"Die familiäre Atmosphäre und der Rückhalt der Fans sind etwas ganz Besonderes"

Wie und wann bist Du zu Arminia und Deinem aktuellen Job gekommen?
Ich habe ab Sommer 2016 selbst bei Arminia gespielt. Nach einer Unterbrechung bin ich dann im vergangenen Sommer zum DSC zurückgekehrt und habe als Cheftrainerin die 1. Frauen in der Regionalliga West übernommen. Aufgrund der bestehenden Kontakte bin ich angesprochen worden. Wir waren uns schnell einig, weil mich die Konzeption für den Frauenfußball bei Arminia Bielefeld überzeugt hat.
Was macht Deinen Job besonders? Worin liegt für Dich der tägliche Antrieb, durch Deine Tätigkeit etwas zu bewegen?
Als Spielerin habe ich das „blaue Blut getankt“ und es niemals mehr verloren. Es ist ein besonderer Verein, mit dem man durch Höhen und Tiefen geht. Die familiäre Atmosphäre und der Rückhalt der Fans sind für mich etwas ganz Besonderes. Durch die stetigen Fortschritte kommt der Antrieb von allein.
Wurdest Du auf deinem Weg zur Führungskraft mit Hindernissen konfrontiert, weil Du eine Frau bist?
Nein. Bisher kann ich von keinen Hindernissen berichten. Eher im Gegenteil. Ich bin auch zu einer Zeit gekommen, in dem der Wandel zur Frauenförderung bereits im Gange war.
Welche Verantwortung hast Du konkret in Deiner Leitungsfunktion bei Arminia Bielefeld?
Ich habe nach meiner Ansicht eine sehr große Verantwortung. Es geht immer um den sportlichen Erfolg, aber ich bin auch als Ausbilderin der individuellen Persönlichkeit meiner Spielerinnen (Ehrgeiz, Disziplin, Zuverlässigkeit uvm.) gefragt. Aktuell versuchen wir mehr Sichtbarkeit der Frauenabteilung zu erzielen.
Die Anzahl von Frauen im Berufsfeld Fußball hat sich in den vergangenen Jahren deutlich erhöht. Diversität ist ein hohes Gut. Wie ist Deine Wahrnehmung dieser Entwicklung?
Es gibt immer mehr mutige Frauen, die als Vorbild vorangehen und Grenzen brechen. Das motiviert weitere Frauen, neue Schritte zu gehen. Der Nachwuchs wächst mit Diversität auf und hat nicht mehr so große Hürden zu überwinden. Der Frauenfußball hat insgesamt große Fortschritte gemacht. Popularität und Ansehen steigen mit wachsenden Erfolgen, z.B. der Nationalmannschaft.
Wo muss sich der Sport öffnen, damit der Anteil an Frauen in Führungspositionen steigt? (Bsp.: interne Förderprogramme?)
Es gibt schon einige Programme (z.B. Stipendium für Trainerausbildungen, Workshops und Fortbildungen). Ein Problem ist oftmals die Anzahl der geförderten Plätze. Gehälter und verbundene Sicherheit am Arbeitsplatz könnten meiner Meinung nach weiter ausgebaut werden.
Generell finde ich, dass es weniger um Geschlechter geht, sondern mehr um die individuelle Kompetenz.
Hast Du (weibliche) Vorbilder im Sport?
Nadine Kessler oder auch Marie Louise Eta. Ich habe mit beiden zusammengespielt, es sind einfach tolle Charaktere.
Fotos: Michael Meßmann









