Schrill, außergewöhnlich und doch passend

„Nina Hagen passte genau zu dem, was Union schon immer verkörpert hat: Ein bisschen wild, ein bisschen struppig und irgendwie verrückt“, sagt Christian Arbeit, Geschäftsführer Kommunikation bei den „Eisernen“ gegenüber dem Südkurier. Man habe keine pathetische, getragene Hymne gewollt, sondern eine, die so richtig rau ist – genau so, wie Union eben auch. Wer die Hymne einmal im Stadion an der Alten Försterei gehört hat, der weiß: Nina Hagens „Eisern Union“ ist eine der wenigen Gänsehaut-Hymnen, die es im deutschen Fußball gibt. Dabei ist es nicht nur der Mix aus dem Gesang und den schrillen Passagen, es ist auch die Einbindung der Fans, die nicht nur den Text mitsingen können, sondern auch mehrfach „Eisern Union“ rufen und damit für viele Gegner, eine wahrscheinlich bedrohliche Kulisse erzeugen. Dabei wirkt das Stadion wie eine Einheit – eine Union, und die Hymne wie ein Schlachtruf, der die „Eisernen“ auf das kommende Spiel vorbereitet.
Wie Hagen selbst zur Interpretin der Hymne geworden ist, erklärte sie dem Berliner Tagesspiel: „Göttliche Fügung… Das war ‘ne Kombi aus diesseits und jenseits, das war ‘ne Absegnung und Fügung von GANZ OBEN! Mein Papi Hans Hagen hat Zeit seines Lebens die „Eisern Unioner“ unterstützt und war Fan der ersten Stunde. Also ehrlich, das war absolute Fügung, dass ich diese Hymne rocken durfte!“ Dabei geht die Historie der Hymne eigentlich noch viel weiter zurück: Investor Michael Kölmel rettete Union Berlin damals als Medienunternehmer und Filmrechthändler mehrfach vor dem Aus. Dabei fungierte Kölmel nicht nur als Schuldenbegleicher, sondern komponierte die neue Hymne mit einem Keyboarder und einem Bassisten gleich mit. Das endgültige Lied hätten, so Klömel, Klaus Sperber (Musik) und Andreas Cämmerer (Text) nach seinen Ideen realisiert. Dabei passt Nina Hagen als Interpretin wie die Faust aufs Auge. Mit „Wir aus dem Osten, geh´n immer nach vorn“, bekennt sie sich nicht nur zum Verein, der im Berliner Osten angesiedelt ist, sondern zu einer ganzen Region.
Rocken tun die Unioner aber auch sportlich in dieser Saison. Aktuell stehen die Berliner auf Platz sieben, sind jedoch punktgleich mit den Vereinen, die sich auf Platz vier, fünf und sechs befinden. Die internationalen Plätze sind also noch lange nicht außer Sichtweite und die ersten internationalen Erfahrungen konnten die Rot-Weißen bereits in dieser Saison feiern. Zwar schied die Mannschaft aus dem Berliner Osten in der Gruppenphase der Conference League aus, hielten jedoch gut gegen Vereine wie Feyenoord Rotterdam und Slavia Prag, die schon einiges mehr an Erfahrung im internationalen Wettbewerb sammeln durften, schieden am Ende jedoch trotzdem knapp aus.
Und auch im DFB-Pokal läuft es für die „Eisernen“ überragend, denn das dritte Mal erreichen die Unioner das Viertelfinale. Das Highlight im Pokal dürfte bisher der Sieg im Stadtderby gegen Hertha BSC sein, bei dem Andreas Voglsammer sehenswert traf. Mit dem FC St. Pauli, dem aktuellen Tabellenführer der zweiten Bundesliga, steht jedoch nun auch ein alter Bekannter in den Startlöchern und fordert am 01.03.2022 zum Duell um den Einzug ins Halbfinale.
Dabei wird das Spiel gegen die Hamburger im Stadion an der Alten Försterei ausgetragen. Nur bei drei Heimspielen in dieser Saison gingen die Rot-Weißen als Verlierer vom Platz, was vielleicht auch zumindest zum Teil an der Hymne beim Einlaufen der Spieler liegt und 21.717 Menschen „Eisern Union“ rufen.

