"Die DNA eines Torhüters kann man nicht ändern"

Wie wird man eigentlich ein Top-Torhüter?
Indem du an dich glaubst, indem du überzeugt von dem bist, was du machst und natürlich musst du auch ein paar Voraussetzungen mitbringen: Talent, eine gute Ausbildung und eine gewisse Standfestigkeit in Drucksituationen.
Wie bist du zu deinem Job als Torwarttrainer gekommen?
Wenn man selbst Torhüter war, ist es naheliegend, auch hinterher das Wissen weiterzugeben. Ich habe mich schon früh damit beschäftigt, was man trainieren kann und was man verbessern kann. Am Ende ist es ein Gesamtkunstwerk, das auf Technik, Athletik und Taktik basiert. Dann habe ich schon in frühen Jahren angefangen, Torhüter der Jugendmannschaften zu trainieren. Dabei habe ich unter anderem Ralf Fährmann trainiert, der dann in der C-Jugend zu Schalke 04 gewechselt ist.
Hast du einen persönlichen Spielstil, den du den Torhütern weitergibst?
Einen Torhüter und seinen Spielstil kann man grundsätzlich nicht verändern. Als Torwarttrainer schaust du dir an, welches Alter die Spieler haben, wie groß sie sind oder welche Stärken sie haben. Die Grund-DNA eines Torhüters kann man nicht verändern. Man muss die Spieler so nehmen wie sie sind und dann versuchen sie besser zu machen. Man kann nicht alle über einen Kamm scheren.
Mit Leo Oppermann, Jonas Kersken, Jonah Busse und Artem Zaloha hast du vier Torhüter im Team. Wie schätzt du sie ein?
So lange kenne ich sie noch nicht, aber ich beobachte sie natürlich und sehe, wie sie reagieren. Dadurch bekommt man ein Gefühl für jeden einzelnen. Das lässt man erst einmal auf sich wirken und überlegt, warum er Situationen so umsetzt, wie er sie umsetzt. Helfen ihm bestimmte Bewegungsabläufe oder versucht man diese abzustellen. Die aktuelle Situation haben wir uns bewusst so gewählt. Es ist ein junges, dynamisches Duo. Das ist ein spannendes Projekt.
Hat sich das Torhüter-Spiel in den vergangenen Jahren verändert?
Das Spiel hat sich insgesamt sehr verändert. Auch Chef- und Athletiktrainer haben ihre Trainingseinheiten angepasst. Es ist in allen Bereichen sehr wissenschaftlich geworden. Früher sind viele Ex-Profis Torwarttrainer geworden. Das ist heute nicht mehr zwingend so. Es viel aufwendiger und tiefgreifender geworden. Heute wird auch mehr Fußball gespielt, das müssen die neuen Schlussmänner mitbringen. Am Ende hat aber alles seine Grenzen, denn der Torhüter ist da, um Tore zu verhindern. Es darf nicht der extreme Fokus auf das Spielerische gelegt werden. Er sollte das können, aber er muss den Fokus auf seine wesentliche Aufgabe legen.
Worauf legst du bei deiner täglichen Arbeit am meisten wert?
In dem jungen Alter ist die Athletik teilweise noch sehr unterschiedlich. Zumal im Nachwuchs auch total unterschiedlich gearbeitet wurde. Die Basis für alles ist aber natürlich eine gewisse Grundathletik. Das Technische und Taktische fällt dadurch dann viel leichter. Dann versuche ich, alle Themen abzudecken, die im Training und Spiel vorkommen. Mein Ziel ist immer, so Spiel nah wie möglich zu arbeiten. Deswegen ist es immer ganz gut, wenn man mit drei bis vier Torhütern arbeiten kann, weil die Situationen dann effektiv nachgestellt, besprochen und angewendet werden können. In der Kombination mit der Videoanalyse ergibt sich dann ein Gesamtgebilde.
Welche Voraussetzungen muss man als Torwarttrainer mitbringen?
Man muss das mitbringen, was man selbst von den Spielern erwartet: Überzeugung, einen klaren Plan, wie Situationen gelöst werden sollen und natürlich sollte das Training auch Spaß machen. Und zwar jedem, den Spielern und den Trainern. Da gehört es auch mal dazu, dass es in den Einheiten härter zur Sache geht. Es ist nur wichtig, dass am Ende offen über alles geredet wird.
Was erlaubst du den Spielern, wie viel Freiraum genießen sie?
Das ist bei mir ähnlich wie bei der Bewertung der spielerischen Fähigkeiten. Ich schaue mir die Spieler genau an und beobachte ihr Verhalten. Am besten finde ich immer, wenn man die Spieler dahin bringen kann, dass sie eigenständig klarkommen. Sie müssen ihr Leben im Profifußball reflektiert angehen können und wissen, welche Dinge möglich und erlaubt sind, und welche nicht. Die Torwartposition ist eine Besondere, da gibt es eben auch sehr unterschiedliche Typen. Man kann sie beim Verhalten unterstützen, aber bestenfalls so, dass sie es gar nicht bewusst mitbekommen.
Zum Abschluss: Wie gut hast du dich in Bielefeld schon eingelebt?
Eigentlich ganz gut, die Umstellung aus Chemnitz hier hin ist mir nicht schwergefallen. Ich bin auch der Meinung, dass man sich überall schnell zurechtfinden und wohlfühlen kann. Ich bin aber noch auf der Suche nach einer Wohnung, das muss ich noch nachholen. Am besten wäre eine Möblierte. Das war bisher noch nicht so einfach. Aber gerade für meine Familie ist es entscheidend, damit sie auch zu den Heimspielen kommen können.
Apropos Familie: Du hast zwei Kinder und bist verheiratet. Wie organisiert ihr euch gerade auf die Distanz?
Das ist nicht so einfach. Sowohl Emma (12) als auch Paul (9) gehen natürlich beide bei uns zur Schule. Da ist es schwierig, sie aus dem Umfeld herauszuholen. Eigentlich sieht unser Familienmodell es nicht vor, dass wir getrennt voneinander leben. Zu der Entscheidung stehen wir aber als Familie und alle unterstützen mich auf diesem Weg. Ich bin mir sicher, dass wir da zu einer guten Lösung kommen werden.





