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„Zu Arminia bin ich schon
als kleiner Junge gegangen“

Heribert Bruchhagen ist in Harsewinkel groß geworden, arbeitete in Halle/Westf. als Gymnasiallehrer und war drei Jahre lang Manager bei Arminia. Nicht nur aus diesen Gründen verfolgt Bruchhagen nach wie vor, was beim DSC passiert. Vor dem Pokal-Duell gegen den FC Schalke 04, bei dem der 70-Jährige von 1989 bis 1992 angestellt war, hatten wir die Gelegenheit mit dem passionierten Golfer zu sprechen

Herr Bruchhagen, wie geht es Ihnen?

Mir geht es gut. Ich habe weitaus mehr Freizeit als all die Jahre zuvor und bin noch ganz eng am Sport. Arminia gegen den HSV habe ich leider nicht live im Stadion sehen können, dafür war ich bei Schalke gegen Dortmund. Die Bundesliga verfolge ich noch sehr, auch durch meine Tätigkeit bei SKY. Dennoch habe ich genug Freizeit, um an einem freien Tag mal entspannt eine Runde zu golfen.

Sie sind in Harsewinkel groß geworden, haben den FC Gütersloh und SC Verl trainiert, waren zudem von 1998 bis 2001 Manager beim DSC. Wie verwurzelt sind Sie in OWL?

Sehr stark. Ich habe elf Jahre lang als Lehrer am Kreisgymnasium Halle gearbeitet und war fast zwanzig Jahre beim FC Gütersloh tätig – das bindet schon sehr. Zu Arminia bin ich als kleiner Junge schon gegangen und war Stammgast im Stadion. Ich fühle mich in OWL heimisch und immer, wenn ich in Bielefeld oder Gütersloh ins Stadion gehe, treffe ich viele Bekannte, die mir früher im Sport begegnet sind.

Sie waren ganz lange im Geschäft – durch VAR, gelbe Karten für die Trainer und andere kleine Regeländerungen, hat sich der Fußball ein bisschen verändert. Welche Entwicklungen finden Sie gut, welche gefallen Ihnen hingegen weniger?

Natürlich tut es mir als Fußballer weh, wenn ein schönes Tor nach Eingriff durch den Video-Schiedsrichter zurückgenommen wird. Spontan fällt mir da die Szene vom Spiel Dortmund gegen Gladbach ein, wo Marco Reus mit seinem dicken Zeh im Abseits stand. Das ist gegen die eigentliche Idee vom Fußball und kann ich nicht nachvollziehen. Auf der anderen Seite tut man immer gut daran, Dinge zu akzeptieren, auf die man sowieso keinen Einfluss hat. Wir dürfen hier auch nicht vergessen, dass alle 36 Bundesligisten dem Videobeweis zugestimmt haben. Die gelben Karten für Trainer halte ich für – ehrlich gesagt – lächerlich, wobei ich es gleichzeitig schwierig finde, wenn sich Trainer beispielsweise über eine Einwurfentscheidung derart echauffieren, dass sie vom Schiedsrichtergespann ermahnt werden müssen. Zumal fast 90% der Einwürfe beim Gegner landen.

Lassen Sie uns einen Blick auf Arminia Bielefeld werfen: Ihre Zeit als Manager beim DSC war geprägt von schwierigen Momenten.

Da waren ganz, ganz schwierige Situationen dabei, weil es insgesamt eine sehr kritische Zeit war. Die Lizenzierung hing am seidenen Faden und wenn nicht ein Hamburger Freund von mir eine Bürgschaft in Höhe von mehreren Millionen Euro gegeben hätte, hätten wir die Lizenz nicht bekommen. Herr Schwick (Anm. d. Redaktion: damaliger Präsident) und ich mussten zudem privat noch für Sachen einstehen – das waren intensive Zeiten. Trotzdem war es sehr schön. Ich habe sowohl einen Auf- als auch einen Abstieg miterlebt. Das Anspruchsdenken in Bielefeld war damals weitaus höher als heute.

Wie meinen Sie das?

Heute hat die Realität zum Glück Einzug erhalten. Ich kann nur betonen, dass ich stolz bin auf den Vorstand und die handelnden Personen. Ob Uwe Neuhaus, mit dem ich zuletzt noch auf dem Golfplatz stand, Samir Arabi, Markus Rejek oder Hans-Jürgen Laufer. Sie sind allesamt gestandene Leute. Da kann man sich als Arminia-Fan schon die Frage stellen: "Was will ich mehr?"

Was trauen Sie Arminia für die kommenden Monate oder  auch Jahre zu?

Wenn der DSC einen Platz zwischen 16 und 25 im deutschlandweiten Ranking belegt, wäre das ideal. Wenn die anderen Vereine alles richtig machen und alle Strukturen greifen, dann ist Arminia wohl erstmal nicht in der Bundesliga, sondern im gehobenen Niveau der 2. Bundesliga. Auch wenn den DSC-Fans da wohl etwas die Haare sträuben werden, so muss man das Kind einfach beim Namen nennen. Wir sehen es ja momentan am Beispiel Paderborn, wo großartige Arbeit geleistet wurde. Sie spielen zwar jetzt Bundesliga, haben dafür aber sportlich gesehen einige Probleme – wobei man sagen muss, dass die Bundesliga für einen Verein aus wirtschaftlicher Sicht natürlich toll ist. Von daher drücke ich Bielefeld die Daumen, dass sie zumindest die Relegation erreichen. Die Mannschaft ist auf jeden Fall sehr, sehr gefestigt.

In der Liga ist der DSC sehr gut unterwegs, jetzt kommt im Pokal der FC Schalke 04. Sie werden vor Ort sein, was erwarten Sie für ein Spiel?

Ich habe Schalke in Hoffenheim und  gegen Dortmund gesehen. In Hoffenheim haben sie zwar 0:2 veroren, aber äußerst souverän und überzeugend gespielt. Die SchücoArena ist allerdings immer brandgefährlich. Wenn Arminia es schafft, den Schalker Spielrhythmus zu stören und die eigenen Stärken durchzubringen, besteht eine kleine Chance. Bielefeld hat mit Klos vorne einen Leuchtturm drin. Wenn Schalke seine Leistung abruft, dann sehe ich sie allerdings vorne.

À propos Schalke. Wie haben Sie Ihre aktive Zeit dort in Erinnerung, wo Sie von 1989 bis 1992 als Manager aktiv waren?

Die habe ich noch gut in Erinnerung, da die Stelle auf Schalke die erste im Profifußball war, nachdem ich zuvor als Lehrer gearbeitet hatte. Wir sind gleich in meinem ersten Jahr in die Bundesliga aufgestiegen und haben uns dort dann etabliert. Es waren insgesamt tolle Jahre – sehr bunt, um es mal vorsichtig auszudrücken. Ich habe nach wie vor eine enge Beziehung zu Schalke, begleite den Verein und bin dort noch Mitglied.

Sie sind seit dieser Saison Experte beim Sender SKY, lesen zudem sehr gerne Zeitung. Welche Schlagzeile würden Sie gerne über den DSC lesen?

"Arminia erneut zurück in der Bundesliga!" Diese Überschrift würde ich gerne lesen, möchte aber auch gleichzeitig darauf hinzuweisen, dass das nicht die Erwartungshaltung sein darf, da es konterkarierend zur bodenständigen und mit Bedacht arbeitenden Vereinsführung stünde. Im Augenblick aber ist Arminia in absoluter Bestform.

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