1:1-Unentschieden in Berlin

Unser Cheftrainer Mitch Kniat tauschte zweimal im Vergleich zum 0:0 gegen Kaiserslautern: Felix Hagmann und der wiedergenesene Leon Schneider (nach Magen-Darm-Infekt) standen in Berlin in der Startelf für Benjamin Boakye und Marvin Mehlem, die zunächst auf der Bank Platz nahmen. Joel Grodowski musste wegen einer Grippe in Bielefeld bleiben, Arne Sicker aus Berlin krankheitsbedingt wieder abreisen.
Auch wenn unser Trainer keinen Vergleich zum Pokalfinale an selber Stelle ziehen wollte, waren die äußeren Bedingungen auf jeden Fall ähnlich stark. Denn rund 45 000 Fans, darunter gut 4.200 Arminen verpassten dem letzten Spiel in diesem Kalenderjahr einen tollen Rahmen. Den ersten Hauch einer Chance hatten die Gastgeber durch Linus Gechter (6.), der das Leder unbedrängt bis zum Strafraum dribbelte. Sein Schuss aus halbrechter Position zischte aber knapp am Pfosten vorbei. Was einen netten Abend versprach, war die tolle akustische Unterstützung unsere Fans, die deutlich im weiten Rund zu hören waren. Und die sahen eine hoch aufgerückte Arminia, die in der Anfangsphase ansonsten wenig zuließ. Sieht man mal von einem Schuss von Fabian Reese (16.) aus halbrechter Position ab.
Die Arminia näherte sich in den ersten 20 Minuten dreimal mit einem Freistoß aus dem Halbfeld dem Berliner Tor. Richtig nah kam Noah Sarenren Bazee dem Kasten, doch eine Flanke von Mael Corboz in die Box traf er nur mit der Brust. Die stärkste Aktion der Gastgeber nach 28 Minuten: Auf rechts tankte sich Fabian Reese durch und hatte außer viel Grün nichts mehr zwischen sich und Jonas Kersken. Mit seinem Zuspiel konnte Luca Schuler dann aber zum Glück nicht viel anfangen. Die mannorientierte Verteidigung bereitete den Gastgebern durchaus Probleme. Und Arminia hätte beinahe davon profitiert: Nach einem Fehler von Schuler landete der Ball über Momuluh bei Sarenren Bazee. Sein Schuss von der Strafraumkante aus völlig unbedrängter Position hätte die Führung bedeuten können, aber leider fehlte die entsprechende Geschwindigkeit um Hertha-Torwart Tjark Ernst vor ernsthafte Probleme zu stellen. Die hatte auf der Gegenseite dann Kersken, der nach einer Unachtsamkeit in der Innenverteidigung wieder mal Reese (39.) frei vor sich hatte. Doch in Weltklasse-Manier machte sich Kersken groß und entschärfte den Schuss.
Nach dem Wechsel brachte unser Cheftrainer mit Isi Young eine frische Kraft ins Spiel. Die Folge: Während in der Bielefelder Hälfte zunächst weiter alles problemlos blieb, verschob sich das Spielgeschehen Minute für Minute mehr in die Berliner Hälfte, noch ohne nachhaltigen Erfolg. Nach einer Stunde war Berlin nur gefährlich, wenn Reese gefährlich war. Oder mal Schuler (62.), der nach einem Steckpass von Michal Karbownik frei im Strafraum stand, aber beim Abschluss wegrutschte.
Oder die Hertha kontert: Marten Winkler treibt den Ball über die rechte Seite, sein Zuspiel in den Rücken der Abwehr schiebt Paul Seguin (67.) aus 16 Metern den Ball ins linkere Eck, allerdings wird der Versuch sogar noch abgefälscht und somit unhaltbar für Jonas Kersken Und was einmal klappt, hätte beinahe noch ein zweites Mal funktioniert. Wieder ein Konter, dieses Mal über Resse (74.), eine scharfe Flanke in die Mitte. Doch Kersken wirft sich stark in die Flanke und klärt vor dem einfliegenden Dawid Kownacki.
Auf der Gegensete wird ein Solo von Young im letzten Moment durch Toni Leistner gestoppt. Weil der Berliner der letzte Mann war, gabs Rot für den Abwehrspieler. Arminia ging in Überzahl „All in“ für die verbleibenden sieben Minuten, inklusive Nachspielzeit. Mitch Kniat brachte den erst 17-jährigen Eyyüb Arda Yasar, der zu seinem ersten Zweitligaspiel kam. Und der hätte beinahe aus 18 Metern Geschichte geschrieben. Doch seinen Schuss (90.+ 3) kratzte Ernst noch aus dem Winkel. Doch dann belohnte Stefano Russo die Anstrengungen und unbedingten Willen. Kersken war mit nach vorne gerückt und hatte für Russo aufgelegt, der aus zehn Metern das Leder in den Winkel schießt – ein Traumtor!
Kurze Check durch den Videobeweis und dann aber endloser Jubel über den späten, aber vollkommen verdienten Ausgleich unserer Arminia. Mit diesem einen Punkt unterm Weihnachtsbaum geht’s zurück nach Ostwestfalen in die kurze Winterpause.
Hertha BSC: Ernst – Karbownik, Kolbe (15. Zeefuik), Leistner, Gechter – Seguin, Demme (88. Klemens) – Reese, Cuisance, Winkler – Schuler (64. Kownacki)
DSC Arminia Bielefeld: Kersken – Felix, Schneider (87. Yasar), Großer -Handwerker (64. Lannert), Russo, Hagmann – Wörl (83. Mehlem), Corboz – Sarenren Bazee (46. Young), Momuluh (83. Kania)
Schiedsrichter: Jarno Wienefeld (Hamburg)
Zuschauer: 45 000
Gelbe Karten: Demme, Reese, Winkler, Leitl (Hertha-Trainer) – Momuluh, Wörl
Rot: Leistner
Tore: 1:0 (67.) Seguin, 1:1 (90.+6) Russo

