Pokalreise unserer Arminia

In Runde zwei reisten am 30. Oktober aus der Hauptstadt die Unioner zu uns - der erste Bundesligist. Doch unsere Arminia spielte gegen den damaligen Tabellenvierten der höchsten Spielklasse Bundesliga auf Augenhöhe. Wiederum Marius Wörl machte nachhaltig auf sich aufmerksam. Das 1:0 erzielte er selbst mit einem astreinen Lupfer über den Berliner Torwart Frederik Rönnow aus rund 40 Metern. Den Endstand leitete Wörl ebenso perfekt ein. Als wäre es nichts, tanzte er beim Bundesligisten durch den Strafraum, bediente – wie schon in der ersten Runde – erneut Becker, der zum 2:0 traf. Ausnahmezustand in der SchücoArena!
Wer zwei Runden übersteht, schafft auch die nächste Hürde. Achtelfinale: Der SC Freiburg kam als Tabellensechster am 3. Dezember nach Bielefeld. Und mal ehrlich: Was einmal klappt, kann doch vielleicht noch mal funktionieren. Gut, zunächst musste Jonas Kersken einen Elfer von Florent Muslija parieren. Schrecksekunden früh im Spiel. Doch danach schlug der Augenblick für Christopher Lannert. Unser rechter Verteidiger hielt einfach mal aus gut 20 Metern drauf. Und der Ball flog als Bogenlampe perfekt über Florian Müller ins Tor der Breisgauer. Julian Kania erhöhte per Foulelfmeter noch vor dem Wechsel auf 2:0. Der zwischenzeitliche Anschlusstreffer störte nur kurz, denn mit Louis Oppie haben wir einen unbekümmerten Jungen, der einfach mal draufhält, wenn es passt und zehn Minuten vor Schluss den Ball zum 3:1 unter die Latte nagelte.
Einmal tief durchatmen und schon trat der dritte Bundesligist in der SchücoArena an: Mit Werder Bremen machten wir bereits 2015 gute Erfahrungen. Damals, ebenfalls als Drittligist, gelang ein hochverdientes 3:1. Am 25. Februar war die SchücoArena erneut ausverkauft, perfekte Bedingungen für ein nervenaufreibendes DFB-Pokal-Viertelfinale, in dem dann wieder die Zeit für Wörl gekommen war. Nachdem er sich gegen Freiburg mit Toren zurückhielt, stach unser Mittelfeld-Motor erneut zu. Mit ordentlich Effet zirkelte er den Ball so komfortabel gegen den Innenpfosten, dass dieser von dort zur Führung ins Netz flog. Für das 2:0 sorgten die Bremer selbst. Einen Pass von Stefano Russo verlängerte Werder-Verteidiger Julian Malatini per Bogenlampe ins eigene Tor. Schmerzhaft wurde es kurz vor dem 2:1. Unser gerade zuvor eingewechselter Neuzugang Roberts Uldrikis verletzte sich nachhaltig am Kreuzband und leitete indirekt den Bremer Treffer ein. Danach wurde es noch einmal richtig eng: Erst traf der Ex-Bielefelder Amos Pieper in der Nachspielzeit aus vier Metern zum Glück nur die Latte, und kurz darauf wurde ein viel umjubelter Treffer von Sam Schreck aufgrund eines vorher begangenen Foulspiels aberkannt. Doch am Ende lagen sich über 25 000 Fans am vierten erfolgreichen Pokalabend in dieser Saison erneut in den Armen.
Vor dem Halbfinale lagen in der Lostrommel mit Leipzig, Stuttgart und Leverkusen weiterhin nur noch Schwergewichte. Der dickste von allen schweren Brocken reiste Anfang April nach Bielefeld. Der Deutsche Meister und Pokalsieger Bayer 04 Leverkusen trat zum Flutlichtspiel in der SchücoArena an. Das Stadion war natürlich wieder einmal bis auf den letzten Platz gefüllt. Und unsere Armine überraschend furchtlos. Selbst das 0:1 durch Jonathan Tah brachte das Team nicht aus dem Takt, denn fast im Gegenzug erzielte Wörl den Ausgleich. Ein akustischer Orkan fegte durchs Stadion, der noch getoppt wurde, als kurz vor der Pause Maximilian Großer eine knallharte Hereingabe von Oppie ins Netz schob. Ungläubiges Staunen in ganz Ostwestfalen und die Gewissheit, dass es sich am 1. April nicht um einen Scherz handelte. Auch wenn der Ostwestfale in solchen Momenten fast genetisch darauf programmiert ist, mit der Wende zu rechnen, passierte überraschenderweise: nichts mehr. Nach 90 Minuten zeigte die Anzeigetafel denselben Stand wie zur Pause: 2:1 für Arminia Bielefeld. Wir hatten tatsächlich den haushohen Favoriten völlig verdient aus dem Weg geräumt. Und damit etwas bislang Einmaliges in der so aufregenden Geschichte unseres Vereins erreicht. Pünktlich zum 120. Geburtstag stehen wir am Samstag im Finale des DFB-Pokals. Kann man sich ein schöneres Geschenk vorstellen? Ja, gut. Ein Tor mehr als der VfB Stuttgart wäre noch ein kleiner Wunsch fürs Wochenende. Die Antwort gibts am Samstag, vermutlich gegen 22 Uhr. Sollte es ins Elfmeterschießen gehen, vielleicht auch ein bisschen später.































