Eine quietschende Angelegenheit

Seit 51 Jahren wird Leipzig rund um die Uhr von gelb-blau angestrichenen Verkehrsmitteln durchkreuzt. Die Straßenbahnen der gut 600.000 Einwohner starken Metropole im Osten Deutschlands sind als “Tatras” bekannt und prägen seit 1969 das Stadtbild. Zwar verkehren heutzutage vermehrt modernisierte Bahnen in Leipzig, doch ganz verschwunden sind die kultigen Züge noch immer nicht. Bei den Touristen beliebt, erfreuen sie sich bei den Leipzigern selbst keiner sonderlich großen Beliebtheit – sie sind nämlich recht laut, die Sitze werden im Sommer kochend heiß und insbesondere in den Kurven quietschen die „Tatras“ so stark, dass es für empfindliche Ohren unangenehm werden kann.
Unangenehm will es der DSC auch der Elf aus Leipzig machen, welche die Bielefelder am Samstag (28.11, HALBVIER) im heimischen Stadion begrüßen. Mit dem bisherigen Saisonverlauf dürften die Sachsen durchaus zufrieden sein: Von acht Bundesliga-Spielen konnten fünf gewonnen werden, wobei sich die Elf von Trainer Julian Nagelsmann in der Gruppenphase der Champions League unter der Woche gegen Paris Saint-Germain geschlagen geben Trotz hoher Spielanteile der Leipziger (62% Ballbesitz) konnte kein Tor erzielt werden, weshalb ein von Neymar verwandelter Elfmeter für einen Sieg der Pariser reichte. Die Sachsen trafen bereits in der vergangenen Champions-League-Saison auf die Franzosen, die das Halbfinale – etwas deutlicher – mit 3:0 gewannen. Die Leipziger können sich also guten Gewissens zu den aktuellen Topklubs Europas zählen.
Auf einem Spitzen-Niveau ist ebenfalls der Zug zum Tor des Tabellenvierten: In acht Bundesliga-Spielen gaben die Sachsen bisher ganze 135 Schüsse auf den gegnerischen Kasten ab – drei mehr als Bayern München. Eine gehörige Herausforderung für die Bielefelder Defensive also, für die es gilt, der Leipziger Offensive über 90 Minuten standzuhalten.
Nicht standhalten können die Leipziger „Tatras“ hingegen dem Lauf der Zeit. Die Stadt Leipzig, die als letzte deutsche “Tatra-Hochburg” gilt, plant, die kultigen Straßenbahnen ab diesem Jahr nach und nach aus dem Verkehr zu ziehen, bis 2022 sollen die über 50 Jahre alten Beförderungsmittel gänzlich verschwinden. Ob der DSC bei den Sachsen zum Zug kommt, wird sich zeigen, wenn am Samstag (28.11, HALBVIER) in Leipzig angepfiffen wird.

