Eine moderne Stadt und ein moderner Verein

Als 1938 ein bekannter deutscher Autobauer die Stadt Wolfsburg aufgrund seines dortigen Werkssitzes gründete, ahnte man noch nicht, dass an dem Ort mit mittlerweile 125.000 Einwohnern die fünftgrößte Stadt des Bundeslandes Niedersachsen entstehen würde. Doch genauso schnell, wie die Stadt wuchs, entstand auch alles andere in Wolfsburg:
Angefangen hat beim VfL alles im Jahre 1945; kurz nach dem zweiten Weltkrieg gründete sich der Verein für Leibesübungen in Wolfsburg. Die Zeit nach dem Krieg war vom Wiederaufbau geprägt, so wollten sich auch die Arbeiter der Stadt Wolfsburg ihre knappe Freizeit zumindest mit einer sinnvollen Beschäftigung wie dem Sport vertreiben. Die Vereinsfarben des VfL (Grün-Weiß) entstanden dabei eher zufällig aufgrund der Ressourcenknappheit fand man nur einen Satz von zehn grünen Trikots, die Hosen wurden aus alten Bettlaken von Spielerfrauen zusammengenäht. Die Anfangsjahre des VfL starteten, wie es sich für einen neuen Verein gehört, in der 1. Kreisklasse. Doch schnell entwickelten sich die Wölfe weiter und wurden gleich im ersten Jahr Meister ihrer Klasse. Darauffolgend wurde der Fußballsport in der Stadt immer beliebter, der Verein vergrößerte sich und stieg 1954 erstmals in die damals höchste Spielklasse Oberliga Nord auf.
Seit diesen Zeiten hat sich Einiges getan beim VfL: Die Wolfsburger spielen nicht mehr in von Spielerfrauen geschneiderten Hosen und sind mittlerweile auch weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Die erste Mannschaft der Wolfsburger spielt mittlerweile seit 1997 ununterbrochen in der Bundesliga. Aus dieser Zeit gibt es schon so einige Triumphe, aber auch Unwegsamkeiten zu erzählen. Unvergesslich wird für die Wölfe der Titelgewinn im Jahr 2009 unter Meistertrainer Felix Magath bleiben, sowie der DFB-Pokaltriumph 2015 durch einen 3:1-Finalsieg im Olympiastadion gegen den BVB. Gleich zweimal musste der VfL allerdings auch schon in die Relegation, einmal gegen Eintracht Braunschweig (2016) und einmal gegen Holstein Kiel (2018), beide Duelle konnten die Niedersachsen dabei für sich entscheiden.
Neben dem, was auf dem Platz passiert, ist der VfL aber auch ein wichtiger Bestandteil des sozialen Engagements in Wolfsburg. Die Wölfe nehmen dabei ihre gesellschaftliche Verantwortung in den verschiedensten Bereichen wahr, besonders erfolgreich ist das Klimaschutzengagement des VfL. Das Ziel des VfL-Engagements ist eine Netto-Null an CO2 Emissionen bis 2025 zu erreichen. Seit 2015 pflanzt der VfL dafür unter anderem alle zwei Jahre mit seinen Fans und Spieler:innen Bäume im Wolfsburger Stadtforst, mittlerweile sind es schon über 2.000 und somit ein ganzer VfL-Wald. Im Jahr 2021 wurden die Wolfsburger von „Sport Positive“ für ihr vielfältiges Engagement sogar zum Nachhaltigkeitsmeister der Bundesliga gekürt.
Auch das Thema Diversität wird in Wolfsburg groß geschrieben: Denn nicht weniger erwähnenswert als die Leistungen des Wolfsburger Männerfußballs ist die erheblich größere Titelsammlung der Frauenmannschaft: zwei UEFA Champions League-"Henkelpötte", sechs deutsche Meisterschalen sowie acht DFB-Pokale stehen im Wolfsburger Pokalschrank. Mehr als erwähnenswert ist dabei auch, dass diese Titel erst seit der Saison 2012/2013 angehäuft wurden, in welcher die VfL-Frauen (mit Hilfe der Bielefelderin Lena Goeßling) sogar das erste deutsche Triple im Frauenfußball feierten.
Eine hundertjährige Tradition - wie manch anderer Bundesligist - kann der VfL Wolfsburg also nicht vorweisen, dafür aber moderne Strukturen und zeitgemäß gelebte Werte.
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