Ein Triumph zum Pferde stehlen

Vermutlich jeder hat sie schon einmal gesehen: Die Quadriga auf dem Brandenburger Tor in Berlin. Dort thront sie seit über 200 Jahren in Form einer Wagenlenkerin und vier davor gespannten Pferden, deren Häupter gen Osten gerichtet sind. Durch die Bombardierung Berlins im zweiten Weltkrieg wurde das “Vierergespann” nahezu vollständig zerstört, nur ein Pferdekopf blieb ganz, eine Restaurierung folgte nur wenig später. Angefertigt wurde die Skulptur bereits 1793 – sie unternahm einige Jahre später allerdings in Form einer Entführung einen unfreiwilligen Ausflug. Dazu später mehr.
Eine Entführung von Punkten ließen die Berliner am vergangenen Spieltag hingegen nicht zu, wobei die Hertha dabei eine kleine Durststrecke beenden konnte: In den drei vorherigen Spielen konnte kein Sieg errungen werden, stattdessen standen zwei Unentschieden gegen den FSV Mainz 05 (0:0) und Borussia Mönchengladbach (1:1) sowie eine Niederlage gegen den SC Freiburg (1:4) zu Buche.
Herthas Cheftrainer Bruno Labbadia, der bekanntermaßen eine Bielefelder Historie hat, ließ seine Mannschaft in der Vergangenheit häufig im 4-3-3 auflaufen. Dabei stachen vor allen Dingen immer wieder der junge Matteo Guendouzi, französische Leihgabe des FC Arsenal, und der Brasilianer Matheus Cunha hervor. Die beiden sorgten in der jüngeren Vergangenheit immer wieder für spielerische Höhepunkte im Hertha-Spiel – Vorsicht ist dementsprechend geboten.
Aufpassen sollte die Abwehr der Arminen aber auch auf Berlins Stürmer Krzystof Piatek. Zwar wurde der Pole in der laufenden Saison bisher sieben Mal als Joker eingesetzt, konnte nach Einwechslungen allerdings bereits vier Tore erzielen – er ist also immer für eine Überraschung gut.
Eine solche erlebten auch die Berliner im negativen Sinne vor gut 200 Jahren, womit wir wieder beim ersten Teil der Geschichte wären. Da wurde ihnen nämlich ein großer Teil ihres liebsten Denkmals genommen – eine Schmach sondergleichen. Napoleon I. eroberte mittels seiner Feldzüge auch Berlin und hielt die Quadriga scheinbar für ein schickes Andenken an seinen glorreichen Sieg. Er ließ sie demontieren und nach Paris entführen, von wo aus sie sechs Jahre später wieder zurückgeholt wurde. Zwar war sie in ihre Einzelteile zerlegt und in Kisten verpackt, aber bis auf kleinere Transportschäden dennoch unversehrt.
Welche Mannschaft am Sonntag gegen 19:50 Uhr das Spielfeld unversehrt verlässt, wird sich zeigen. An das letzte Heimspiel gegen Hertha hat der DSC gute Erinnerungen, konnte der damals zwei Klassen höher spielende Hauptstadtklub in der zweiten Runde des DFB-Pokals 2014/2015 im Elfmeterschießen geschlagen werden. Nicht das schlechteste Omen.

