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Alles Gute zum Geburtstag, Arminia

Was für eine geniale Idee hatten diese 14 Männer, die sich am 14. April 1905 in einem Restaurant im Bielefelder Rathauskeller trafen. Sie beschlossen einfach mal einen Fußballverein zu gründen, der dann am 3. Mai 1905 auf der Gründerversammlung in Stein gemeißelt wurde. Zwei Wochen später fand auf dem Kesselbrink das erste Spiel unserer Arminia gegen eine Mannschaft aus Osnabrück statt.

Eine kleine Erklärung zu unseren Vereinsfarben Schwarz, Blau und Weiß: Schwarz und Weiß waren damals typische Farben vieler Sportvereine, weil sie als „edel“ und „neutral“ galten. Außerdem waren diese Farben auf Sportkleidung leichter verfügbar und bezahlbar. Blau kam dazu, um dem Verein eine eigene, unverwechselbare Note zu geben. Blau galt als Symbol für Treue, Beständigkeit und Freiheit – Werte, die die Gründer stark mit unserer Arminia und dem Freiheitshelden Arminius verbanden.

Sehr interessant und der Grund dafür, dass unser Verein bis heute noch manchmal in orangen Ausweichtrikots spielt: Weil damals die Zeit fehlte, genügend Trikots zu besorgen, half unser niederländischer Mitgründer aus und besorgte einen Satz orangefarbener Trikots. Zu Beginn hieß unser Verein noch 1. Bielefelder Fußballclub Arminia und spielte ihre Spiele an der Pottenau. 1926 wurde dann zu einem bedeutsamen Jahr für unseren Verein: Zum einen wurde er in den „Deutschen Sportclub Arminia Bielefeld“ umbenannt. Außerdem pachteten wir ein Stückchen Wiese von Bauer Lohmann und ab da war die Alm unser Zuhause. Der Legende nach sagte irgendwer: „Hier sieht ja aus wie auf einer Alm.“ Und deshalb war die Alm solange der Ort für Höhen und Tiefen des Vereins, bis das Stadion im Januar 2004 in die „SchücoArena“ umbenannt wurde. 

Wer übrigens denkt, dass unser Jahrhunderttrainer, Ernst Middendorp, der Coach mit der längste Zeit auf der Arminia-Trainerbank ist, liegt falsch. Ein gewisser František Zoubek Prokš war 3193 Tage unser Trainer, Ernst brachte es auf 2349 Tage. Unter dem Tschechen wurden wir zweimal Westdeutscher Meister. In dieses Jahrzehnt fällt auch ein weiteres historisches Datum: Der 5:0-Sieg unserer Arminia gegen Preußen Münster am 1. November 1925 war das erste live im deutschen Rundfunk übertragene Fußballspiel. 

Aus der tiefsten Vergangenheit geht nun aber vorbei an unserem ersten Bundesliga-Aufstieg 1970, als wir in der Aufstiegsrunde den Karlsruher SC, VfL Osnabrück, TB Berlin und den SV Alsenborn ausschalteten und der dunkelsten Stunde, dem Bundesliga-Skandal, verbunden mit dem Zwangsabstieg in die Amateurliga ins Jahr 1977. 

Und spätestens da konnte man schon die DNA unserer Arminia erahnen. In einem Relegationsdrama gegen 1860 München folgte in drei Spielen eine bittere Niederlage. Aber ein Jahr später unter „Kalli“ Feldkamp schon wieder der Aufstieg in die Bundesliga.

Dort gelang am 10. März 1979 zunächst ein sensationelles 4:0 im Münchner Olympiastadion gegen die Bayern mit klangvollen Namen wie Karl-Heinz Rummenigge, Sepp Maier oder „Katsche“ Schwarzenbeck. Zweimal Norbert Eilenfeldt, Volker Graul und Helmut Schröder trafen für die Arminia, die mittlerweile von Otto Rehhagel betreut wurde. Doch nur drei Monate später folgte trotzdem der erneute Abstieg. Dem schloss sich eine bis heute unerreichte Zweitliga-Meisterschaft mit einem Torverhältnis von 120:31 an. Und fünf Bundesligajahren, in denen man zwischenzeitlich schon von der UEFA-Cup-Teilnahme träumte. Eingebettet darin die höchste Niederlage unserer Arminia: Am 6. November 1982 gab es in Dortmund ein 1:11, bei dem wir immerhin durch Frank Pagelsdorf 1:0 führten und zur Pause noch ein Unentschieden hielten. Nach dem Seitenwechsel hagelte es Gegentore fast im Minutentakt und der bemitleidenswerte damalige Torwart Olli Isoaho musste in der zweiten Hälft gleich zehnmal den Ball aus dem eigenen Netz holen. 

Doch es kam, was kommen musste: In der Relegation gegen den 1. FC Saarbrücken folgte 1985 der Abstieg in Liga zwei, was den Verein damals kalt erwischte. Unser damaliger Schatzmeister Hubert Neugebauer beschrieb die Situation mit den Worten: „Alles, was der Verein noch besitzt, ist ein Ball und etwas Kreide.“ 

In der Zweitliga-Saison 86/87 folgte am 18. Oktober 1986 eines der wohl legendärsten Spiele in der 120-jährigen Geschichte unseres Vereins. Arminia konnte gegen den 1. FC Saarbrücken nur mit zehn Spielern auflaufen, alle anderen waren verletzt, zudem durften damals nur drei Amateur-Spieler zusätzlich eingesetzt werden. Als sich Thomas Ostermann nach nur zehn Minuten auch noch die Leiste brach, ging es zu neunt weiter. „Wir warteten die gesamte erste Hälfte, dass Trainer Horst Franz endlich einen anderen Spieler brachte. Erst in der Halbzeitpause erfuhren wir: Er durfte nicht. Also waren wir nur noch neun. Wir fühlten uns wie Gladiatoren, umzingelt von Raubtieren“, schilderte Martin Kollenberg die Situation. Das Spiel endete 1:3, immerhin gelang durch Thomas Sagel der zwischenzeitliche Ausgleich. Am 15. Spieltag gegen Osnabrück lief Torhüter Wolfgang Kneib als Mittelstürmer auf, weil Arminia nur so auf elf Spieler kam. Der Riese im Sturm verunsicherte die Gegner zunächst offenbar. Wir führten schnell 2:0. Am Ende gab es eine 2:3-Niederlage.

Nach dem Abstieg in die drittklassige Oberliga folgte unter unserem Jahrhunderttrainer Ernst Middendorp ein grandioser Durchmarsch in die Bundesliga. Auch weil Manager Rüdiger Lamm so namhafte Spieler wie Fritz Walter, Thomas von Heesen und Armin Eck nach Bielefeld lotste. 

Weil danach Abstieg auf Aufstieg und auf Abstieg wieder Aufstieg folgte, holten wir uns zurecht den Titel des Rekordaufsteigers. Bis wir dann 2009 trotz eines Trainerwechsels am letzten Spieltag (Jörg Berger kaum für Michael Frontzeck) aus der ersten Liga für viel Jahre verschwanden. Eine weitere bittere Stunde folgte am 19. Mai 2014. Nachdem wir das Relegations-Hinspiel um den Klassenerhalt in Liga 2 in Darmstadt souverän mit 3:1 gewonnen hatten, gab es im Rückspiel ein 2:4 und aufgrund der Auswärtstor-Regel den wohl bittersten Abstieg der Vereinsgeschichte. Weil es nach 90 Minuten 3:1 für Darmstadt 98 stand, musste die Verlängerung her. In der stellte Kacper Przybylko zunächst auf 2:3, doch in der 122. Minute traf Elton da Costa unsere Arminia mitten ins Herz. 

Doch ähnlich wie in der aktuellen Saison berappelte sich unser Verein, wurde unter Norbert Meier Meister der dritten Liga und kam im DFB-Pokal bis ins Halbfinale (0:4 gegen Wolfsburg). Unter Uwe Neuhaus folgte 2020 ein famoser Aufstieg in die Bundesliga, leider mit zu wenigen Fans im Stadion - es war die Corona-Zeit. Zwei Jahre ging es trotzdem durch die erste Liga u.a. mit einem 3:3 beim FC Bayern München. Was dann allerdings folgten, waren zwei Abstiege in Folge und der Neustart in Liga 3. 

Und die Erkenntnis: Alles auf Anfang! Lediglich Ehrenspielführer Fabian Klos gehörte als Profi noch dem Kader an. Doch manchmal wohnt, frei nach Hermann Hesse, allem Neuen ja ein besonderer Zauber inne. Die neue Geschäftsführung mit Christoph Wortmann und Michael Mutzel sowie mit unserem neuen Cheftrainer Mitch Kniat brach eine neue Zeit an. Bodenständigkeit und Nahbarkeit prägten fortan die folgenden Monate.  

Besonders wertvoll: Auch unsere Fans blieben die tollsten Fans der Liga, unterstützen uns phänomenal. Ein Schnitt von 18 640 Zuschauern pro Drittliga-Spiel nach zwei Abstiegen – besser geht’s nicht. Auch wenn es sportlich zunächst noch nicht alles rund lief, steigerten wir uns und sicherten uns durch ein 0:0 am vorletzten Spieltag der Saison 2023/24 gegen den Halleschen FC den Klassenerhalt. Eine Partie, die auch für Fabian Klos eine ganz Besondere war. Denn seine außergewöhnliche Karriere endete mit dem letzten Liga-Spiel in der SchücoArena im schwarz-weiß-blauen Trikot. Nach insgesamt 13 Jahren und 418 Spielen für unsere Mannschaft, in denen er sensationelle 155 Tore erzielte, gewann er in seiner letzten Saison gegen den SC Verl zudem noch den Westfalenpokal und wurde am 12. Oktober 2024 gebührend im Spiel der „Aufstiegshelden“ gegen die „Bundesliga & Friends“ verabschiedet.

In der laufenden Saison schreitet der aufgezeichnete Weg positiv voran. Cheftrainer Mitch Kniat hat aus den Spielern eine absolute Einheit geformt, die nicht nur in den vergangenen Wochen fabelhafte Spiele abliefert und von Sieg zu Sieg eilt. Doch nicht nur in der Liga läuft es grandios, auch vor allem im DFB-Pokal gab eine nie für möglich gehaltene Siegesserie. Nach dem Zweitligisten Hannover 96 wurden mit Union Berlin, dem SC Freiburg, Werder Bremen und dem noch amtierenden Deutschen Meister und Pokalsieger Bayer Leverkusen vier Bundesligisten ausgeschaltet. Und deshalb folgt für uns alle am 24. Mai etwas eigentlich Unverstellbares: Wir spielen gegen den VfB Stuttgart im Endspiel um den DFB-Pokal! Garniert vom 120. Geburtstag unseres Vereins fühlt sich nicht nur die Gegenwart großartig an. Auch der Blick in die Zukunft macht gerade verdammt viel Spaß!

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