Ewald Lienen trudelte als einer der letzten Gäste im prall gefüllten Bielefelder Spiegelzelt im Ravenberger Park ein. Auf der Bühne war der einstige Spieler des DSC Arminia Bielefeld dann aber ganz schnell ganz weit vorne. Lienen plauderte, beschrieb und stichelte. Eine Legende eben.
Idole wie der 70-Jährige gaben sich aus ganz besonderem Anlass am Montagabend ein Stelldichein. Das Buch „Arminias Legenden“, entstanden aus einer NW-Serie, wurde der Öffentlichkeit vorgestellt. 50 Geschichten mit Arminen, die in 118 Jahren Vereinsgeschichte in Erinnerung geblieben sind, aufgeschrieben von den Autoren Jörg Fritz und Harry Gutmann und maßgeblich unterstützt vom DSC-Ehrenpräsidenten Hans-Jürgen Laufer.
Etliche der Protagonisten des Werks hatten den Weg nach Bielefeld gefunden und unterhielten die Gäste im restlos ausverkauften Zelt mit ihren Erinnerungen. „Die ganzen 1970er Jahre waren so, dass ein Menschenleben auf dem Fußballplatz nicht viel gezählt hat“, eröffnete Lienen und hatte die ersten Rauner und Lacher auf seiner Seite.
Der einstige UEFA-Pokal Sieger (mit Mönchengladbach), der in Schloß Holte-Stukenbrock wohnt, war sofort auf Betriebstemperatur und kabbelte sich immer wieder mit Moderator Philipp Köster: „Ich hatte den Eindruck, dass du Bielefeld so ein bisschen schlecht machen willst. Du hast so komische Fragen gestellt gerade.“ Der Chefredakteur des Magazins „11 Freunde“ und eingefleischte Arminia-Fan konterte: „Das ist der ostwestfälische Selbsthass, der uns alle antreibt.“ „Wir sind alle glücklich hier“, legte Lienen nach. Der Saal tobte.
Und auch die anderen „Legenden“ wussten zu begeistern. In zwei Halbzeiten erinnerte Köster zuerst mit Jörg Bode, Wolfgang Kneib, Helmut Schröder, Christian Sackewitz, Wolfgang Pohl und eben Lienen an die 1970er und 1980er Jahre.
Später kamen Bode, Matthias Hain, Stefan Krämer, Manuel Hornig, Fatmir Vata und Artur Wichniarek auf die Bühne, um über die 1990er und 2000er Jahre zu plauschen. Ob Otto Rehagel, Dieter Eilts, Hermann Gerland oder Ex-Finanz-Geschäftsführer Roland Kentsch – Fußballprominenz kam reichlich in den Anekdoten vor, aber nicht immer gut weg. Alles sehr zur Freude der Gäste.
Wichniarek etwa erzählte: „Hermann Gerland hat meinem Berater gesagt: Dein Spieler muss nach der Sommerpause nicht wiederkommen. Mein Zeugwart ist näher an der Stammelf als er.“ Auch mit seinem späteren Coach Thomas von Heesen habe er ein schwieriges Verhältnis gehabt: „Er dachte immer, ich sei mit Roland Kentsch befreundet.“
Auch der Moderator selbst, nach eigenen Angaben seit 1982 leidenschaftlicher Arminia-Anhänger, kramte einige Erinnerungen heraus, was die Gespräche – und die kleinen hitzig-witzigen Wortgefechte mit Lienen – zusätzlich bereicherte. Eingerahmt wurden die Plaudereien von musikalischen Einlagen durch DSC-Mannschaftsarzt Andreas Elsner am Piano.
Die aktuelle Chefetage des Klubs, die umfassend vertreten war, lauschte andächtig. Auch Trainer Mitch Kniat hatte sich unter die Gäste gemischt: „Auch ich lerne noch einmal Neues über den Verein und seine Historie. Wenn man die Bilder sieht, merkt man so richtig, wie groß der Klub ist, wie verwurzelt er in der Region ist und welche Tradition dahintersteckt. Einige Gäste, die hier sind, kannte ich nur aus dem Fernsehen“, sagte er.
Wenig Gemeinsamkeiten, aber ganz viel Inspiration – das nahm Kniat aus der fast dreistündigen Veranstaltung mit: “Ich lebe eher im Hier und Jetzt und arbeite daran, dass wir unsere eigene Geschichte schreiben. Aber so ein Abend pusht einen natürlich. Dann möchte man auch irgendwann mal einen Aufstieg mit Arminia feiern.“
Ehrenpräsident Hans-Jürgen Laufer genoss den rundum gelungenen Abend und arbeitete, wie die Legenden auch, alle Foto- und Autogrammwünsche geduldig ab. „Es war immer mein Wunsch, dass wir die Tradition des Vereins leben. Ich freue mich heute wie ein Keks. Denn dieser Abend war eigentlich eine Schnapsidee. Mir geht das Herz auf“, sagte er.
Das passende Schlusswort fand Philipp Köster: „Es gibt eine unglaubliche Kraft, die von diesem Klub ausgeht und die auch von den Leuten zurückgegeben wird.“
Text: Gregor Winkler, Benedikt Riemer
Biler: Oilver Krato
















