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20.000 Kölner in Rotterdam

Seit der vergangenen Woche ist das Auftreten der 30.000 Frankfurter-Fans beim sensationellen SGE-Coup im Camp Nou beim FC Barcelona in aller Munde. Dass die Kölner für solch internationale Spiele auch die Massen bewegen können, bewiesen die Geißbockanhänger bereits 1965 im berühmtesten Duell der Vereinsgeschichte. Ein Duell gegen den FC Liverpool.

Das Aufeinandertreffen der englischen Reds und den Rheinländern begab sich, nachdem der 1. FC Köln im Gründungsjahr der Bundesliga seine zweite deutsche Meisterschaft gewinnen konnte. In der Saison 1964/1965 spielte der "Effzeh" infolgedessen als deutscher Vertreter im Europapokal der Landesmeister. In der ersten Runde setzten sich die Geißböcke einigermaßen souverän gegen FK Partizani durch, im Achtelfinale behielten die Kölner die Oberhand über Panathinaikos Athen – die logische Folge? Der Einzug ins Viertelfinale, in welchem niemand geringeres als der damalige amtierende englische Meister vom FC Liverpool wartete.

Die Reds kamen mit dem schottischen Startrainer und Vereinslegende Bill Shankly an den Rhein nach Köln gereist. Im Müngersdorfer Stadion drängten sich im Hinspiel bereits 40.000 Fans auf die Tribünen und sahen ein 0:0 zwischen ihrem "Effzeh" und den Liverpoolern, das Rückspiel an der berühmten Anfield Road blieb ebenfalls torlos, weswegen ein Entscheidungsspiel hermusste. Dieses Spiel fand am 24. März 1965 – auf neutralem Platz – im berühmt-berüchtigten Rotterdamer Fußball-Rund "De Kuip" statt.

20.000 Kölner Schlachtenbummler machten sich damals auf dem Weg in die Niederlande, um ihrem "Effzeh" zu unterstützen und das Spektakel mitzuerleben. Der Kölner Anhang legte dabei sogar den niederländischen Zoll lahm, der den endlosen Pulk auf den Autobahnen aus dem Osten kommend irgendwann einfach passieren ließ.

Das Aufeinandertreffen beider Teams sollte für immer in die Geschichtsbücher des Fußballs eingehen. Zunächst lief das Spiel für die Kölner Elf rund um Vereinslegende Wolfgang Overath weniger glücklich, Ian St. John erzielte das 1:0 für die Reds. In der 30. Minute kam es dann noch dicker für die Kölner, Abwehrmann Wolfgang Weber verletzt sich in einem Zweikampf. Das Problem: Auswechselspieler gab es zu der damaligen Zeit nicht und so quälte sich Weber für seine Mannschaft in diesem wichtigen Spiel bis in die Pause. Zur Pause stand es übrigens 2:1, denn es waren zwei weitere Tore gefallen. Zuerst hatte Gordon Milne für Liverpool getroffen, doch Karl-Heinz Thielen stellte nur zwei Minuten später in der 39. Minute den Kölner Anschluss wieder her. Hoffnung unter den Tausenden Kölnern keimte auf.

Für den verletzten Weber ging es in der Halbzeit auf die Massagebank und er wurde vom Mannschaftsarzt untersucht – Diagnose: "spielfähig". Die zweite Hälfte begann mit einem guten Start, der Kölner Hannes Löhr sorgte in der 49. Minute für den umjubelten Ausgleich des „Effzeh“, in der Folge fielen keine weiteren Tore und so humpelte sich der tapfer kämpfende Innenverteidiger Weber bis in die Verlängerung und darüber hinaus.

Es blieb beim 2:2 – Elfmeterschießen gab es zu dieser Zeit nicht, also musste tatsächlich ein Münzwurf her. Der belgische Schiedsrichter Robert Schaut warf also die Münze und die beiden Mannschaften warteten gespannt am Mittelkreis des "De Kuip". Die Münze konnte sich zunächst jedoch auch nicht entscheiden und blieb einfach auf dem matschigen Untergrund senkrecht stecken.

Der zweite Versuch saß dann – die Münze zeigte rot, sehr zum Jubel der "Reds", die vor Freude in die Luft sprangen. Weniger zum Springen war dem "Effzeh" um Wolfgang Weber zu Mute. Nach dem Spiel wurde bei Weber ein gebrochenes Wadenbein diagnostiziert. Diese Geschichte brachte ihm und der tapferen Mannschat einen ungewollten Heldenstatus.

Von so legendären Fußball-Nächten im europäischen Wettbewerb träumt natürlich ein jeder Fan. Für die Kölner könnte es in der nächsten Saison wieder so weit sein, denn ihre Mannschaft steht vier Spieltage vor Ende auf einem starken siebten Tabellenplatz mit allen Chancen auf die Europa-League-Qualifikation. Jüngst rief der temperamentvolle „Effzeh“-Trainer Steffen Baumgart sogar aus: "Lass uns international angreifen!"

Maßgeblich für diesen Erfolg verantwortlich gemacht wird eben auch Baumgart, der zu Beginn der Saison aus Paderborn an den Rhein wechselte. Am Ende der Spielzeit wäre es wahrlich eine meisterliche Leistung aller Beteiligten, wenn die "Effzeh"-Fans nächstes Jahr wieder zu Pflichtspielen nach Europa und ja vielleicht auch wieder Rotterdam reisen dürften – aktuell liegt Feyenoord Rotterdam in der niederländischen Eredivisie ebenfalls auf Kurs Europa League. Zuzutrauen ist es den leidenschaftlichen Anhängern der Kölner in jedem Fall, dass sie auch wieder in Scharen Richtung Rotterdam reisen würden.


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