Was für ein Spiel!

Klub-Weltmeister, Champions League-Sieger, UEFA Super Cup-Sieger, Deutscher Meister, DFB-Pokalsieger und DFL-Supercup-Sieger: diese sechs Titel hatte der FCB innerhalb eines Kalenderjahres gewonnen – doch wenige Tage nach der triumphalen Rückkehr der Serientäter aus dem heißen Katar stellte unsere Mannschaft den Bayern ein Bein auf dem Weg zur x-ten Meisterschaft in Folge.
Michel Vlap (9.), Amos Pieper (37.) und Christian Gebauer (49.) trafen für unsere Farben zu den zwischenzeitlichen 2:0- und 3:1-Führung. Für alle drei waren es die Premieren-Treffer im DSC-Trikot und somit auch in der Bundesliga. Dass der Vorsprung trotz dieser ausgezeichneten Arminia-Leistung leider nicht zum nicht gänzlich unverdienten Sieg reichte, lag an der Qualität der Gastgeber und den Toren von Robert Lewandowski (48.), Corentin Tolisso (57.) und Alphonse Davies (70.).
Uwe Neuhaus hatte zwei personelle Änderungen in der Startformation vorgenommen: zum einen Neuzugang Michel Vlap (für Marcel Hartel), zum anderen Andreas Voglsammer (für Reinhold Yabo), der besondere „Neuzugang“. Der Linksaußen stand zum ersten Mal seit dem 31. Januar 2020 in der Arminia-Anfangself – damals beim 0:0 in Aue zog sich „Vogi“ einen folgenreichen Mittelfußbruch zu. Nach einigen Rückschlägen und bisher drei Bundesliga-Kurzeinsätzen stürmte der 29-Jährige links in der offensiven Dreierkette neben Vlap und Ritsu Doan. Dahinter agierten Manuel Prietl, erstmals wieder auf dem Platz nach überstandener Verletzung, mit Fabian Kunze auf der Doppelsechs.
Die Bayern hatten in ihrer Startelf auf Klub WM-Finaltorschütze Benjamin Pavard und Joshua Kimmich verzichtet; außerdem fehlten u.a. Thomas Müller (COVID-Erkrankung), Leon Goretzka und Serge Gnabry (beide verletzt).
Trotzdem – und wenig verwunderlich – begann der deutsche Titel-Nimmersatt die Partie selbstbewusst. Eric Maxim Choup-Motings erster Schuss aus 20 Metern war für Stefan Ortega Moreno bei immer stärker einsetzenden Schneefalls kein Problem (4.).
Das Weiß, was sich auf das bis kurz vor dem Anpfiff noch saftige Grün immer mehr legte, erschwerte beiden Teams das Aufbauspiel. Doch der DSC machte das Beste daraus – nämlich das 1:0! Nach einem Einwurf von Cedric Brunner landete die zunächst abgewehrte Kugel bei Manuel Prietl, der sie herrlich auf Michel Vlap durchsteckte – und der niederländische Neuzugang blieb eiskalt im Münchner Schneegestöber vor Manuel Neuer und traf zur Führung für unsere Elf (9.).
Nach 12 Minuten musste die Partie unterbrochen werden für den ersten Wechsel – der weiße Ball machte Platz für seine bunte Variante, zudem wurden mit Schneeschiebern die Platzlinien vom Schnee befreit. Nach drei Minuten Stillstand ging es weiter.
Und Arminia machte mutig und selbstbewusst weiter, kam in dieser Phase mit den Bedingungen deutlich besser zurecht als die Hausherren und kombinierte mit kurzen Pässen sicher und sehenswert aus der eigenen Hälfte heraus.
Die Gastgeber taten sich sehr schwer. Eine Flanke von Leroy Sane (22.), dessen Vater Souleymane in den 1990ern mit Uwe Neuhaus für Wattenscheid in der Bundesliga gespielt hatte, fischte Ortega Moreno ebenso problemlos wie einen flachen Fernschuss von Kingsley Coman (24.).
Der Schnee wurde weniger und die Münchner erhöhten den Druck. Sane drang über Außen in den DSC-Strafraum, aber Amos Pieper klärte in höchster Not (27.). Eine klare Torchance für den Titelhamster gab es in den ersten 30 Minuten jedoch nicht.
Erstmals gefährlich wurde es nach 32 Minuten, als Choupo-Moting, gut und fair bearbeitet vom bärenstarken Cedric Brunner, aus halblinker Position in Richtung Arminia-Fünfer stürmte, die Kugel aber nicht aufs Tor brachte. Kurz danach verpasste Sane nach einem Stellungsfehler in der DSC-Defensive aus wenigen Metern eine gute Gelegenheit (34.). Sekunden danach tauchte wieder der deutsche Nationalspieler, stark eingesetzt von Robert Lewandowski, frei vor Arminias Nummer 1 auf. Ortega Moreno parierte super per Fußabwehr – Sane stand aber sowieso im Abseits.
Und plötzlich rappelte es zum zweiten Mal im Bayern-Kasten! Eine Vlap-Ecke köpfte Amos Pieper zum 2:0 in die Maschen (37.)! Wahnsinn! Beim Torjubel schlug sich der Verteidiger etwas fassungslos die Arme vors Gesicht – damit hatte wohl kaum einer gerechnet…
Dicker Wermutstropfen für Arminia in der ersten Hälfte: Ritsu Doan musste nach 41 Minuten verletzt runter, für ihn kam Christian Gebauer. Nach fünfminütiger Nachspielzeit ging es mit der 2:0-Führung nach einer exzellenten Leistung unserer Mannschaft in die Kabinen.
In der Pause wurde der Platz komplett abgezogen und war damit wieder saftig grün. Und die Bayern waren wütend. Mit viel Tempo ging es Richtung DSC-Kasten. Nachdem Sane noch mit einem satten Flachschuss aus 16 Metern den Pfosten getroffen hatte, haute Lewandowski das Spielgerät wenige Sekunden später zum 1:2-Anschlusstreffer in die Maschen (48.).
Und Arminia? Antwortete sofort mit dem 3:1! Der kraftvolle Voglsammer (wie haben wir ihn vermisst!), herrlich von Prietl auf die Reise geschickt, setzte sich astrein gegen Bouna Sarr durch und passte perfekt in die Mitte, wo „Joker“ Gebauer aus kurzer Distanz den Ball über die Linie drückte (49.). Einfach nur genial!
Bayern machte weiter Druck und kam zum erneuten Anschluss. Sane konnte zu unbedrängt in den Arminia-Strafraum flanken, wo Tolisso zu ungedeckt aus wenigen Metern einköpfte – nur noch 2:3 (57.).
Und Arminia? Antwortete wieder mit einer guten Gelegenheit. Voglsammer düpierte den eingewechselten Joshua Kimmich auf dem linken Flügel, doch dessen Zuspiel auf Vlap erreichte den Niederländer nicht, weil dieser ausrutschte (58.). Schade!
München weiter im Vorwärtsgang – und Ortega Moreno boxte einen Coman-Schuss über die Latte (60.). Es war eine rassige Partie, mit der in dieser Form niemand gerechnet hatte.
Und dann die Riesenchance auf den vierten Treffer. Nach einer herausragenden Balleroberung von Manuel Prietel setzte Kunze den kurz zuvor eingetauschten Sergio Cordova in Szene, doch der allein vor Neuer auftauchende Angreifer trat dann über den Ball (65.).
So trieben die Bayern das Tempo weiter voran. Und kamen zum Ausgleich. Sane setzte sich rechts wieder durch, dessen Hereingabe klärte Arminia vor die Füße von Davies, der die Kugel aus 15 Metern zum 3:3-Ausgleich ins Netz schweißte – unhaltbar (70.).
Der DSC schwamm jetzt und Lewandowski hatte kurz danach sogar die Bayern-Führung auf dem Fuß, als er sich im Arminia-Strafraum gegen mehrere Gegenspieler durchsetzte und knapp vergab (71.).
Fast im direkten Gegenzug jubelte Arminia zum vierten Mal, nachdem Fabian Klos auf Cordova zurückgelegt hatte und dieser versenkte. Doch Klos soll zuvor im Abseits gestanden haben. Eine bittere Zentimeter-Entscheidung gegen den DSC durch den VAR (72.) – ob die auf der anderen Seite auch so ausgefallen wäre?
Es blieb ein außergewöhnliches Spiel dank Arminias famoser Leistung auf Augenhöhe mit dem Rekordmeister. In der Schlussphase wollten beide Mannschaften den Siegtreffer. Keinem gelang er mehr. Klos verhinderte nach einem Lewandowski-Kopfball kurz vor der Torlinie (86.) ein unglückliches Ende, das unsere Mannschaft wahrlich nicht verdient gehabt hätte. Vielmehr konnten alle Arminen stolz sein, wie sich der Deutsche Sportclub gegen das Münchner Multimillionen-Ensemble (829 Millionen Marktwert auf transfermarkt.de) präsentierte: stur, hartnäckig, kämpferisch. Und irgendwie richtig geil.
FC Bayern München:
Neuer (C) – Sarr (58. Kimmich), Süle, Hernandez, Davies – Alaba, Tolisso – Sané, Choupo-Moting, Coman – Lewandowski.
DSC Arminia Bielefeld:
Ortega Moreno – Brunner, Pieper, Nilsson, Laursen – Kunze, Prietl – Doan (41. Gebauer), Vlap (62. Córdova), Voglsammer (62. Seufert) – Klos (C) (89. van der Hoorn).
Tore:
0:1 (9.) Vlap, 0:2 (37.) Pieper, 1:2 (48.) Lewandowski, 1:3 (49.) Gebauer, 2:3 (57.) Tolisso, 3:3 (69.) Davies.
Gelbe Karten:
Tolisso/Kunze


