0:3 verloren, aber teuer verkauft

Als der eingewechselte Jamal Musiala in der 85. Minute das vorentscheidende 3:0 für den FC Bayern München schoss, war ein leidenschaftlich geführtes Spiel beider Mannschaften entschieden. Nach einer starken Vorlage von Robert Lewandowski blieb Musiala vor dem Bielefelder Tor cool und machte den Sack zu. Die Bayern jubelten, während sich unsere Jungs nach harter Arbeit geschlagen geben mussten.
Auch wenn die Niederlage gegen den FC Bayern München schmerzt, so gibt es durchaus positive Punkte, die für die verbleibenden vier Spiele Hoffnung machen. Patrick Wimmer, der die Münchner mit seinen Läufen in die Tiefe immer wieder vor Probleme stellte, brachte es im Interview mit DAZN nach dem Abpfiff auf den Punkt: "Es war ein kämpferisches Spiel, aber alle engen Situationen liefen gegen uns. Wir können trotzdem was für die kommenden Wochen mitnehmen!" Womit wir beim Spielbericht wären.
Im Vergleich zur Vorwoche änderte DSC-Cheftrainer Frank Kramer die Mannschaft auf vier Positionen. Cedric Brunner, Florian Krüger (beide verletzt), Andres Andrade und Robin Hack (beide Bank) wichen aus der Startelf - für sie begannen Guilherme Ramos, Fabian Kunze, Jacob Barrett Laursen und Masaya Okugawa. Arminia startete in einem kompakten 4-4-2 und verteidigte mit viel Herz. Daraus resultierende Ballgewinne sollten immer wieder für Gegenstöße genutzt werden, von denen es auch einige gab. Dass der FC Bayern das Spiel von Anfang an versuchte, zu dominieren und durch ansehnliches Kombinationsspiel immer wieder gefährlich vor unseren Kasten kam, ließ sich trotz einer starken Teamleistung nicht verhindern.
In der achten Minute führte solch ein Angriff zur ersten guten Gelegenheit der Gäste. Über Joshua Kimmich und Serge Gnabry gelangte der Ball zu Robert Lewandowski, der mit seinem Kopfball aus kürzester Distanz an Stefan Ortega Moreno scheiterte. Zwei Minuten später war "Tego" dann leider machtlos. Nach einem starken Chipball von Kimmich auf Alphonso Davies, legte der kanadische Nationalspieler per Kopf quer auf Lewandowski. Dieser wurde kurz vor dem Tor von Laursen unter Druck gesetzt, doch leider berührte der DSC-Verteidiger in dieser Aktion den Ball unglücklich, sodass dieser ins Tor trudelte, 0:1.
Trotzdem blieb der Kopf unserer Jungs oben, trotzdem blieb die Brust draußen, trotzdem feuerte der Großteil der ausverkauften SchücoArena die Jungs weiter an - in der 16. Minute wurde es dann auch erstmals vor dem von Manuel Neuer gehüteten Bayern-Tor gefährlich. Nach einer Ecke kam Okugawa am zweiten Pfosten zum Schuss, setzte den Ball mit seinem Versuch aber leicht drüber. Das Spiel blieb intensiv, das Niveau gut. Nur eine Zeigerumdrehung später scheiterte Lewandowski mit einem Versuch aus kurzer Distanz an der Reaktionsfähigkeit Ortega Morenos - eine ganz starke Parade, die das 0:2 verhinderte.
Nach fulminanten ersten 20 "Bayern-Minuten", in denen der Champions League-Sieger von 2020 komplett ernst machte, konnten unsere Jungs sich mehr und mehr befreien. Zwar kamen die Münchner immer wieder zu guten Chancen, doch die Arminia-Defensive hielt stand. Und konnte aus dieser Kompaktheit immer wieder selbst für Gefahr sorgen. In der 43. Minute erlief sich Okugawa einen langen Ball im Duell mit Nianzou, ließ diesen mit einem Lupfer einigermaßen alt aussehen und setzte die Kugel zur Freude (fast) aller in der ausverkauften SchücoArena über Neuer hinweg in den Kasten. Die Freude währte aber nicht lange, da der Japaner einen My im Abseits gestanden hatte. Regeln sind Regeln, aber sie können wehtun. In dieser Situation tat sie weh, denn das Tor hatten sich die Jungs verdient.
Dann folgte eine extrem bittere Nachspielzeit. Fast schon weniger, weil Gnabry das 2:0 schoss, sondern weil Fabian Kunze nach einem klaren Ellbogeneinsatz von Nianzou minutenlang behandelt werden und anschließend ausgewechselt werden musste. Die dritte Kopfverletzung in den vergangenen drei Spielen...das Wichtigste: Kunze ist bei Bewusstsein und ihm geht es den Umständen entsprechend gut. Leider verzichtete Schiedsrichter Matthias Jöllenbeck auf einen Gang in die "Review Area", sodass er es bei einer gelben Karte beließ. Wir zitieren Julian Nagelsmann, Bayern-Trainer, an dieser Stelle, der auf der PK nach dem Spiel sagte: "Für mich war das eine rote Karte und wir brauchen uns nicht beschweren, wenn es da einen Platzverweis gibt."
Kramer bewertete das Luftduell der beiden Hünen wie folgt: "Es war eine heftige Szene, der Ellbogen war klar ausgefahren. In solchen Situationen, wenn der Schiedsrichter keine ideale Position hat, dann wünsche ich mir, dass der Kölner Keller die Behandlungspause nutzt, um den Schiedsrichter nochmal darauf hinzuweisen, sich die Bilder anzuschauen. Für mich war das eine rote Karte." Leider entschied sich Jöllenbeck gegen einen möglichen Gang zum Fernseher. Somit ging es mit elf gegen elf, einem 0:2 und zwei verletzten Spielern (Kunze + Laursen) in die Halbzeitpause.
Auch in der zweiten Halbzeit versteckte sich der DSC nicht und hatte immer wieder seine Momente - einer von diesen war in der 65. Minute. Nach einem starken Ballgewinn Manuel Prietls schaltete Arminia blitzschnell um. Am Ende des Gegenstoßes passte Janni Serra quer auf den freistehenden Okugawa, der beim Versuch, den Ball ins Tor zu schießen, leicht von FCB-Verteidiger Dayot Upamecano berührt wurde. Wieder entschied der Schiedsrichter nicht zu Gunsten des DSC.
Circa zehn Minuten vor Schluss wurde es dann ruhig im Rund der SchücoArena. Auf der Südtribüne wurde ein Fan reanimiert, dieser wurde stabilisiert und befindet sich mittlerweile im Krankenhaus. Unsere Gedanken sind bei diesem Fan sowie seiner Familie und Freunden - auch hier zeigt sich einmal mehr, dass Fußball dann eben doch nur die schönste Nebensache der Welt ist.
Am Ende verlieren wir unser Heimspiel gegen den FC Bayern München also mit 3:0, doch unsere Mannschaft erhielt nach Abpfiff aufmunternden Applaus. Warum? Weil sie alles gegeben hatte. Gegen eine Mannschaft, die alleine zehn Spieler unter Vertrag hat, die jeweils mehr wert sind (!) als unser gesamte Kader. Und weil das Spiel zeigte, dass für die restlichen vier Spiele noch nichts verloren ist.
DSC Arminia Bielefeld:
Ortega Moreno – Ramos, Pieper, Nilsson, Laursen – Okugawa, Kunze (45. Vasiliadis), Prietl, Schöpf (74. Castro) – Serra (74. Hack), Wimmer.
FC Bayern München:
Neuer – Pavard, Nianzou (46. Stanisic), Upamecano – Gnabry, Goretzka, Kimmich, Davies – Müller (61. Sané), Sabitzer (61. Musiala) – Lewandowski.
Tore:
0:1 (10./Eigentor) Laursen, 0:2 (45.) Gnabry, 0:3 (85.) Musiala.
Gelbe Karten:
Kunze/Nianzou, Kimmich.
Zuschauer:
26.419 (ausverkauft)

