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„Bundesligaspiel in Bielefeld? Besser geht’s ja nicht!“

Vor unserem Heimspiel gegen den VfL Bochum nahm sich VfL-Akteur Robert Tesche Zeit, um mit uns u.a. über seine Zeit beim DSC, seine Zeit in England und Zugfahrten zum Bielefelder Training zu berichten.

Robert Tesche (34) bestritt im März 2007 sein Bundesligadebüt im Dress des DSC Arminia Bielefeld. Zum Vergleich: Manuel Neuer feierte sein BL-Debüt nur wenige Monate zuvor, ein gewisser Thomas Müller nahm sogar „erst“ 2009 das erste Mal an einem Bundesligaspiel teil. Gut 14 Jahre nach seinem ersten Bundesligaspiel kehrt „Robbi“, wie ihn Freunde und Kollegen nennen, zurück an den Ort, wo seine Profi-Karriere so richtig begann. Und dürfte im Dress des VfL Bochum von einigen Leuten in der SchücoArena die Daumen gedrückt bekommen, schließlich liegen seine Wurzeln in Löhne und Mennighüffen, wohin der zweifache Familienvater nach seiner Karriere auch wieder zurückkehren möchte.


Robert, hätte man dir – sagen wir mal – vor sechs Jahren gesagt, dass du 2021 ein Bundesligaspiel in der SchücoArena bestreitest, wie hättest du reagiert?
Ich hätte wahrscheinlich gesagt, dass das eher ein unrealistisches Szenario ist. 2015 habe ich in England gespielt und gelebt, weswegen die Bundesliga weit weg war – umso schöner, dass es nun klappt und ich in Bielefeld und der SchücoArena an einem Bundesligaspiel teilnehmen kann. Besser geht’s ja nicht.

Wie viele Ticket-Anfragen hattest du?
Zum Glück recht wenige, da sich meine Freunde aus Löhne und Umgebung alle selbst mit Karten versorgt haben. Die brauchten mich gar nicht erst fragen. Ich freue mich sehr, dass einige kommen und für sie ist es cool, da sie keine weite Anfahrt haben.

Bevor du im Jahre 2001 zu uns gekommen bist, hast du jahrelang in der Jugend des VfL Mennighüffen gespielt. Hast du noch Kontakt zum VfL?
Ich bin noch tief verwurzelt mit Mennighüffen, denn dort steht unser 2014 gebautes Haus. Daher kenne ich auch noch sehr viele Leute aus meinem alten Verein und wir sind weiterhin regelmäßig in Kontakt. Ich muss allerdings dazu sagen, dass von meinen engen Freunden keiner mehr aktiv beim VfL spielt, das hat sich einfach verteilt.

Lass uns mal etwas zurückblicken. Wie kam der Wechsel 2001 nach Bielefeld zustande? Du warst 14 Jahre jung.
Ich war damals in der Kreisauswahl Herford und bei den Turnieren und Spielen der jeweiligen Kreisauswahlen waren natürlich Talentsucher von anderen Vereinen. 2000, als ein Jahr vor meinem Wechsel, hatte der DSC mich über Ivan Pacheco (Anm. d. Redaktion: ehem. Jugendtrainer) kontaktiert, der mich auch bei meinen Eltern in Mennighüffen besucht hat. Er wollte mich damals nach Bielefeld holen.

Zu einem Wechsel ist es in diesem Jahr dann aber noch nicht gekommen.
Genau. Ich war damals im Jung-Jahrgang der C-Jugend und wir haben mit dem VfL in der gleichen Liga wie der DSC gespielt (Anm. d. Redaktion: Bezirksliga). Das hat für mich dann irgendwie keinen Sinn ergeben, weswegen ich noch ein Jahr geblieben bin.

2001 hast du den Schritt dann aber gewagt.
Ich war mit 14 Jahren im alten Jahrgang der C-Jugend und der DSC hat in einer Art Nachwuchscup gegen diverse andere Jugendmannschaften der NRW-Bundesligavereine gespielt. Da wollte ich den Schritt auf jeden Fall gehen und im Nachgang lässt sich jetzt sagen, dass das der absolut richtige Schritt war.

Du hast insgesamt acht Jahre beim DSC gespielt. Erst in der Jugend, ab 2007 – mit einem Zwischenjahr bei der zweiten Mannschaft – dann bei den Profis. Im März 2007 hast du bei uns dann auch das erste Mal Bundesliga gespielt. Mit welchen Gefühlen denkst du zurück?
Mit positiven. Immer wenn ich an Bielefeld denke, freue ich mich, denn es war eine schöne Zeit. Ich bin als Jugendspieler in den Herrenbereich gekommen und durfte hier meine ersten Profiminuten sammeln. Das ist etwas Besonderes, worauf ich auch ein Stück weit stolz bin. Natürlich verfolge ich den DSC auch heute noch. Es war eine sehr schöne Zeit mit viel Spaß, auch wenn nicht immer alles glatt lief.

Was meinst du genau?
Wir haben in der Jugend auf dem Kunstrasenplatz neben dem Stadion trainiert, der war damals nicht der allerbeste. Mit der Jugend sind wir zu der Zeit generell viel unterwegs gewesen, um Trainingsplätze zu finden. Das waren dann auch mal Rasenplätze an Kasernen oder andere Kunstrasenplätze. Trotzdem behalte ich gerade diese Zeit auch in guter Erinnerung. Wir saßen oft mit den Jungs im Zug auf dem Weg zum Training nach Bielefeld und da sind Freundschaften entstanden.


Apropos. Gibt’s noch Kontakte?
Klar, ich schreibe hin und wieder mit Nils Fischer. Mit Zlatko Janjic tausche ich mich auch immer mal wieder aus. Tim Danneberg oder Max Wegener sind weitere Jungs, mit denen ich auch heute noch etwas Kontakt habe. Nicht zu vergessen ist „Schonzi“, der damals schon im Verein war. Er war zweiter Zeugwart und hat das zusammen mit Asim gemacht. „Schonzi“ sehe ich sogar hier und da mal, da ich im Winter gerne auch in der Halle mit ein paar Freunden spiele. Da war er tatsächlich schon öfter mit dabei, genauso wie Philip Heithölter.

Bereits in der Arminia-Jugend warst du extrem kopfballgefährlich und das zieht sich bis heute durch – und das, obwohl du nicht unbedingt der „Größte“ bist. Woran liegt das?
Gute Frage. Ich habe früher mit meinen Großeltern am Strand viel gespielt. Ich war im Wasser und der Ball immer Bestandteil des Spiels. Im Wasser war das Timing auch immer wichtig, das habe ich damals wohl gut aufgenommen. Zum Glück hat sich diese Eigenschaft bis ins hohe Alter fortgesetzt. Meine Sprungkraft ist bestimmt nicht die Beste, aber ich weiß grob, wann ich wie in der Luft zu stehen habe.

Nach Stationen in Hamburg oder auch Düsseldorf hat es dich 2014 fürinsgesamt drei Jahre nach England verschlagen. Wie war die Zeit auf der Insel fürdich?
Ich bin 2014 nach England gegangen, war aber zunächst ein paar Wochen arbeitslos und hatte keinen Verein. Dann ergab sich die Chance zu Nottingham Forest in die Championship zu wechseln, das wollte ich dann natürlich machen. Es war zwar nicht einfach ins Ausland zu gehen, denn zu dem Zeitpunkt war meine Frau schwanger, aber es war der richtige Schritt. Im Nachhinein hat sich diese Erfahrung wirklich gelohnt.

Welche Erfahrungen sind hängengeblieben?
Als Fußballer führst du in England ein wirklich gutes Leben, denn dir wird sehr viel abgenommen von Leuten, die sich im Verein um diverse Belange kümmern. Die Essgewohnheiten sind andere – vor dem Spiel gab es immer Toastbrot mit gebackenen Bohnen oder auch Kelloggs. Mein Sohn ist in Nottingham geboren, weswegen wir eine besondere Beziehung zu England haben. Für meine Frau und uns war es trotzdem zu Beginn nicht immer nur leicht, denn wir waren weit weg von der eigenen Familie, die ja eben nicht einfach mal so rüberkommen konnte. Aus diesem Grund haben wir dann nach drei Jahren die Entscheidung getroffen, wieder nach Deutschland zu wollen, aber wir haben es toll bewältigt und es war eine schöne Zeit. Die drei Jahre haben sich sehr gelohnt.

Nach Stationen bei Nottingham Forest und Birmingham City bist du im Sommer 2017 zurück nach Deutschland und zum VfL Bochum gewechselt. Wie würdest du die bisherige Zeit – mittlerweile sind es ja auch schon wieder vier Jahre – beim VfL beschreiben?
Als ich nach Bochum kam, gab es einigermaßen viel Trubel, da herrschte im ersten halben Jahr ein wenig Chaos im und um den Verein. Das hat sich bei mir auch in den Spielanteilen widergespiegelt. Mal habe ich gespielt, mal habe ich nicht gespielt. Nach dem halben Jahr kam dann aber Konstanz in viele Bereiche des VfL hinein und dann lief es auch immer besser für mich. Ich mag die Mannschaft, den Verein und die Stadt, weswegen ich mich sehr wohl fühle.



Und wie würdest du den VfL charakterisieren? Vielleicht auch im direkten Vergleich zum DSC.
Es gibt viele Ähnlichkeiten, keine Frage. Da muss man nur an die Stadtstadien denken. Beide Vereine zeichnet aus, dass malocht und gearbeitet wird. Auch die Fans sind sich ein Stück weit ähnlich – treu, positiv verrückt und immer hinter der Mannschaft. Finanziell waren beide Vereine im Prinzip nie auf Rosen gebettet. Beide Klubs hatten mit Widrigkeiten zu kämpfen und haben sich da stark herausgezogen. All das sind Dinge, die die Vereine einen.

Den vorläufigen Höhepunkt habt ihr beim VfL dann im vergangenen Sommer mit dem Aufstieg in die Bundesliga gehabt. Ihr knüpft nahtlos an die Erfolge der zweiten Liga an und spielt bisher eine starke Hinrunde. Was ist das Erfolgsrezept?
Zu Beginn der Saison haben wir gegen die größeren Gegner wie Bayern oder Leipzig etwas schlecht ausgesehen und Lehrgeld gezahlt. Auch das erste Spiel in Wolfsburg, welches wir fast komplett in Unterzahl spielen mussten, war unglücklich, aber anschließend haben wir uns echt gefangen. Wenn man die letzten acht Wochen betrachtet, dann können wir mit den Ergebnissen wirklich sehr zufrieden sein. Wir haben unsere Spielweise im Vergleich zur Aufstiegssaison etwas angepasst und dadurch den einen oder anderen Punkt ergattern können. Die Saison ist allerdings noch sehr lang und es wird bestimmt auch mal andere Phasen geben. Wenn wir mal zwei oder drei Spiele verlieren sollten, dann darf es nicht unruhig werden.

Fünf Siege aus den vergangenen sieben Spielen sprechen da ja eine deutliche Sprache. Lass uns trotzdem nochmal zu dem von dir erwähnten Spiel gegen Wolfsburg am ersten Spieltag kommen. Dort hast du in der vierten Minute die rote Karte wegen eines Handspiels gesehen. Du hattest dir deine Rückkehr in die Bundesliga sicherlich anders vorgestellt, oder?
Ich hatte mich extrem gefreut, nach sieben Jahren wieder Bundesliga zu spielen. Dass es dann gefühlt nach zwei Minuten vorbei war, war extrem bitter. Das war für mich persönlich ein sehr bescheidener Start in die Saison, keine Frage. Schlimmer ging’s eigentlich nicht, aber wir haben bis hierhin ja trotzdem viele Punkte geholt, weswegen ich da nicht mehr viel drüber nachdenke.

Nachdenken kann man im Alter von 34 Jahren ja auch schon mal langsam über die Zeit „nach dem Fußball“. Hast du schon grobe Pläne über die Zeit nach der aktiven Karriere?
Nein, ich bin mir noch nicht sicher, was ich machen möchte. Ich mache mir natürlich Gedanken darüber, aber es ist nicht ganz so einfach. Was ich weiß, ist, dass wir in die Heimat zurückkehren möchten. Was dann beruflich gemacht wird, ist noch nicht raus.

Kommst du über die Feiertage auch in die Heimat? Stichwort: Weihnachten.
Ja, wir werden absolut coronakonform mit der Familie in Löhne feiern. Einen Tag bei uns, einen Tag beim Schwager und einen Tag bei den Schwiegereltern. Immer mit von der Partie ist gutes Essen.

 

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