JAAAAAAA-panischer Doppelpack!

Frank Kramer hatte seine Startformation auf vier Positionen verändert. Als Linksverteidiger startete Anderson Lucoqui (für den verletzten Jacob Laursen) in seiner Heimatstadt, im Mittelfeld übernahmen Masaya Okugawa (für Marcel Hartel) und Christian Gebauer (für Fabian Kunze) und im Sturm begann Fabian Klos (für Andreas Voglsammer).
Von Beginn an ergab sich ein klares und wenig überraschendes Bild: Bayer 04, ausgeschieden im Sechzehntelfinale der Europa League und noch mit großen Hoffnungen auf die Qualifikation zur Champions League, setzte die ersten Akzente und hatte durch Nadiem Amiri (7.) eine gute Gelegenheit zur Führung. Stark in Szene gesetzt von Moussa Diaby verzog der Leverkusener aus elf Metern knapp.
Unsere Mannschaft stand kompakt, verteidigte mit Laufbereitschaft und Leidenschaft und setzte nach Ballgewinnen auf schnelles Kontern. Das zahlte sich nach etwas mehr als einer Viertelstunde aus: Manuel Prietl erkämpfte die Kugel, passte stark auf Rechtsaußen Christian Gebauer, dessen perfekte Hereingabe Ritsu Doan unter die Latte setzte – 1:0 für Arminia (17.)!
Leverkusen blieb mit viel Ballbesitz die optisch dominierende Elf, doch der DSC besaß die Chance zu erhöhen: nach einem Rückpass auf Torwart Lennart Grill gab es Freistoß an der Bayer-Strafraumkante. Doans Schuss wurde abgefälscht und rollte knapp am Kasten vorbei (23.). Kurz danach fehlte auch bei Gebauers abgefälschtem Versuch nach Doan-Doppelpass nicht viel (24.).
Keine Frage, Bayers Kombinationsspiel war weiter schön anzusehen. Allerdings bissen sich die Hausherren die Zähne aus an der konzentrierten und kompakten Abwehrarbeit der Kramer-Elf. Beste Chance auf den Ausgleich hatte nach 34 Minuten Patrik Schick nach Moussa-Flanke, doch der Kopfball des Tschechen aus sieben Metern ging deutlich daneben.
Wesentlich gefährlicher wurde es kurz danach, als Demarai Gray nach einer Bayer-Stafette aus wenigen Metern frei zum Schuss kam – doch Stefan Ortega Moreno bugsierte den Ball reaktionsschnell und spektakulär per Faust über die Latte (37.)! Eine Riesentat!
Unsere Mannschaft verteidigte mit viel Herz, wie symbolisch eine Szene von Amos Pieper war. Der Innenverteidiger, früh mit Gelb wegen absichtlichen Handspiels vorbelastet, warf sich mit großem Einsatz in einen Distanzschuss von Amiri und blockte so den Ball. Immer wieder gab es solche Situationen, in denen unsere Spieler ein Bein, den Fuß oder den Kopf im entscheidenden Moment noch dazwischen brachten. So ging es mit der 1:0-Führung in die Pause.
Nach dem Seitentausch setzte Leverkusen auf noch mehr Offensivkraft. Leon Bailey kam für Gray, und mit Lucas Alario (für Mittelfeldspieler Kerem Demirbay) wurde neben Schick ein zweiter zentraler Stürmer aufgeboten. Das sorgte sofort für viel Arbeit im Arminia-Strafraum.
Doch die erste Chance auf ein Tor hatte unsere Mannschaft. Einen Freistoß aus knapp 17 Metern schoss Arne Maier in die Mauer, den Abpraller brachte Doan gefährlich aufs Tor – doch U21-Nationaltorhüter Grill entschärfte und boxte die Kugel aus dem bedrohten Eck (50.).
So ergab sich schnell das Bild aus Hälfte eins. Bayer mit viel Ballbesitz, der DSC mit einer kompakten und konzentrierten Defensivleistung und immer wieder Nadelstichen.
Und ein solcher schmerzte Bayer zum zweiten Mal! Nach einer Ecke leitete ein Traumpass von Arne Maier auf Anderson Lucoqui einen exzellenten DSC-Konter ein. „Luco“, dessen Eltern nur wenige Minuten vom Leverkusener Stadion entfernt wohnen und der früher Balljunge in der BayArena war, behauptete sich gleich gegen zwei Gegenspieler und brachte den Ball quer rüber auf Okugawa, der freistehend vor Grill die Nerven behielt und zum 2:0 (57.) versenkte!
Die Hausherren rannten weiter an und drängten auf den Anschlusstreffer. Das gab Raum für weitere DSC-Konter. Einer hätte schon eine Art Vorentscheidung bringen können. Doch nach Vorarbeit von Doan und Manuel Prietl verfehlte der Hackenversuch von Okugawa aus zehn Metern das Bayer-Tor klar (64.).
Es war der Auftakt für eine spannende Schlusshalbestunde mit zusätzlich sechs Minuten Nachspielzeit. Leverkusen drängte und probierte. Doch entweder wurde aus aussichtsreicher Situation vergeben (Alario/68.) oder ein Arminie hatte ein Körperteil dazwischen (Alario/72. und Wirtz/79.) – klare Chancen erspielte sich der Champions League-Aspirant nicht.
Trotdem kamen die Platzherren zum 1:2-Anschlusstreffer durch Schick, der aus dem Gewühl heraus verkürzte (85.). Was für ein Nervenspiel entwickelte sich danach!
Leverkusen warf alles nach vorne, unsere Mannschaft hielt leidenschaftlich dagegen. Nachdem Sven Schipplock auf Vorlage von Andreas Voglsammer das vorentscheidende 3:1 vergeben hatte (90.+2), lenkte Ortega Moreno im Gegenzug einen Distanzschuss von Florian Wirtz (90.+2) über die Latte.
Etwas mehr als weitere vier Minuten hielt der DSC dann Bayer mit Geschick und Einsatz vom eigenen Gehäuse entfernt. Dann kam der erlösende Abpfiff! Auswärtssieg!
Bayer 04 Leverkusen:
Grill - Frimpong, Tah, Tapsoba, Wendell - Amiri, Aranguiz (C), Demirbay (46 Alario) - Diaby (65. Wirtz), Schick, Gray (46. Bailey).
DSC Arminia Bielefeld:
Ortega Moreno - Brunner, Pieper, Nilsson, Lucoqui (75. Voglsammer) - Prietl - Maier, Doan (88. Córdova), Okugawa (81. Kunze), Gebauer (88. van der Hoorn) - Klos (C) (81. Schipplock).
Tore:
0:1 (17.) Doan, 0:2 (57.) Okugawa, 1:2 (86.) Schick.
Gelbe Karten:
Frimpong, Wendell/Pieper

