besonderes, weil ich noch sehr jung war und zum ersten Mal auf diesem Niveau gespielt habe. In Porto gegen starke Mannschaften und Spieler wie Diogo Dalot anzutreten, der heute bei Manchester United spielt, war ein tolles Erlebnis. Für meine Karriere war die Conference League aber noch wichtiger, weil ich sie erst bei meinem letzten Verein im Profifußball erlebt habe. Das war schon eine richtig coole Erfahrung. 

Du hast einmal erzählt, dass du gerne an deinen Geburtsort Sint Maarten zurückkehren möchtest. Hast du es inzwischen geschafft? 

Ich bin mit ungefähr vier Monaten nach Dänemark gezogen. Seitdem war ich nicht mehr auf Sint Maarten, möchte dort aber unbedingt einmal Urlaub machen. Ich fände es natürlich auch schön, eines Tages für die Nationalmannschaft von St. Lucia zu spielen, wo mein Vater herkommt. 

Du wolltest mit dem Fußball auch deinen Vater stolz machen. Welche Rolle hat er auf deinem Weg gespielt? 

Er hat eine sehr wichtige Rolle gespielt. Mein Vater wollte selbst gerne Profifußballer werden, hatte damals aber nicht die gleichen Möglichkeiten. Wir haben einen ähnlichen Spielstil. Er ist ebenfalls Innenverteidiger und Linksfuß. Ich sage ihm das nicht oft, aber als Kind habe ich zu ihm aufgeschaut. Ich wollte unbedingt Profifußballer werden, zum einen für mich selbst, aber auch für ihn.  

Was wissen deine Mitspieler über dich, das die Fans vielleicht noch nicht wissen? 

Ich liebe Musik und höre viel Reggae. Zu Hause habe ich einen Plattenspieler. Wenn ich Zeit habe, setze ich mich einfach hin und höre meine Platten. 

×

Arminia-Adventskalender

24 Türchen, 24 Gewinne: Mach´ mit bei unserem Arminia-Adventskalender und sicher´ Dir tolle Preise!