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„Ich möchte immer weiterkommen und den nächsten Schritt machen"

Jonas Kersken geht bei Arminia in seine vierte Saison und hat mit dem DSC bereits einige besondere Momente erlebt. Vor dem Heimspiel gegen Eintracht Braunschweig spricht unser Torhüter über seine aktuelle Form, seinen Weg in den Profifußball und seine Ziele mit Arminia. Außerdem verrät er, welche Torhüter ihn geprägt haben und was ihn abseits des Platzes beschäftigt.

Gegen Bochum habt ihr zu null gespielt, gegen Hertha hast du mit starken Paraden überzeugt. Wie hast du die Partien erlebt, und wie zufrieden bist du aktuell mit deiner Form?

„Unser Matchplan ist gegen Hertha fast aufgegangen. Über 90 Minuten war es eigentlich das Spiel, das wir uns vorgestellt hatten. Klar gab es den einen oder anderen Konter, den wir besser hätten ausspielen können, um dann Punkte mitnehmen zu können. Ansonsten haben wir zum Ende hin auch wenig zugelassen, aber dann leider doch noch verloren. Das hat sich bitter angefühlt. Wenn wir uns aber die letzten Wochen anschauen, steigern sich unsere Leistungen und der Zusammenhalt in der Mannschaft und mit den Fans wird noch intensiver. Mein Gradmesser für die eigene Leistung ist die Anzahl der Gegentore. In den letzten Spielen haben wir wenige Tore kassiert, deshalb bin ich mit meiner Form zufrieden und möchte darauf weiter aufbauen.“

Eintracht Braunschweig reist mit dem Derbysieg im Rücken zu uns in die SchücoArena. Was erwartest du für ein Spiel, und worauf wird es für uns ankommen, um die drei Punkte hierzubehalten?

„Das wird ein ganz anderes Spiel als gegen Hertha. Braunschweig ist auch eine Mannschaft mit Qualität, ein Sieg im Derby hilft ihnen natürlich. Trotzdem werden wir zu Hause alles daransetzen, das Spiel zu gewinnen. Es wird deutlich ausgeglichener sein als letzte Woche. Wir werden mehr Ballbesitz haben und versuchen, den nächsten Heimsieg einzufahren.“

Du gehörst zu den Veteranen in unserer Mannschaft und auch in dieser Saison bist du wieder Teil des Mannschaftsrats. Wie wohl fühlst du dich in dieser Rolle, und übernimmst du gerne Verantwortung innerhalb der Mannschaft?

„Ja, auf jeden Fall. Ich gehe jetzt in meine vierte Saison hier und gehöre zu den Dienstältesten in der Mannschaft. Ich habe schon viel erlebt, verschiedene Stimmungen und Spiele mitgemacht und eigentlich schon alles gesehen. Deshalb sehe ich mich absolut in der Rolle, Verantwortung auf und neben dem Platz zu übernehmen. Die Konstellation mit Maxi Bauer als Kapitän und dem Mannschaftsrat macht auch richtig Spaß. Ich fühle mich mit den Jungs sehr wohl.“

Was ist dir aus deiner Zeit bei Arminia besonders in Erinnerung geblieben?

„Ich könnte sehr viele Momente herauspicken. Wir hatten viele besondere Heimspiele. Auch der vermiedene Abstieg in meiner ersten Saison war sicherlich etwas Besonderes. Bei der zweiten Saison weiß ich gar nicht, wo ich anfangen und aufhören soll. Das war ein Jahr, das wir alle nie vergessen werden. Aber auch in der vergangenen Spielzeit hatten wir wieder viele coole Spiele: angefangen mit dem DFB-Pokal gegen Bremen, dann der riesige Fight bei Union, der Derbysieg in Münster in einer schwierigen Phase und schließlich das letzte Saisonspiel, in dem es um alles oder nichts ging und wir es schließlich gewonnen haben. Ich könnte wahrscheinlich noch einhundert weitere Momente aufzählen.“ 

Als Torwart stehst du bei Gegentoren oft besonders im Fokus. Wie gehst du mit Druck und Rückschlägen um?

„Das ist mir eigentlich schon immer ganz gut gelungen, nach einem Rückschlag nach vorne zu schauen und mich auf das nächste Spiel zu konzentrieren. Das ist als Torwart eine wichtige Eigenschaft. Man darf sich nicht zu sehr unter Druck setzen, sondern muss sich auf seinen Job konzentrieren, das Bestmögliche geben und versuchen, so viele Bälle wie möglich zu halten und dem Team zu helfen. Alles andere kommt dann von alleine.“

Du hast deinen Weg nicht über ein Nachwuchsleistungszentrum gemacht, sondern als Kind auf dem Spielplatz angefangen und als Jugendlicher noch in der Bezirksliga gespielt. Wie blickst du heute auf diesen eher ungewöhnlichen Weg in den Profifußball?

„Während viele meiner Mannschaftskollegen schon vier- oder fünfmal pro Woche auf dem Platz standen, hatte ich zwei- bis dreimal Training. Mir war aber immer klar, dass ich Fußballprofi und Torwart werden möchte. Bei den Bambinis stand ich von Anfang an im Tor, weil ich der Einzige war, der richtig Lust hatte, mit den Händen nach dem Ball zu springen. Neben meinen Trainingseinheiten habe ich zusätzlich an mir gearbeitet. Trotzdem war mir der Ausgleich mit meinen Freunden sehr wichtig. Rückblickend hatte ich auch teilweise Glück und bin an die richtigen Leute geraten. Ich würde es aus heutiger Sicht wieder genauso machen, weiß aber auch, dass das nicht der normale Weg ist. Deshalb ist es für mich nicht selbstverständlich, heute da zu stehen, wo ich jetzt bin.“

Hattest du als Kind oder auch heute noch ein Vorbild, an dem du dich orientierst?

„Ein Torwart, der immer mein Vorbild war und es bis heute ist, ist Manuel Neuer. Im Laufe meiner Karriere hatte ich außerdem das Glück, mit Yann Sommer in einer Mannschaft zu spielen und viele Trainingseinheiten mit ihm zu absolvieren. Er ist ebenfalls ein brutaler Torwart mit einer tollen Persönlichkeit. Zu diesen beiden schaue ich am meisten auf.“

Im Arminia-Podcast hast du damals gesagt, dass es dein Ziel sei, mit Arminia aufzusteigen. Das habt ihr geschafft und seid sogar Drittligameister geworden. Was hast du dir für deine weitere Zeit bei Arminia vorgenommen?

„Ich denke, das Ziel hat sich nicht groß verändert. Wenn ich jetzt sagen würde, dass ich für immer in der 2. Liga spielen möchte, wäre ich in diesem Beruf wahrscheinlich falsch. Ich möchte immer weiterkommen und den nächsten Schritt machen. Der nächste Schritt wäre natürlich die Bundesliga – am liebsten mit Arminia Bielefeld. Als ich damals im Podcast darüber gesprochen habe, war die Situation allerdings eine andere, da war der Aufstieg ein sehr realistisches und greifbares Ziel. Jetzt ist uns allen bewusst, dass die 2. Liga auch in dieser Saison wieder total umkämpft ist und die anderen Mannschaften viel Qualität haben. Deshalb ist das Ziel in dieser Saison definitiv, die Klasse zu halten und das am besten ein paar Spieltage früher als in der vergangenen Saison.“

9. Deine Mutter kommt aus England und du hast auch die britische Staatsbürgerschaft. Welche Verbindung hast du zu England, und bist du regelmäßig dort?

„Leider nicht so regelmäßig, weil der Teil meiner Familie nicht mehr in England lebt. Durch meine Mutter fühle ich mich England natürlich sehr verbunden. In der Weihnachtszeit reise ich gerne nach London. Einmal habe ich dort auch die Darts-WM im Alexandra Palace (Ally Pally) besucht. In diesem Jahr möchte ich in der Winterpause wieder dorthin reisen.“

10. Du liest in deiner Freizeit gerne Sachbücher. Welches Buch würdest du unbedingt weiterempfehlen, und warum?

„Das ist super einfach: Ich würde jedem die Biografie von Andre Agassi empfehlen, die Open heißt. Für alle, die sich für Sport interessieren und gerne Biografien lesen, ist das ein supergeiles Buch. Es macht richtig Spaß zu lesen und fühlt sich eher wie ein Spielfilm an, obwohl es eine Biografie ist.“

11. Was wissen die Fans noch nicht über dich?

„Mir ist ausreichend Schlaf sehr wichtig. Ich gehe früh ins Bett und versuche, neun Stunden zu schlafen. Und sonst: Dass ich der beste Dartspieler in der Mannschaft bin, weiß mittlerweile, glaube ich, jeder.“

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