Zu Gast im Eintracht-Stadion

So sieht es aktuell aus: Über 120 Minuten plus Elfmeterschießen mussten unsere Gastgeber in der ersten Runde des DFB-Pokals gegen den VfB Stuttgart unter der Woche ran. Am Ende verloren sie denkbar knapp nach einem großartigen Kampf mit 7:8 im Elfmeterschießen und verpassten die Krönung zum Pokalsiegerbesieger.
Nachdem die Eintracht in der vergangenen Saison gerade noch soeben den Abstieg durch einen Erfolg in der Relegation gegen den 1. FC Saarbrücken verhindern konnte, weht in Braunschweig nun ein frischer Wind. Maßgeblich verantwortlich dafür ist der neue Trainer: Heiner Backhaus kam von Alemannia Aachen zur Eintracht, hat bei den Niedersachsen einiges umgestellt, was zu einem perfekten Saisonstart mit zwei Siegen in Magdeburg (1:0) und zuhause gegen Fürth (3:2) führte. Erst in Karlsruhe setzte es beim 0:2 die erste Niederlage, die noch bitterer ausfiel, weil sich Lino Tempelmann in diesem Spiel schwer verletzte und mehrere Wochen ausfällt. Louis Breunig sah in Karlsruhe in der 90. Minute Rot und fehlt den Braunschweigern zwei Meisterschaftsspiele.
Face to face: Wer erinnert sich nicht mehr an den grandiosen 6:0-Sieg im Mai 2017, mit dem unsere Arminia den Klassenerhalt in der zweiten Liga auf den Weg brachte? Kurios war auch das 7:1 im September 1985. Kurios deshalb, weil unser Torwart Wolfgang Kneib nach elf Minuten zum zwischenzeitlichen 1:0 traf. Allerdings waren die Tore des „Langen“ keine Seltenheit. Kneib, der mit 408 Spielen lange Zeit unser Rekordspieler war, ehe ihn Fabian Klos ablöste, schnappte sich häufiger das Leder und erzielte insgesamt drei Elfmeter-Tore. Und hielt aber auch insgesamt 15 Elfer! Die Gesamtbilanz gegen die Eintracht kann gleich am Samstag nachgebessert werden. Denn bislang gabs in den 27 direkten Duellen erst neun Siege, aber schon zwölf Niederlagen. Unter anderem ein 1:7 auf der damaligen Alm im Jahr 1972.
Kommen und Gehen: Nicht nur der Trainer ist neu, auch elf Spieler sind nach Braunschweig gewechselt, neun hingegen verließen den Verein. Ein Zugang ist unter anderem der aus Leipzig ausgeliehene Frederik Jäkel, der in der Saison 2022/23 auch schon mal das Bielefelder Trikot trug. Zwischen seiner Bielefelder und Braunschweiger Zeit spielte der 24-Jährige zwei Jahre beim SV Elversberg. Allerdings war ihm in der vergangenen Saison auch verletzungsbedingt gerade mal eine einzige Minute auf dem Platz vergönnt. Und auch am Samstag wird der Innenverteidiger nicht spielen können: Wie vor wenigen Tagen bekannt wurde, hat sich Jäkel eine Kreuzbandverletzung zugezogen und mehrere Monate ausfallen. Wir wünschen ihm an dieser Stelle alles Gute!
Zahlen, bitte: Das Wohnzimmer der Braunschweiger liegt an der Hamburger Straße 210 und hat für 23 325 Fans Platz. Somit dürfte es für jedes der rund 7791 Mitglieder des Vereines keine Ticket-Probleme geben. Schön traditionell gibt es neben 12 650 Sitzplätzen fast ebenso viele Stehplätze (10 675). Zur Eröffnungsfeier 1923 gab es gegen den 1. FC Nürnberg übrigens eine 1:10-Niederlage.
Der Braunschweiger Turn- und Sportverein Eintracht von 1895, wie der Verein offiziell heißt, feiert am 15. Dezember in diesem Jahr seinen 130. Geburtstag. Im Gründungsjahr war man noch etwas sparsamer mit den Buchstaben und beließ es beim „Fußball- und Cricket-Club Eintracht Braunschweig“. Die Vereinsfarben Blau und Gelb sind die Farben des früheren Herzogtums und späteren Freistaats Braunschweig.
Ein paar Erfolge gefällig? 1908 und 1913 wurde Eintracht Norddeutscher Meister, war in der Startsaison der Bundesliga 1963 dabei, sehr zum Ärger der Nachbarn aus Hannover, was aber wiederum eine ganz andere Geschichte ist. 1967 war Braunschweig sogar Deutscher Meister, mit insgesamt nur 27 Gegentreffern.
Fun-Facts am Rande: 1874 fand in Braunschweig das erste Fußballspiel auf deutschem Boden statt. Die Stadt ist damit gewissermaßen die Wiege des deutschen Fußballs.
In der Zeit zwischen 1963 und 1976 spielte die Eintracht unglaubliche 322 Bundesliga-Spiele ohne einen Platzverweis – ein Rekord, den der Verein bis heute hält.
Am 24. März 1973 war Eintracht übrigens das erste Bundesliga-Team mit einer Trikotwerbung - für Jägermeister. Um das damals geltende DFB-Werbeverbot zu umgehen, wurde das Firmenlogo kurzerhand zum Vereinswappen umgewandelt.

