„Wir haben zusammengehalten wie Pech und Schwefel“

Sebastian, welchen deiner ehemaligen Arminia-Kollegen, die aktuell noch beim DSC aktiv sind, hast du als letztes angerufen?
Als letztes habe ich mit “Klosi” (Fabian Klos, Anm. d. Redaktion) telefoniert, das müsste vor ein paar Wochen gewesen sein.
Worum ging es in dem Gespräch?
Wir haben über die kommenden Aufgaben und die Stimmung gequatscht, generell ging es viel um Fußball. “Klosi” hat gesagt, wie eng die dritte Liga ist und – da es vor der Corona-Pause war – gehofft, dass die Saison weitergespielt wird. Natürlich haben wir auch darüber gesprochen, was bei einem möglichen Aufstieg passieren würde, da es ja keine richtige Feier am Rathaus geben kann. Mit “Fabi” telefoniere ich immer mal wieder, genauso wie ich öfter mit “Salgi” (Stephan Salger, Anm. d. Redaktion) oder auch Michael Schweika (DSC-Physiotherapeut, Anm. d. Redaktion) schreibe.
Du bist also noch einigermaßen nah dran, was Arminia angeht?
Ja, ich habe nach wie vor Kontakt zum DSC. So nah wie es eben geht, wenn man 350 Kilometer weit entfernt wohnt. Ich gucke mir, wenn es die Zeit zulässt, die Spiele Arminias live im TV an und bin richtig glücklich darüber, wie es momentan läuft. Ich gehe davon aus, dass die Saison auch glücklich endet. Wie wir alle wissen, geht es bei Arminia eben nicht “normal” – die vielen Unentschieden nach der Pause erinnern mich ein bisschen an meine Zeit in Bielefeld, in der wir aufgestiegen sind. Spannung gehört beim DSC eben dazu, jetzt gilt es, nicht unruhig zu werden.
Wie würdest du generell die Zeit beim DSC bewerten?
Als die schönste in meiner Laufbahn! Wir hatten ein unfassbar aufregendes Jahr mit Aufstieg und Pokal-Halbfinale. Da waren enorme Emotionen im Spiel und wir hatten eine charakterlich Top-Mannschaft, die wohl ihresgleichen sucht. Da ging es vielleicht nicht immer nur mit Wattebäuschen, aber wenn’s drauf ankam, haben wir zusammengehalten wie Pech und Schwefel. Das Schöne ist, dass wir noch mit echt vielen Jungs von damals einen super Kontakt haben – das kommt nicht von ungefähr. Ich habe also durchweg positive Erinnerungen, auch wenn mein letztes DSC-Jahr mit dem Klassenerhalt natürlich nochmal knapp war. Auch meine Familie hat sich in Bielefeld und auch mit der Art und Weise der dort lebenden Menschen sehr wohl gefühlt, wir kommen immer wieder gerne zurück und brauchen keine Eingewöhnungszeit. Wir waren traurig, als wir Bielefeld verlassen haben.
Arminia-typisch gab es auch in deiner Phase Höhen und Tiefen – momentan erlebt der DSC ein Hoch. Wie betrachtest du die aktuelle Situation aus der Ferne?
Auch wenn der DSC in der jüngeren Vergangenheit immer mal wieder “nur” Unentschieden gespielt hat, ist die Mannschaft für mich der Inbegriff eines Spitzenteams. Sie legen eine unfassbare Konstanz an den Tag, trotzen Rückständen und ziehen ihr Spiel durch. Zwei Niederlagen aus 30 Spielen sprechen für sich. In den Duellen, in denen es vielleicht mal nicht so gut lief, konnten sie sich trotzdem meistens mit Punkten belohnen und das ist eine Menge wert. Dass man so schwer zu schlagen ist, spricht sich rum und kommt bei den anderen Mannschaften auch als Botschaft rüber. Arminia hat alles, was man braucht, um da oben zu stehen. Dass kurz vor dem “großen Coup” vielleicht nochmal das Kopfkino angeht, ist völlig normal, aber sie schaffen das sicher. Und das sage ich nicht, weil ich drei Jahre in Bielefeld gespielt habe, sondern weil sie die konstanteste Mannschaft der zweiten Liga sind.
Und neben der Konstanz? Gibt es weitere Aspekte, die Arminia so stark macht?
Sie haben eine bombenfeste Abwehr, die wenig Gegentore bekommt und sind dazu sehr eingespielt. Und dann natürlich – wie könnte es anders sein? – “Vogi” (Andreas Voglsammer, Anm. d. Redaktion) und “Klosi” mit ihren Torbeteiligungen und dazu Spieler, die immer wieder stark auf sich aufmerksam gemacht haben. Da denke ich z.B. an Jonathan Clauss, Marcel Hartel oder auch Cebio Soukou. Hier konnte Uwe Neuhaus viel rotieren und hat das Maximale rausbekommen. Die Tiefe im Kader ist ein weiterer wichtiger Faktor für den Erfolg.
Kurz nach dem Du aus Dresden nach Bielefeld gewechselt bist, kam Uwe Neuhaus nach Dresden. Wie hoch schätzt du seinen Anteil am derzeitigen Erfolg des DSC ein?
Mit seiner Art passt er einfach zu Arminia. Er ist ruhig und trägt das auf die Mannschaft über. Wenn du als Team merkst, dass der Kapitän an Bord des Schiffes immer wieder Ruhe bewahrt und schwierige Situationen locker angeht, kann man sagen, dass es die absolut richtige Entscheidung war, Uwe Neuhaus als Trainer nach Bielefeld zu holen. Dazu kommt natürlich noch die spielerische Komponente, die er Arminia eingeimpft hat. Das ist ein Fußball, den man sich gerne anschaut.
Jetzt geht es gegen Dynamo. Du hast lange vier Jahre für Dresden gespielt (2010-2014). Mit was für einem Gefühl setzt du dich vor den Fernseher?
Da ich für beide gespielt habe, würde ich es sehr cool finden, wenn beide ihre Ziele erreichen. Ich weiß aber natürlich auch, dass die Spiele immer weniger werden und dass es daher schwierig werden kann. Beide werden wohl auf Sieg spielen. Ich werde mich jedenfalls vor den Fernseher hauen und die Partie verfolgen. Unabhängig vom Ergebnis hoffe ich, dass beide Mannschaften am Ende der Saison zufrieden sind.
Auch dein Verein, die Würzburger Kickers, dürfte noch Ziele haben. Für euch geht es um den Aufstieg in die zweite Liga. Die dritte Liga ist eng wie nie – wie sähe dein Wunschszenario für Ende Juni aus?
Da wir dann noch spielen, hoffe ich, dass Arminia bis dahin schon aufgestiegen ist und wir mittendrin im Aufstiegskampf sind und gewisse Möglichkeiten haben. Unsere Saison geht ja bis Anfang Juli. Was dann am vierten Juli passiert, werden wir sehen.
Und dann würdest du nicht nur zum Hörer greifen, sondern vielleicht mit dem einen oder anderen Bielefelder anstoßen?
Wenn es die Zeit zulässt, dann werde ich das natürlich versuchen – wann erlebt man sonst schon mal einen Bundesliga-Aufstieg? Für den Fall der Fälle habe ich mich mit “Klosi” und “Salgi” verabredet – wie und wann das stattfinden wird, bleibt abzuwarten, aber da wäre mir kein Weg zu weit.
Danke für das Gespräch und alles Gute, “Schuppi”!

