Demokratie verteidigen

Sport und Fußball – nie unpolitisch
Das NS-Regime hat sich den Sport auf unterschiedliche Weise zu Nutze gemacht. Sport sollte unter anderem Arbeitsmoral und Kriegstüchtigkeit steigern und die Freizeitgestaltung normieren. Vor allem diente der Sport als Propagandamittel. Die Olympischen Spiele vor 90 Jahren waren das sportliche Großereignis schlechthin, das die Nazis dafür nutzten, ihre Macht zu demonstrieren und ihre Ideologie zu verankern – weit über Deutschland hinaus.
Auch der deutsche Fußball mit seinen englischen Wurzeln und seinen vielen jüdischen Pionieren wie Julius Hesse, der unseren DSC in den Anfangsjahren aus finanzieller Schieflage befreite, war nicht immun gegen den nationalsozialistischen Hass. Im Gegenteil: Viele Vereine wirkten an der Entrechtung jüdischer Bürger aktiv mit – obwohl die NS-Führung dies im Sport mit Rücksicht auf die Olympischen Spiele 1936 zunächst nicht forcierte. Es bedurfte vielerorts also nicht einmal von oben verordneter Gleichschaltung. Auch beim DSC Arminia Bielefeld verschwanden jüdische Sportler nach der Machtübergabe an die NSDAP aus dem Verein.
Viele führende Sportfunktionäre blieben trotz alledem nach 1945 in ihren Ämtern. Mehr als ein halbes Jahrhundert sollte es dauern, bis Vereine und Verbände mit der Aufarbeitung ihrer Rolle während der NS- Zeit begonnen haben.
Im Rahmen der Julius Hesse AG arbeiten wir seit einigen Jahren die Vergangenheit des DSC Arminia Bielefeld auf. Mit der Spurensuche – Arminia Bielefeld und der Nationalsozialismus, sowie der zugehörigen Publikation von Friedhelm Schäffer transportieren wir diese Erkenntnisse an Fans, Schulen und interessierte Bielefelder*innen. Auf der Gedenkstättenfahrt nach Terezin haben Arminia-Fans im vergangenen Jahr hautnah Geschichte erlebt und Einblicke in das Grauen der NS-Zeit erhalten. Die Erfahrungen und Erkenntnisse dieser Fahrt wurden in einer Ausstellung zum Thema verarbeitet und werden am heutigen Abend in der Realschule Jöllenbeck gemeinsam mit schulischer Erinnerungsarbeit vorgestellt.
Was hat das heute mit uns zu tun?
All dies zeigt: Politische Neutralität des Sports ist eine Fiktion. Sportvereine sind per Organisationsform politische Institutionen, denn sie basieren auf demokratischen Grundwerten, leben von Mitbestimmung und Gleichberechtigung.
Der Blick in die Geschichte zeigt: Demokratie ist keine Selbstverständlichkeit. Und fast immer, wenn die Demokratie unter Druck gerät, geht dies einher mit antisemitischen Tendenzen. Der Fußball mit seiner Strahlkraft trägt Verantwortung, unsere demokratischen Werte zu leben und zu verteidigen. Aktives Gedenken bedeutet daher gelebte Solidarität mit Jüdinnen und Juden, auch und gerade dann, wenn dies – wie derzeit – Courage und Haltung erfordert. 2026 gilt umso entschlossener die Botschaft der Überlebenden des Konzentrationslagers Auschwitz: „Nie wieder!“
„Nie wieder“ ist jetzt. Und immer.

