Lohmann beim DFB-Pokalfinale

„Im nächsten Jahr werde ich schon 100 Jahre alt – ein ganzes Jahrhundert voller Leidenschaft und unzähliger emotionaler Momente mit meinem Herzensverein. Ich habe viele Höhen und Tiefen erlebt, unglaubliche Siege gefeiert und herbe Niederlagen durchgestanden. Doch was ich an diesem Tag in Berlin erleben durfte, war selbst für einen alten Stadionstier wie mich etwas ganz Besonderes. Es war nicht nur aufregend – es war magisch. Ein einmaliges Erlebnis, das mir ewig in Erinnerung bleiben wird.
Ein VIP-Stier auf dem Fanfest
Am Samstagvormittag begann für mich das Abenteuer: Das große Fanfest am Berliner Alexanderplatz und ich mittendrin. Mit meinem Moderatoren-Freund Sebastian Wiese von Radio Bielefeld war ich auf der Bühne verabredet. Seine Stimme hallte über den Platz, und als ich mich umsah, stockte mir fast der Atem: Ein Meer in Schwarz-Weiß-Blau, überall Arminia-Schals und lachende Gesichter. Und über all dem ragte der Fernsehturm in den Himmel – als wolle er mitfeiern.
Anschließend positionierte ich mich am Arminia T1-Bulli – der Oldtimer ist zwar noch nicht ganz so alt wie ich, durfte in Berlin aber natürlich nicht fehlen. Kinder, Eltern, Großeltern, Liebespaare und Freunde – alle wollten ein Foto mit mir machen, es war einfach wundervoll. Ich habe so viele strahlende Augen gesehen, so viele herzliche Umarmungen bekommen, dass mir ganz warm ums Herz wurde. Besonders gerührt war ich beim Gruppenfoto mit den Arminis-Familien. In solchen Momenten spürt man, was Arminia wirklich bedeutet: Familie, Gemeinschaft, Zusammenhalt.
Parallel erlebten einige Arminis-Familien ein weiteres Highlight: einen Besuch im Bundestag! Die Bundestagsabgeordnete Wiebke Esdar – selbst bekennender Arminia-Fan – hatte zu einer exklusiven Führung eingeladen. Ich konnte zwar nicht dabei sein, aber was ich später hörte, klang nach einer aufregenden Verabredung: Ein Blick in den Plenarsaal, ein Gespräch mit Wiebke und ein Spaziergang durch die gläserne Kuppel des Reichstags – so nah kommt man der Politik nicht alle Tage.
Am Nachmittag kam mein persönlicher Promi-Moment: Ich hatte einen eigenen Chauffeur, der mich am Fanfest abgeholt hat. Normalerweise kutschiert der Fahrer internationale Superstars wie Sting oder Lady Gaga durch die Hauptstadt. Doch an diesem Samstag fuhr er nur mich: Lohmann, den Stadionstier. Ich sag’s euch: Ich fühlte mich wie ein echter VIP-Stier! Brandenburger Tor, Siegessäule – die Berliner Sehenswürdigkeiten rauschten vorbei, denn unser Ziel war klar: das Olympiastadion. Hier sollte Arminia Bielefeld an diesem Abend Fußballgeschichte schreiben.
Hinter den Kulissen des Olympiastadions
Das Olympiastadion – ein gewaltiges Bauwerk, errichtet im Jahr 1936. Schon beim Betreten spürte ich die Geschichte, die in diesen Mauern steckt. Geschichten von großen Spielen, legendären Momenten und unvergesslichen Emotionen. Mir wurde bewusst: Jetzt ist auch unser DSC Teil dieser Geschichte. Das Kribbeln im Bauch wurde von Minute zu Minute stärker.
Zum Glück hatte ich Tobi vom Arminis-Team an meiner Seite, sonst hätte ich mich in diesem riesigen Labyrinth verirrt. So viele Gänge, Türen, Ebenen – gemeinsam haben wir uns einen Weg durch die Katakomben gebahnt. Bis zum Backstage-Bereich, wo Fritzle, das sympathischen Krokodil vom VfB Stuttgart, schon auf mich wartete. Zusammen konnten wir kurz durchschnaufen, Geschichten austauschen und unsere müden Hufe und Krallen hochlegen. Ein tierisch guter Moment vor dem großen Auftritt!
Aber dann wurde es schließlich ernst: Durch lange Gänge ging es Richtung Spielfeld. Fritzle war genauso aufgeregt wie ich. Überall wuselten Menschen – Technikteams, Betreuer Volunteers. Besonders beeindruckt war ich von den vielen Jugendlichen, die die riesigen Banner auf den Platz tragen durften. Hoch konzentriert und motivieret, warteten sie auf ihren Einsatz. Ich habe versucht, sie alle abzuklatschen – aber es waren einfach zu viele.
Und dann entdeckte ich plötzlich die Einlaufkinder. Ich habe mich besonders gefreut, als ich unter ihnen einige vertraute Gesichter erblickt habe. Joshua, Henri, Paulina, Carlo, Mario und Ole, sind nämlich bei den Arminis Mitglied und ich hatte sie schon häufiger im Stadion und bei unseren Veranstaltungen getroffen. Sie hatten ihren Pokal-Moment, wie alle Einlaufkinder auf der Bielefelder Seite, bei der Neuen Westfälischen gewonnen. An ihren großen Augen und klopfendem Herzen konnte ich erkennen, auch sie waren aufgeregt. Ich war so stolz auf sie!
Stadionmomente für die Ewigkeit
Als ich kurze Zeit später das Stadion betrat, kam ich aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Diese Dimensionen, diese Atmosphäre! 75.000 Menschen, Fahnen, Gesänge – Es war atemberaubend. Und mittendrin stand der glänzende DFB-Pokal – zum Greifen nah. Fritzle und ich durften sogar ein Foto mit dem Prachtstück machen. Meine Aufregung stieg.
Am Spielfeldrand habe ich auch meinen alten Freund Fabian Klos getroffen. Selbst Fabi war ein bisschen nervös, obwohl er sonst immer so cool ist. Aber er hat natürlich die richtigen Worte getroffen in seiner kleinen Ansprache. Auch Sebastian Wiese durfte wieder ans Mikrofon. Ich habe ihm eine ordentliche Mutmach-Umarmung gegeben – ein kleiner Schub Stierpower, bevor er vor zehntausenden Fans die Mannschaftsaufstellung vorgelesen hat.
Mit Shantallica durfte ich ihre „Pokal-Hymne“ anstimmen, die macht mir jedes Mal richtig gute Laune. Unsere Arminia-Kurve stimmte lautstark mit ein und ich fühlte mich ein bisschen wie ein Popstiersuperstar. Zudem bekam ich die Gelegenheit Jonas Kersken und Leon Oppermann abzuklatschen und ihnen viel Glück für das Spiel zu wünschen. Beides super Typen – ich war mir sicher, dass sie im Tor und als Support an der Seitenlinie alles geben würden.
Schließlich brachen die Arminia-Fans am Marathontor in Gesang aus. Mein Stierkörper war über und über mit Gänsehaut bedeckt. Ich konnte spüren: Ganz Arminia glaubt an den Sieg! Gemeinsam träumten wir davon, den Pokal in den Händen zu halten. Eine kollektive Kraft – das war einzigartig. Dieses Gefühl nahm ich mit in die Katakomben, wo ich alle Hörner gedrückt und das Spiel im Stillen verfolgt habe. Zeitgleich hielt Tobi, stellvertretend für alle Arminis, die Fahne hoch im Stadion. Schwarz-weiß-blaue Hoffnung mit meinem Konterfeit wehte über der Partie.
90 Spielminuten und eine Siegerehrung später, die Anfeuerungsrufe waren längst verklungen und ich versuchte meine Hörner aufzurichten. Was soll ich sagen, der Ausgang des Spiels war nicht so, wie wir es uns alle erhofft hatten. Die Enttäuschung war groß, keine Frage. Aber was bleibt, ist größer als ein Ergebnis. Es bleibt die Erinnerung an ein Wochenende voller Stolz. Ein Wochenende, das mein Stierherz tief berührt hat. Die Erinnerung an ein Fest der Gemeinschaft. Es bleibt ein Stück Arminia-Geschichte, das ich nie vergessen werde – nicht in 100 Jahren.
Stierisch starke Grüße
Euer Lohmann“





































