Profis

Die heimliche Trainerschmiede aus Sinsheim

Am Sonntag treffen wir das erst sechste Mal in der Bundesliga auf unseren Gegner: Die TSG 1899 Hoffenheim empfängt uns in der PreZero Arena und bittet die Kramer-Elf um 17:30 Uhr zum Duell der aktuellen Gegensätze: Arminia ist seit sechs Spielen ungeschlagen, während die TSG die letzten drei Bundesligaspiele als Verlierer vom Platz ging.

Auch wenn es aktuell nicht ganz einfach ist für die Kraichgauer, so haben sie in den Jahren der Bundesligazugehörigkeit, immer wieder eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass sie oben mitmischen können. In der Saison 2017/18 landeten die Weiß-Blauen auf dem dritten Tabellenplatz und qualifizierten sich für die Champions League. Die Europa League erreichten die Sinsheimer zwei Jahre später. Seit dem ist es zwar etwas ruhiger um den Verein geworden, jedoch haben sie bewiesen, dass mit ihnen zu rechnen ist.

Ein besonders wichtiges Puzzleteil für den Erfolg der letzten Jahre, ist das Nachwuchsleistungszentrum der TSG, welches in ganz Deutschland und Europa als eines der Besten gilt. Spieler wie Niklas Süle, Robin Hack, Jonas Hofmann oder auch Koen Casteels, gingen allesamt ihren Weg zu den Profis durch die Nachwuchsabteilung der TSG. Doch es ist nicht nur die Nachwuchsabteilung der Jungprofis, die für Qualität steht. Fünf der aktuell tätigen Bundesligatrainern haben eine Hoffenheimer Vergangenheit.

Julian Nagelsmann (FC Bayern München), Tayfun Korkut (Hertha BSC Berlin), Domenico Tedesco (RB Leipzig), Pellegrino Matarazzo (VfB Stuttgart) und unser Cheftrainer Frank Kramer gingen allesamt den Weg durch die Akademie in Hoffenheim. Und auch Bundestrainer Hansi Flick und Manchester United-Trainer Ralf Rangnick waren einst im Dienste der Weiß-Blauen tätig.

Als die TSG noch ein Amateurklub war, begann Hansi Flick dort eine Karriere, die ihn 20 Jahre später deutscher Meister und Champions League-Sieger werden ließ. Von den Jahren 2000 bis 2005 hatte der heutige Bundestrainer bei den Kraichgauern das Sagen, legte damit den Grundstein für die starke Entwicklung des Klubs. 20 Jahre später wurde Flick zum Bundestrainer befördert und zu Europas Trainer des Jahres 2020 ernannt.

Vom Trainer eines Dorfvereins zu Europas Trainer des Jahres – Hansi Flick ist es gelungen. Wahrscheinlich auch, weil er bei der TSG eine stabile Basis hatte. Denn Hoffenheim gilt als echte Trainer-Schmiede. Alexander Rosen, „Direktor Profifußball“ bei der TSG, gibt dazu einen kleinen Einblick in sein Erfolgsrezept: So dürfe man nicht vergessen, „dass wir es mit jungen Menschen zu tun haben, mit Individuen, die sich entwickeln müssen. Die auch mal Fehler machen dürfen, die vielleicht auch mal eine Phase haben dürfen, in der es nicht so läuft.“ (Quelle: Bundesliga.de)

In Hoffenheim bekommen sie Zeit zu reifen. Das sieht man am aktuellen Cheftrainer Sebastian Hoeneß. In seiner ersten Saison als Cheftrainer der TSG hatte er gleich mit mehreren Problemen zu kämpfen, unter anderem mit vielen Coronafällen innerhalb der Mannschaft, vielen Verletzungen und dem sportlichen Misserfolg. Doch trotzdem hielt die TSG an ihm fest und gab ihm das Vertrauen. Genau dieses Vertrauen spürte der heutige Trainer des FC Bayern München, Julian Nagelsmann während seiner Zeit in Hoffenheim: Wir hatten ein unglaublich gutes Miteinander in der Akademie und ich glaube, dass das auch ein Punkt ist, den ich in meine Profilaufbahn mit übernommen habe. Gute Beziehungen sind einfach ein gewisses Fundament, um erfolgreich zu sein. Gute Beziehungen, nicht nur zu den Spielern, sondern auch zu allen Mitarbeitern die im Klub arbeiten, die drumherum sind und vielleicht nicht im Rampenlicht stehen.“ (Quelle: Bundesliga.de)

Im Rampenlicht bei den Sinsheimern steht aktuell auch ein fast unersetzbare Spieler: Andrej Kramaric gehört seit 2016 zum absoluten Stammpersonal und hielt die Weiß-Blauen zwischenzeitlich in dieser Saison auf Champions League-Kurs. 2016 kam Kramaric von Leicester City und wurde auf Anhieb Stammspieler bei der TSG. Dabei entwickelte sich der Stürmer zu einem absoluten Tor- und Vorlagengaranten und ist der Rekordtorschütze der TSG. Mit drei Saisontreffern und sieben Torvorlagen in 20 Bundesligaspielen ist Kramaric einer der Dreh- und Angelpunkte der Kraichgauer, jedoch wird der Kroate gegen uns fehlen, da sich der 30-jährige mit einer Coronainfektion in häuslicher Quarantäne befindet.

Mit einem hervorragenden Leistungszentrum hat die TSG etwas erreicht, wovon viele Vereine noch lernen können. Nicht nur der Nachwuchs wird optimal auf den Profifußball vorbereitet, auch Spieler die bereits als Profis galten - wie Andrej Kramaric - machten eine starke Entwicklung. Außerdem konnten auch angehende und bereits ausgebildete Trainer einen Schritt nach vorne machen, da sie Vertrauen und Zeit bekamen, sich zu beweisen. Auch in schlechten Phasen.

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